Penny Dreadful oder wie ein Bondgirl Mut zur Hässlichkeit beweist

Die Serienseason 2014/15 neigt sich langsam dem Ende zu, Staffel- oder sogar Serienfinale werden ausgestrahlt, die Sommerpause naht mit großen Schritten. Es gibt allerdings auch Serien, die gerade um diese Zeit herum starten und noch vor Beginn der Sommerserien enden. Dazu gehört auch Penny Dreadful, eine wahre Perle inmitten des Einheitsbreis, der in letzter Zeit so serviert wird. Trotzdem ist diese im deutschen Sprachraum noch deutlich unbekannt und das obwohl erst vor kurzem die DVD/BR der ersten Staffel erschienen ist und in den USA am 3. Mai nun die zweite Staffel an den Start gegangen ist. Ich sehe das als Anlass, die Serie einmal kurz vorzustellen, damit ihr euch vielleicht bald selbst ein Bild davon machen könnt.

Episode 102

Dorian Gray, Frankenstein und ein ehemaliges Bondgirl

Penny Dreadful’s erste Staffel hat nur acht Folgen, von denen jede aber knapp eine Stunde dauert, die zweite Staffel wurde sogar auf neun Folgen aufgestockt. Produziert und ausgestrahlt wird die Serie von Showtime, im deutschsprachigen Raum auf Netflix. Einem einzigen Genre lässt sich PD nicht zuschreiben, denn es weist Horror-, Thriller- und auch Dramenelemente auf.

Der Begriff Penny Dreadful bezeichnet typische „Groschenromane“, die im 19.Jahrhundert gekauft (um einen Penny) und gelesen worden sind. Charaktere der Serie sind eben alten literarischen Werken entnommen, die Allgemeingüter sind, deren Verwendung also nicht mehr irgendwelchen Lizenzen unterliegt. Dazu gehören etwa Figuren aus Dracula, Frankenstein oder Dorian Grey.

Penny Dreadful

Hauptcharakter ist aber eindeutig das ehemalige Bond Girl Eva Green, die die geheimnisvolle Vanessa Ives spielt. In der ersten Staffel ist sie es, die die Suche nach ihrer Freundin Mina Harker vorantreibt, deren Rettung die Haupthandlung darstellt. Kurz gesagt geht es in PD um das Leben einer Gruppe Menschen mit außergewöhnlichen Eigenschaften. Es erinnert auf den ersten Blick an den Film „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“, allerdings ist es qualitativ um Welten besser.

Was macht Penny Dreadful so einzigartig?

Was besonders hervorsticht, sind die wahnsinnig guten schauspielerischen Leistungen, allen voran Eva Green, die mit ihrer Performance bis an ihre Grenzen geht und dabei auch mehr als einmal Mut zur Hässlichkeit beweist. Aber nicht nur sie, sondern auch Timothy Dalton, Josh Hartnett oder Billie Piper liefern eine Glanzleistung ab. Großartig ist aber auch das Setting, ein viktorianisches England, das nie billig, sondern wirklich sehr real wirkt, wie man es sonst nur aus Filmen kennt. Das gruselige und dunkle Städtchen spielt eine wichtige Rolle für die Stimmung der Serie, die übrigens erst ab 16 freigegeben ist und mit einigen heftigen Szenen aufwartet. Ich weiß nicht, ob FSK 18 nicht vielleicht besser gewesen wäre. Es kommt oft zu Szenen, sowohl brutaler als auch sexueller Natur, die nichts für zarte Gemüter sind, nicht umsonst wird die Serie auf Wikipedia als psychosexuelle Horrorserie bezeichnet. Game of Thrones lässt in dieser Hinsicht grüßen!

PennyDreadful

Allerdings bekommt die Serie ein weiters großes Plus wegen ihrer Story und dem Spiel mit den bekannten Figuren der Literatur. Jede/r kennt sie, beziehungsweise glaubt sie zu kennen und man erlebt sie hier von einer völlig neuen Seite, die umso mehr fasziniert.

Trotz all des Lobes hab ich aber auch Negatives zu berichten, denn auch wenn Eva Green wirklich hervorragend ist, wird ihr Figur doch zu prominent in den Vordergrund gerückt, während andere Charakter vernachlässigt werden. Die erste Staffel fokussierte sich auf sie und ihre Vergangenheit, daher hatte ich Hoffnung, dass nun in der zweiten Staffel die anderen mehr in den Fokus rücken. Aber bisher ist davon nichts zu sehen, im Gegenteil, wieder ist die geborene Französin Mittelpunkt des Geschehens. Mal abwarten, ob sich dies noch ändern wird.

Fazit

Penny Dreadful ist, trotz kleiner Kritikpunkte, auf jeden Fall einen Hingucker wert, so hochwertig und bis in die kleinsten Nebenrollen gut besetzt, sind nur wenige Serien, die derzeit auf dem Markt sind. Außerdem ist durch den Genremix wirklich für jede/n etwas dabei, die Horrorfans kommen genauso auf ihre Kosten, wie die Dramaqueens und –kings, und nebenbei können sich auch noch die belesenen, anglophilen ZuseherInnen sich an Referenzen der berühmtesten RomanheldInnen erfreuen.

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Die zweite Staffel ist bereit in vollem Gange und bis jetzt scheint es, als ob das Niveau der ersten gehalten werden kann. Ich hoffe, dass das auch so bleibt, und ich die Serie immer noch mit bestem Wissen und Gewissen weiterempfehlen kann.

Also schaut rein, taucht ein ins viktorianische London und macht euch selbst ein Bild davon!! Ich hoffe euch gefällt sie genauso wie mir. Ich würde mich freuen, von euren Erfahrungen zu hören!

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