Phänomen Let’s Play

Die meisten kennen sie, viele schauen sie, manche meiden sie, doch nur wenige wissen was eigentlich an Aufwand, Schweiß und Herzblut in vielen davon steckt: Let’s Plays.

Der Trend der auf Youtube, MyVideo und anderen Videostreaming-Plattformen in den letzten Jahren geradezu explodiert ist, erfreut sich vieler Zuseher aber auch Kritiker. Doch was ist eigentlich ein Let’s Plays? Was passiert hinter den Kulissen, wer profitiert davon und wie?

Let’s Plays im Allgemeinen

Im Gegensatz zu einem Walkthrough, in dem man einfach nur gezeigt bekommt wie man ein Spiel und seine Rätsel löst, begleitet man in einem Let’s Play den Spieler auf seiner Reise durch das Spiel mit seinem Charakter. Dieser ist dabei in der Lage das Spiel zu kommentieren, kritisieren und eigene Anliegen und Themen anzusprechen, die nicht zwangsweise auch über das Spiel sein müssen. Ebenso muss ein LP nicht immer komplett fehlerfrei oder geplant ablaufen sondern kann auch mal in einem Misserfolg oder Respawn beim Kontrollpunkt enden. Diese Freiheiten und die weniger kalkulierten, dafür mehr abenteuerlichen Spieleabläufe, machen Let’s Plays einzigartig. Denn jeder spielt das Spiel auf seine Art und Weise, mit seinen eigenen Kommentaren und Ansichten.

Hinter den Kulissen

mikrofon

Viele denken sich wahrscheinlich „Einfach Spiel einschalten, Aufnehmen, in das Headset reden und passt schon“. Wer aber schon mal selbst ein LP produzieren wollte, hat bald festgestellt, dass das eigentlich alles gar nicht so leicht ist. Wie bei jeder Produktion muss nämlich erst einmal das richtige Equipment und Know-how erworben werden. Als Grundausstattung benötigt man prinzipiell ein nicht zu sehr rauschendes Mikrofon, ein Aufnahmeprogramm bzw Game-Capture-Device (für Aufnahmen von Konsolenspielen), ein Video-Schnittprogramm und ein gewisses Grundverständnis für die Nutzung der Programme. Hierfür muss man mit einem Startkapital von ca. 150€ und höher rechnen, da die Programme und die sonstige Ausrüstung nicht gerade billig sind. Nun müssen nur noch die Spiele besorgt werden und schon kann es losgehen! Nach der Aufnahme müssen die Videos noch konvertiert, bearbeitet, geschnitten und auf eine Videoplattform hochgeladen werden, was auch einiges an Zeit fressen kann. Aber wie bei jedem Hobby heißt es: Wenn es Spaß macht, ist es keine Arbeit!

Die Plattformen

Ist das Let’s Play erstmal produziert, kommt schon die nächste Frage auf einen zu: Wo hochladen? Hier gibt es mehrere Varianten aus denen man wählen kann. Die wohl größten Plattformen die zur Auswahl stehen sind Youtube, MyVideo und Twitch, wobei jede ihre Einzigartigkeiten hat. Youtube ist die größte Videoplattform und hat somit auch eine starke Frequenz sowie Millionen an potentiellen Zuschauern. Wenn man nun ein englisches Let’s Play macht, kann man seine Chancen noch weiter vergrößern, gesehen zu werden. Auch bietet Youtube selbst, ab einer gewissen Zuschauer- und Abonnentenzahl, eine Partnerschaft an die einige Vorteile bringt. Diese Partnerschaft beteiligt einen nämlich an den Werbeeinnahmen die sie durch die geschalteten Werbungen in dem Video machen, sowie mehr Einstellungen und Optionen für die Videos selbst sind verfügbar.

MyVideo ist da recht ähnlich, doch ist mehr für deutsche Nutzer und die Frequenz ist dadurch auch kleiner, aber für erste Schritte auch sehr zu empfehlen, da die Community sehr nett ist.

Wer ein bisschen etwas anderes sucht sollte vielleicht mal auf Twitch vorbeischauen. Twitch ist nämlich keine normale Videoplattform sondern ein Streamingportal. Hier kann man live und mit anderen Menschen chatten, während sie einem zusehen wie man spielt. Die Berühmtheit von Twitch ist in den letzten Jahren enorm angestiegen und hat auch dafür gesorgt das sich größere Unternehmen für das Portal interessieren. Im August dieses Jahres kaufte, nach einem knappen Rennen mit Google, nun Amazon die Streamingplattform und machte damit einen weiteren großen Schritt in die Spiele und Videowelt. So wie Youtube bietet auch Twitch ein Partnersystem an, welches einen erlaubt mehr Einstellungen während den Streams vorzunehmen und auch mit geschalteten Werbungen Geld zu verdienen.

youtube twitch

Let’s Play Berühmtheiten

Der Traum eines jeden Let’s Players ist es wohl, einmal so berühmt zu werden, dass man sich mit den LPs das Leben finanzieren kann. Dies ist auch schon einigen gelungen und der wohl berühmteste unter ihnen ist Felix Kjellberg. Der unter dem Namen PewDiePie berühmt gewordene Schwede ist der meist abonnierte Youtuber auf der Welt und hat sein Hobby zum Beruf gemacht. 2009 erstellte er sein Profil auf Youtube und füllte es mit Let’s Plays und Vlogs (Video Blogs) welche ab 2012 immer mehr an Bekanntheit erlangten. Durch seine durchgedrehte Weise Spiele zu kommentieren, viel Humor und Einfallsreichtum, sowie seiner sehr sympathisch rüberkommenden Art (und wahrscheinlich auch ein bisschen wegen seines schwedischen Akzents) wuchs die „PewDiePie‘s Bro Army“, wie er liebevoll seine Abonnenten nennt, immer weiter bis er der irgendwann der meist abonnierte Kanal auf Youtube war. Zusammen mit seinen über 33 Millionen Fans organisiert Kjellberg immer wieder Charity-Events, um dem Planeten, der Tierwelt und Menschen in Nöten zu helfen. So nahm er mit der Aktion Charity: Water über 450000 US-Dollar für Trinkwasser in den „Dritte Welt Ländern“ ein.

pewdiepie

Aber auch im deutschsprachigen Raum ist die Let’s Play-Szene in den höheren Rängen vertreten. Hier befindet sich gleich auf Platz 1 der deutschen Youtuber ein Let’s Player. Die Rede ist von Erik Range alias Gronkh, der mit seinem Minecraft Let’s Play, seinen einerseits tiefsinnigen und andererseits durch und durch komischen Kommentarstil und dem Motto „Let’s Plays mit Herz“ sich eine große Fanbase aufgebaut hat. Gronkh hat mit seinen 3,3 Millionen Abonnenten zwar nur ein Zehntel von PewDiePie, ist aber genauso wie andere deutsche LPler wie z.B.: Sarazar (1,5), PietSmiet (1,7) oder Ungespielt (1,3), zudem ich gleich nochmal zurückkommen werde, trotzdem sehr gut im Geschäft.

gronkh

Schattenseiten und Probleme

Mit der Größe eines Kanals und seiner wachsenden Popularität werden auch immer andere Parteien auf einen aufmerksam. So gibt es Firmen, sogenannte MCN’s (Multi-Channel-Netzwerke), die sich darauf spezialisiert haben, Youtuber zu vermarkten, berühmt zu machen, die Kanäle zu verwalten und mit ihren Schützlingen zusammen Geld zu verdienen. Im Fall des Let’s Players Simon Unge alias Ungespielt endete dies jedoch im Debakel. Dieser bekam nämlich von seinem MCN kaum Unterstützung, sowie wurden ihm angeblich Einnahmen unterschlagen und Drohungen ausgesprochen, welche versprachen ihn bei Vertragsbruch/Kündigung in die Privatinsolvenz zu treiben. Infolgedessen trennte sich Simon nun in einem emotionalen Video mit dem Hashtag #Freiheit von seinen beiden Kanälen Ungespielt und Ungefilmt, da er nichtmehr die Rechte an ihnen besitzt sondern das MCN und er so nicht mehr weitermachen kann. Wie der Rechtsstreit allgemein ausgehen wird steht zu diesem Zeitpunkt noch in den Sternen.

Unge

Rechtliche Fragen müssen aber auch in anderen Bereichen des Let’s Plays bedacht werden. So ergibt sich die Problematik, dass die Spielefirma Nintendo Let’s Playern verbietet ihre Spiele vorzuführen. Dies hat schon oft zu rechtlichen Streitigkeiten geführt und ist in der Szene schon bekannt. Nur auf mehrmalige Bitten hin hat nun Nintendo eine begrenzte Erduldung ausgesprochen. Let’s Player dürfen jetzt Videos von Nintendospielen zwar produzieren, müssen aber zuerst von dem Konzern abgesegnet und schriftlich erlaubt werden.

nintendo

Eine weitere Problematik der Popularität von LPs ist die wachsende Kinderrate in der Szene. Diese meinen nämlich mit billigem Equipment und kopierenden Formaten ihre Lieblingsyoutuber nachmachen zu müssen, um so selbst berühmt zu werden und damit Geld zu verdienen. Mit dem immer größer werdenden Anstieg an „Kiddie Let’s Playern“ steigt auch die Anzahl an wenig qualitativen Let’s Plays und sorgt für ein schlechteres Bild der Szene.

kiddie gamer

Fazit

Das Phänomen Let’s Play ist ein über die letzten Jahre explosiv wachsender Bereich der Internetszene. Ob man sie nun mag oder nicht, wegzudenken sind sie für die meisten jedoch nicht mehr. Diejenigen, die sie mögen und schauen, sei es aufgrund des fehlenden Geldes für den Eigenkauf des Spiels oder einfach um seinen Lieblings-Youtuber zuzusehen, werden zumindest nicht mehr auf sie verzichten wollen. Doch sollte man auch niemals vergessen das hinter den Videos auch ein Mensch sitzt der sie mit seinem Herzblut produziert und an jeder Kreation hängt.

Für mich liegt die Besonderheit der Let’s Plays in ihrer unterschiedlichen Spielweise zu den sonst so eintönigen Walkthroughs. Man sieht wie es auch mal nicht laufen kann, oder ganz anders als erwartet. Denn gerade die ungeskripteten Momente sind meiner Meinung nach die, die Let’s Plays ausmachen und ein bisschen mehr Mensch ins Spiel bringen.

 

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