The Imitation Game – Ein Streng geheimes Leben – Filmkritik

Wir entschlüsseln einen nicht entschlüsselbaren Nazi-Code und gewinnen den Krieg. – Alan Turing

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The Imitation Game © Constantin Film 2015

Inhalt

Der Enigma Code. Ein Code, von welchem die Deutschen sicher waren, dass dieser nie geknackt werden könnte. Viele haben es versucht und sind kläglich gescheitert. So bekam der Code den Titel „unentschlüsselbar“.
Wir schreiben den Beginn des Zweiten Weltkrieges in England. Alan Turing (Benedict Cumberbatch), ein junger Mathematikprofessor aus Cambridge, wird vom Britischen Geheimdienst engagiert, um gemeinsam mit anderen Code-Spezialisten den unentschlüsselbaren Nazi-Code „Enigma“ zu knacken.
Doch durch seine, etwas eigene und auf andere Leute arrogant wirkende, Art macht er sich keine Freunde unter seinen Kollegen und schafft es, selbst seine Vorgesetzten gegen sich aufzubringen. Doch er bekommt noch eine Chance zu beweisen, dass die Maschine, welche er entwickelt um den Code zu knacken, funktioniert.
Die junge Mathematikerin, Joan Clarke (Keira Knightley), schließt sich dem Team an und findet in Alan einen Seelenverwandten. Die beiden kommen sich durchaus näher und beide schaffen zusammen mit dem Rest des Teams etwas, von dem die Welt bisher dachte es sei unmöglich.
Doch, was die Welt nicht weiß und wofür Alan einen hohen Preis zahlt, wenn es je an die Öffentlichkeit gerät war, das er homosexuell ist. Dieses Geheimnis könnte nicht nur sein Leben sondern auch das gesamte Projekt in Gefahr bringen.

Was ist, wenn nur eine Maschine, eine Maschine besiegen kann? – Alan Turing

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The Imitation Game © Constantin Film 2015

Über Alan Turing (Achtung, mögliche Spoiler zum Film!)

Alan Mathison Turing (*23 Juni 1912 / London) hat, durch seine Maschine und natürlich auch durch sein Genie, selbst den Grundstein zur modernen Informatik gelegt. Die „Turing-Bombe“, wie seine Maschine genannt wurde, und welche am Ende den Enigma-Code der Nazis geknackt hatte, wurde selbst nach dem Krieg jahrzehnte lang von der britischen Regierung streng geheim gehalten. Doch durch seine Maschine, konnte der Zweite Weltkrieg um mindestens zwei Jahre früher beendet werden.
Alan Turing interessierte sich schon seit jungen Jahren für Naturwissenschaften und Mathematik. Er war begabt darin, eigenwillige Lösungswege zu finden, fernab der vorgegebenen Wege. 1931 studierte er am King’s College in Cambridge und bewies in seiner Abschlussarbeit den zentralen Grenzwertsatz. Woraufhin man ihm zum „Fellow“ ernannte. 1936 erschaffte Turing, zum ersten Mal, die sogenannte „Turingmaschine“. Diese Maschine gilt als früher Vorläufer der heutigen Computer. Das Berechenbarkeitsmodell der Turingmaschine findet auch heute noch seinen Platz indem es eines der Fundamente der theoretischen Informatik bildet. 1938 wurde Turing der Doktortitel von Princeton verliehen.
Ein Jahr später wurde er von der Regierung engagiert, um für die Government Code and Cypher School zu arbeiten. Diese Abteilung der Regierung war zuständig dafür, Codes zu entschlüsseln. Darunter auch der Enigma Code der Nazis. Kurz nachdem Turing dort seine Arbeit anfing, begann er damit die Maschine zu konstruieren, welche genauso hilfreich bei der Entschlüsselung sein sollte wie auch Turings mathematische Fähigkeiten selbst. 1941 verlobte sich Alan Turing mit der Mathematikerin Joan Clarke, doch er brach die Verlobung recht schnell wieder ab um Joan seine Homosexualität zu gestehen.
1948 arbeitete Turing für die Universität von Manchester an einer Software für den Manchester Mark I. Einem der ersten Computer der Welt. Des Weiteren nahm er sich die Zeit um den Turing Test zu erfinden. Dieser Test sollte definieren, was Intelligenz im Bezug auf Computer bedeutete. Schließlich erwies sich dieser Test als eine dauerhafte und wichtige Grundlage für die Definition von künstlicher Intelligenz in der heutigen Zeit.

THE IMITATION GAME

The Imitation Game © Constantin Film 2015

1952 wurde Turing wegen „grober Unzucht und sexueller Perversion“ angeklagt und verurteilt. Er hatte die Wahl zwischen einer Haftstrafe oder einer ärztlichen Behandlung gegen seine Homosexualität welche zur damaligen Zeit noch als Krankheit angesehen wurde. Turing wählte die Behandlung zu der auch Medikamente mit Östrogenen gehörten.
Die Behandlung dauerte ein Jahr und brachte etliche psychische als auch physische Nebenwirkungen mit sich. Turing erkrankte an Depression. Zwei Jahre später starb Turing an einer Cyanidvergiftung. Laut Gerichtsarzt war es ein Freitod doch an dieser These gibt es bis heute Zweifel.
Am 10.09.2009 entschuldigte sich der Britische Premierminister Gordon Brown im Namen der britischen Regierung für die Verfolgung Turings aufgrund seiner Homosexualität.

Über die Cast, den Stab und Hintergründe

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The Imitation Game © Constantin Film 2015

Mit The Imitation Game hat Graham Moores den Top Anwärter für die diesjährige Oscar Verleihung geschaffen. Die unglaubliche aber dennoch wahre und doch so unbekannte Geschichte von Alan Turing glänzt mit einer Star Besetzung und einem internationalen Team.
Der Titel „The Imitation Game“ war ursprünglich der Titel zu Alan Turings Methode, festzustellen ob etwas eine Maschine ist, oder eine richtige Person. Dies hat Moore so sehr gefallen das er den Film nach eben jener Methode benannte.

Für die Rolle des Alan Turing bestand Morten Tyldrum auf Benedict Cumberbatch. Denn er suchte einen Schauspieler welcher sowohl die Menschlichkeit, als auch die Komplexität und Vielfalt Turings wiedergeben konnte. Ein Schauspieler, dem man ein Genie abnimmt und Benedict Cumberbatch war bekannt dafür.
Für Turings Vertraute und kurzzeitig Verlobte meldete sich Keira Knightley welche es schafft eine Rolle zu spielen, die genauso intelligent war wie Turing selbst und zusätzlich mit Cumberbatch perfekt harmoniert.

THE IMITATION GAME

The Imitation Game © Constantin Film 2015

Auch für den Rest des Ensembles wählte Morten Tyldrum erstklassige Schauspieler wie Matthew Goode, welcher den Part des intelligenten Charmeurs Hugh Alexander einnahm, oder auch Mark Strong, als Stewart Menzies, oder Rory Kinnear als Detective Robert Nock welcher der einzige Charakter des Filmes ist, der vom Drehbuchautor in die Geschichte geschrieben wurde.

THE IMITATION GAME

The Imitation Game © Constantin Film 2015

Für das Setting und die Kostüme entschied man sich dafür so zeitgetreu wie möglich zu sein. Man stellte etliche Recherchen bezüglich der Kleidung an. Man wollte die Zeitepoche so dynamisch wie möglich wirken lassen und nicht so gedämpft wie andere Filme welche in dieser Zeit spielen.
Die Turing-Bombe welche Turing liebevoll ‚Christopher‘ nannte, wurde interessanter gestaltet. Moore wollte das sein ‚Christopher‘ interessanter als das Original aussieht da es schließlich das wichtigste Element des Filmes ist. So entschied man sich auch das Innenleben der Maschine zu zeigen. So, wie die Maschine aussah ehe man sie in die schwarze Schachtel packte, in welcher sich das Original heute befindet.

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The Imitation Game © Constantin Film 2015

Besetzungsliste

  • Alan Turing – Benedict Cumberbatch
    Joan Clarke – Keira Knightley
  • Hugh Alexander – Matthew Goode
  • Stewart Menzies – Mark Strong
  • Detective Robert Nock – Rory Kinnear
  • Commander Denniston – Charles Dance
  • John Cairncross – Allen Leech
  • Peter Hilton – Matthew Beard
  • Alan als Junge – Alex Lawther
  • Christopher Morcom – Jack Bannon

Fazit:

Der Film spielt auf drei Ebenen. Zum einen haben wir die Zeit nach dem Krieg, in welcher Alan Turing von Detective Nock verhört wird. Darauf beruhen auch die Erzählungen dazwischen. Wir haben Flashbacks zu Turings Zeit in der Schule. Doch der Großteil der Geschichte befindet sich in der Zeit Turings während er an seiner Turing-Bombe arbeitete.

Ich persönlich warte schon seit November darauf den Film zu sehen und war mir nicht sicher, ob er nun wirklich so gut ist, wie die Presse aus UK oder USA ihn puscht. Doch ich wurde überzeugt. Von der ersten Minute an fesselt einem die Geschichte um den Mann, ohne welchen es Computer so wie sie nun sind wohl nicht gäbe und welcher Millionen von Menschenleben rettete indem seine Maschine den Enigma-Code knackte und somit den Zweiten Weltkrieg um mehr als zwei Jahre früher beendete.

Mir war zu keiner Minute in dem Film langweilig. Die Dynamik zwischen den Schauspielern passte großartig zusammen und auch die Filmmusik welche aus Alexandre Desplat’s Feder kommt passt wunderbar in die Handlung.
Benedict Cumberbatch, welcher hierzulande für seine Rollen als Sherlock Holmes (Sherlock), Khan Noonien Singh (Star Trek – Into Darkness) oder Smaug (Hobbit) bekannt ist, brilliert als Alan Turing. Seine Leistung ist glaubhaft, wie man es von ihm gewohnt ist. Wenn auch es eine (mittlerweile) typische Cumberbatch Rolle war im Sinne von; außergewöhnliche und intelligente Persönlichkeit.

Keira Knightley,(Fluch der Karibik, Star Wars Episode 1 – Die Dunkle Bedrohung) spielt die Rolle der Joan Clarke. Als einzige Frau in der Hauptcast und Vertraute Turings harmoniert sie perfekt mit Cumberbatch. Die Beiden fungieren als dynamisches und einzigartiges Duo mit hohem Intellekt. Doch ist sie eher der menschliche Part des Duos während Cumberbatch als Turing mehr der rational Denkende ist.
Der Rest der Cast welche sich um den Hauptcharakter tummelt, bringt ebenfalls Dynamik in das Spiel was den Film angenehm zu Schauen macht.
Man kann (vor allem gegen Ende) mit Turing mitfühlen wie es ihm ging bezüglich seines größten persönlichen Geheimnisses und auch bezüglich aller Geheimnisse welcher er während dieser Zeit mit sich trug.

Das Setting ist wunderbar in der richtigen Zeit gesetzt und bis auf Tip-Ex (was es damals noch nicht gab) findet sich nicht wirklich ein Zeitfehler. Auch die Kleidung ist der Zeit angepasst und fällt nicht aus dem Bild.

In The Imitation Game findet sich eine Romanze, Drama, Betrug, Verrat, Krieg, eine außergewöhnliche und tragische Person und der Fakt, das alles auf einer Wahren Begebenheit beruht. Verpackt in einem Film welcher in meinen Augen ein verdienter Anwärter auf den Oscar ist. Das die Geschichte um einen Mann der so viel für die heutige Zeit getan hat, jahrelang so sehr unter den Teppich gekehrt war, ist etwas traurig und so finde ich persönlich es sehr gut das nun mit diesem Film die Geschichte um Alan Turing ihre Runde um die ganze Welt macht und das sogar in einer Besetzung, wie sie besser nicht hätte sein können. Von einem Team, das großartige Arbeit geleistet hat.

Für jeden der sich etwas aus wahren Kriegsgeschichten macht oder einfach ein brillantes Drama sehen will, dem kann ich für The Imitation Game meine vollste Empfehlung geben.
Oder man will mal wieder Benedict Cumberbatch auf großer Leinwand sehen. Jedem sein eigener Ansporn den Film anzusehen.

Prädikat: Sehenswert!

The Imitation Game – Ein streng Geheimes Leben
Ab 23. Januar 2015 nun endlich auch in den Österreichischen Kinos

theimitationgamemovie.com
(Cover The Imitation Game © Constantin Film 2015)

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