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Ready Player One oder gefeierter Eskapismus

By 02/04/2018 No Comments

Bevor sich Ende April die Avengers ordentlich austoben können, lockt Anfang April die von Fans lang erwartete Verfilmung von Ernest Clines Roman „Ready Player One“ in die Kinos. Als 2015 bekannt wurde, dass niemand geringerer als Steven Spielberg selbst dabei Regie führen wird, habe ich mir sofort den 2010 erschienen Roman gekauft und war überwältigt von den zahlreichen popkulturellen Referenzen der 80er Jahre. Gerade deshalb war ich auch sehr gespannt, wie das nun im Film umgesetzt werden konnte. Daher habe ich ihn mir in IMAX angeschaut und kann euch nun berichten, was ihr erwarten könnt.

© 2018 Warner Bros. Pictures

Everybody wants to rule the world

Der Inhalt des Werks ist schnell erzählt, 2045 ist die reale Welt einfach gesagt, nicht unbedingt die beste, daher flüchten sich viele in die sogenannte Oasis, eine von James Halliday (Mark Rylance) gegründete Virtual-Reality Welt. Nach dessen Tod wurde bekannt, dass er ein Easter Egg in der Oasis versteckt hat, wer dieses findet bekommt nicht nur eine riesige Summe Geld, sondern die gesamte Kontrolle über die Oasis. Seitdem ist ein regelrechter Suchwahn entstanden und einer der Gunter (Egg-Hunter) ist der junge Wade Wilson aka Parzival (Tye Sheridan), der in einer Art Slumviertel in Columbus wohnt. Parzival bekommt Hilfe von seinem Freund Aech , sowie den anderen Guntern Art3mis, Daito und Shoto, die die Suche zum Guten wenden wollen. Denn nicht alle wollen, die Oasis so frei weiterführen wie bisher, der Konzern IOI, an dessen Spitze der skrupellose Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn) steht, wollen die „wichtigste Ressource“ der Welt kommerziell ordentlich ausschlachten. Die Suche und der Kampf um die Oasis verlegen sich daher zunehmend in die Realität und das nicht ohne Folgen.

© 2018 Warner Bros. Pictures

One Way or Another

Fans des Buches werden wohl schon beim Trailer aufgeschrien haben, denn dort bekommt man schon zu sehen, dass sich der Film definitiv nicht akribisch an den Roman halten wird. Ich würde sagen, er ist überhaupt nur sehr lose daran angelehnt, das Grundgerüst blieb erhalten, aber darum herum, wurde ordentlich gewerkt, ausgetauscht und überarbeitet. Dem muss man sich bewusst sein, wenn man ins Kino geht. Mich persönlich hat das nicht besonders gestört, die Story ist in sich schlüssig und ich finde, dass Realität und VR sehr ausgeglichen zu sehen waren, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Die Änderungen, Auslassungen, etc sind da, aber als Gesamtpaket hat es sehr gut funktioniert. Allerdings lässt ein 140 Minuten Film nicht viel Zeit für Charakterentwicklung übrig, etwas dass im Roman natürlich viel besser funktioniert hat, wo sehr klar dargestellt wurde, wie aus einem eher introvertierten Teenager ein mutiger Held werden kann.

© 2018 Warner Bros. Pictures

Pure Imagination

Wer allerdings darüber hinwegsehen kann, dass Spielberg etwas ganz Eigenes aus dem Werk Clines gemacht hat, der wird mit einem gigantischen Filmabenteuer belohnt, das man sich wirklich nicht entgehen lassen sollte. Ein wunderbarer Cast mit fast durchwegs neuen Gesichtern weiß zu begeistern. Ben Mendelsohn leistet eine gute Arbeit bei der Darstellung des Bösewichts und den Jungstars sieht man die Freude beim Spielen an, auch wenn manche leider nicht so viel Screentime haben. Besonders hervorheben sollte man allerdings Mark Rylance, der durch seine verschrobene Art am glaubhaftesten wegkommt. Neben dem tollen Cast und der überwältigenden Darstellung der Oasis, die sich animationstechnisch nicht hintenanstellen muss, sorgt die Musik für ein übriges. Vielleicht sogar besser als in Guardian of the Galaxy sorgt sie nicht nur für einen heiteren Unterton, sondern setzt das Publikum in die richtige Stimmung, etwa wenn beim finalen Kampf „We´re not gonna take it“ aufgelegt wird.

© 2018 Warner Bros. Pictures

Was aber natürlich von allen erwartet wird, sind die zahlreichen popkulturellen Referenzen und davon gibt es tonnenweise. Man kann beim ersten Mal gar nicht alles entdecken, von Turtles über Street Fighter, bis King Kong und Godzilla ist alles vorhanden. Einmal blinzeln und schon hat man wieder was verpasst. So macht das mehrmalige Ansehen natürlich umso mehr Spaß, da man immer wieder etwas zu entdecken hat.

Fazit

Eine kleine Kritik muss ich dann leider doch noch loslassen. Etwas das mich schon am Roman etwas gestört hat, war die nur sehr leise Kritik an dieser Form des Eskapismus. Die Welt ist schlecht, daher flüchten alle in die Oasis und als diese bedroht wird, setzen sich alle dafür ein. Und die echte Welt? Die geht mehr oder weniger zugrunde. Im Film wird etwas stärker auf diese Thematik eingegangen, aber ich hätte mir in dieser Hinsicht noch mehr gewünscht, denn eigentlich sind manche Szenen erschreckend, wenn man etwa einen Blick in verschieden Wohnungen werfen kann und nahezu alle eine VR Brille tragen. Das wäre keine Zukunft, die ich mir wünsche. Doch es besteht Hoffnung! Denn Ernest Cline arbeitet an einer Fortsetzung des Romans, bleibt zu hoffen, dass es in dieser weiter in diese Richtung geht und dass Spielberg sich wiederum dieser annimmt und … naja seine eigene Geschichte daraus macht 😉

Bis dahin ist es allerdings noch eine lange Zeit, daher, geht ins Kino, findet so viele Popkultur Referenzen wie ihr könnt und habt einfach Spaß!! Ready Player One?!

 

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