Marvel’s Agent Carter Preview – Die etwas andere TV-Serie

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Agent Carter © 2015 ABC Studios

 

Beide Pilotenfolgen zu ‚Agent Carter‘, die  am 6.Jänner 2015 auf ABC erschienen sind, haben meiner Meinung nach so gut wie die meisten vergleichbaren Serien  in den Schatten gestellt, speziell Agents of S.H.I.E.L.D., das im Vergleich einfach nur katastrophal begonnen hat. Und das zu meiner großen Überraschung. Ich war doch etwas nervös, denn Serien oder auch Filme mit einer weiblichen Hauptprotagonistin werden meist mit einem viel kritischeren Auge betrachtet. Grund dafür ist wohl die Erwartungshaltung, dass irgendetwas schieflaufen muss. Auch ich habe mich dabei ertappt. Erfolgsserien wie ‚Xena‘ und ‚Buffy‘ sind dann doch ein Weilchen her, woraufhin Wonderwoman mit Adrianne Palicki aus dem Jahre 2011 folgte. Die Pornoindustrie hatte sogar einen besseren Job mit ihrer Wonderwoman-Adaption gemacht als die eigentlichen Hollywood-Studios, worüber jetzt noch unter Filmkennern gelacht wird. Das sitzt natürlich tief.

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Wonderwoman © 2011 Warner Bros. Television

 

Das MCU will allerdings auch seine Fans beschwichtigen. Nachdem die Chancen einen lang ersehnten ‚Black Widow‘ Film zu bekommen, trotz vorhandener Skripten, erstmal im Sand verlaufen sind, wird  Natasha Romanoff’s Originstory in Age of Ultron mit eingeflochten, wenn man den Trailer dazu auch trauen kann.

Vor ‚Captain America: The Winter Soldier‘ wurde noch ein ca. 15 minütiger Oneshot zu Agent Carter produziert, der wunderbar bei den Fans ankam. Vermutlich war das der Auslöser, der die Serie Wirklichkeit werden ließ.

Die Geschichte spielt sich nach dem zweiten Weltkrieg ab, eine Weile nachdem Steve Rogers mit seinem Flugzeug ins Eis gestürzt war und alle seinen Tod betrauert hatten.

Peggy Carter (Hayley Atwell) arbeitet als Agent beim SSR, dem Vorläufer von S.H.I.E.L.D, allerdings von den meisten Arbeitskollegen und Chefs zur Sekretärin degradiert, muss sie Tag täglich damit kämpfen sich in der Männerwelt zu behaupten.

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SRR © 2015 ABC Studios

 

In der ersten Folge begegnen wir bereits Howard Stark (Dominic Cooper), der vom SSR beschuldigt wird, Waffen und Technologie an Kriminelle zu verkaufen, da diese in deren Besitz gefunden wurden. Peggy, die natürlich mit Howard seit dem zweiten Weltkrieg auch mal abends ein Fondue genießt, will diese Anschuldigungen nicht glauben und findet sich zwischen ihrem guten Freund und der Verpflichtung zum SSR hin- und hergerissen. Als Howard Stark sie um ihre Hilfe bittet, seine Weste wieder reinzuwaschen, sagt sie ihm diese nach einigem Zögern zu. Zur Seite steht ihr Howard’s treuer Butler und Begleiter Jarvis (James D’Arcy).

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Carter and Jarvis © 2015 ABC Studios

 

Die ersten drei Folgen hatten unheimlich viele überraschende Wendungen, was ich mir von einer Serie im Adventure-Genre wünsche. Auch waren viele Parallelen zu den Comics zu finden, wie zB die Firma namens Roxxon, oder den ominösen ‚Leviathan‘. Howard’s Erfindungen und Waffen erinnern auch ein bisschen an die ‚gemstones‘ aus den Marvelfilmen, außerdem ist nicht immer klar, ob und wieviel ‚Superkraft‘ in den Folgen eingesetzt wird. Da wurde den Schreibern freie Hand gelassen. Es werden Szenen gezeigt, die vermuten lassen, dass der eigentliche Bösewicht Superkraft besitzt, dazu kann man allerdings zu dem Zeitpunkt noch nicht mehr sagen.

Wir erfahren auch, dass Peggy mit ihrer Bekannten bzw. Freundin Colleen in einer WG wohnt, die von Peggy’s nächtlicher Tätigkeit als Agent Carter nichts weiß. Sie ist auch mit der Kellnerin, namens Angie befreundet, die vielleicht eine größere Rolle in Peggy’s Leben spielen könnte.

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Angie and Carter © 2015 ABC Studios

 

Hier hat das MCU freie Hand was die Storyentwicklung betrifft, da es mehrere Verläufe in den Comics gibt und für Peggy Carter nur der Ausgang entscheidend ist, der nach dem zweiten Captain America Movie bereits bekannt ist. Ich persönlich finde nicht, dass das für die Serie ein Schaden ist. Immerhin ist klar, dass in jeder Serie der Hauptprotagonist nicht sofort stirbt. (Und ja, Game of Thrones ist da eine Ausnahme.)

Wir wissen auch vom Oneshot, dass Peggy eine Familie gründet und das mit einem Mann, den Steve im Krieg gerettet haben soll.

Hier waren bereits Szenen als Flashbacks zum ersten Captain America-Film mit eingeflochten, was mich sehr gefreut hat. Die Verbindungen zum Marvel-Universum werden auf wirklich amüsante Weise eingebaut. Speziell die ‚Captain America -Adventure‘-Radioshow mit ‚Steve Rogers‘ und ‚Betty Carter‘ ist grandios und unglaublich witzig gemacht. Sie übernimmt quasi die ‚Erzählerrolle‘ der Serie, aber dann doch wieder nicht, da sie so ziemlich das genaue Gegenteil von ‚Peggy Carter‘ und ‚Steve Rogers‘ porträtiert. Wie Jarvis auch so schön sagt, war Peggy diejenige, auf die sich Steve verlassen konnte und die für ihn eine große Unterstützung war.

Auch wenn manche Zuseher die meisten Männerrollen als übertrieben sexistisch und dumm interpretieren, ist das doch die traurige Wahrheit und keinesfalls für die Nachkriegszeit außergewöhnlich. Trotz allem finde ich sie hervorragend besetzt und die zeitweilige Beschränktheit, sowie den Fakt, dass Agent Carter ihnen immer einen Schritt voraus ist, einfach nur unheimlich lustig. Vermutlich könnte Peggy den ein oder anderen Arbeitskollegen auch für sich gewinnen.

Hinzu kommen die Kampfszenen, die solide choreographiert sind und nicht billig und pseudomäßig rüberkommen. Man spürt richtig, wie Peggy’s Schläge wehtun, nicht umsonst twittert Hayley Atwell regelmäßig Entschuldigungen ans Stuntpersonal, das sie mal wieder malträtiert hat. Es ist einfach brutale Gewalt und diverse Gegenstände, die Peggy anwendet, um ihre Gegner außer Gefecht zu setzen. Man glaubt sofort, dass Hayley Atwell die Kraft hat und sie ist sich nicht zu schade, auch mal auf das Dach eines fahrenden Autos zu springen und sich dabei ins Innere über die Beifahrertür zu schwingen. Ich würde sagen: ‚I am very amused.‘

Besonders hervorheben muss ich die Musik, die Farbschemen, das Setting und das Kostümdesign. Die Musik ist eine Mischung aus filmischen Actionsounds und 40er Jahre Big Band, Swing, Rockabilly und wunderbaren Jazzrhythmen. Die Settings sind wie alte Vintage-Fotografien konzpiert, mit schön kombinierten Farben. Speziell das Kostümdesign ist bei Peggy, ihren Freundinnen und auch bei ihren Arbeitskollegen wundervoll anzusehen. Allein dafür zahlt es sich aus die Serie zu sehen. Peggy scheint auch gerne die Farben blau, rot und weiß zu kombinieren, vermutlich eine Anspielung an Captain America und ihre Verbundenheit zu ihm. Peggy’s ‚Verkleidungen‘ machen mich auch glücklich. Einmal als blonde verführerische Lady, dann sehen wir sie als strenge Lebensmittel-Kontrolleurin mit Brille und weißem Kittel.

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Agent Carter © 2015 ABC Studios

 

HAYLEY ATWELL

Agent Carter © 2015 ABC Studios

 

Die erste Staffel beinhaltet 8 Folgen. Für eine Serie nicht besonders viel, allerdings soll das Budget viel höher sein, als für Serien mit 20 Folgen. Das MCU hat so ziemlich das Beste aufgefahren, was es bieten konnte. Regisseure wie die Russo-Brüder waren auch mit an der Entwicklung beteiligt. Trotzdem bin ich etwas verwirrt, dass Agent Carter so früh ausgestrahlt wird und das im Jänner, wo doch die schlechteren Serien gezeigt werden. Dafür kann es viele Gründe geben: Angst, dass Agent Carter ein Flop wird oder auch einfach, dass die Serie noch vor Age of Ultron und nach Agents of S.H.I.E.L.D. ausgestrahlt werden sollte.

Agent Carter ist eine doch etwas andere Serie aus dem Marvel.Repertoir und hier versucht das MCU ihrer Linie treu zu bleiben und jedem Helden seine/ ihre eigene Welt und ihr eigenes Genre zu schaffen.

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