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Logan – Hugh Jackman verabschiedet sich würdig

By 01/03/2017 No Comments

Ach Gottchen, war das ein guter Film! So gut, dass ich bereits mit diesem ersten Satz die Struktur des Reviews komplett über den Jordan geschickt habe, nur um meine Meinung gleich einmal vorweg in die weite Welt unserer Leserschaft hinauszuschleudern.

© 2017 Twentieth Century Fox

Bereits der erste Trailer, begleitet von Johnny Cash’s „Hurt“, zeigt, dass wir diesmal einen ganz anderen Marvel Film erwarten können. Wolverine ist gebrochen und seines Lebens müde. „Logan“ stellt ihn uns als stetig betrunken Charakter vor, der mit jeder Szene neu aufzeigt, wie bereit er zum Sterben ist. Genau diesen Ton behält der komplette Film bei. Wir finden uns im Jahr 2029 wieder. Logan verbringt nun seine Zeit damit, seinen kranken, und dadurch äußerst gefährlichen, Freund Charles Xavier vor der Welt zu beschützen. Weil diese Story aber keine 2 Stunden 17 Minuten Film füllen kann, bleibt es nicht lange ruhig um die beiden. Ein junges Mädchen tritt in Wolverines Leben und zieht einen ordentlichen Rattenschwanz an ungemütlichen Zeitgenossen hinter sich her.

© 2017 Twentieth Century Fox

R-Rating und warum

Director und Writer James Mangold („The Wolverine“) traf mit der erhöhten Altersbeschränkung eine Entscheidung, die schon lange für Marvelfilme fällig war. Das Problem mit dem R-Rating ist zwar, dass es durch die eingeschränkte Kinobesucherreichweite weit weniger Geld für die Produktion gibt, dadurch epische und übertriebene Actionszenen gekürzt werden und „eh witzige“ Oneliner ganz wegfallen müssen, weil Handlung zum Ausgleich her muss. Ist das aber wirklich ein Problem? Absolut nicht! „Logan“ richtet sich voll und ganz an ein erwachsenes Publikum und nimmt seine Zuschauer ernst. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns nun mit stumpfer Brutalität und einem unaushaltbarem Maß an Drama herumplagen müssen. Nein! Die Actionszenen zeigen eine Kombination aus großartiger Choreografie, Kameraarbeit und klugem Editing. Speziell wenn Charles‘ Tabletten nachlassen, beweist Mangold, dass auch mit weniger Budget visuelle Effekte Situationen für den Kinobesucher beinahe greif- und spürbar machen kann.

Berlinale 2017 Interview mit Mangold und Jackman © 2017 Twentieth Century Fox / Photo: Sebastian Gabsch

 „[…] Suddenly you are writing for 17 and older. And the character issues, and the struggles, and the longings and fears of theses characters can be a lot more sophisticated.“

James Mangold aus dem Fox5 Interview

Wo aber durch die R-Rated Entscheidung die größte Veränderung stattgefunden hat, sind die Dialoge und zwischenmenschlichen Aspekte. Kein Bösewicht ohne Motivation, keine Handlungen die offensichtlich dumm sind, und nur existieren, um den Film zu strecken und vollständig nachvollziehbare Charakterentwicklungen.

© 2017 Twentieth Century Fox

Ein ganz großes Lob geht an -wie soll man das beschreiben?- das Servieren von Informationen. Wir leben in einer Filmzeit, in der einem vermeintlich brauchbare Infos, die für den späteren Verlauf wichtig sind, mehrmals ins Gesicht gedrückt werden. Der Typ in der letzten Reihe, der blöderweise seinen Freunden nach einem wilden Partyabend zum Kinobesuch zugesagt hat, soll es auch noch verstanden haben. Nicht so bei „Logan“. Man erfährt vage, was mit den anderen Mutanten passiert ist, die fehlende Vorgeschichte von Charles und Logan wird erklärt und es wird auch angesprochen, warum er sich das Ende so herbeizusehnen scheint. Die Dosen der Informationsspritze sind so dezent und klug gemacht, dass meistens gar nicht viel gesagt oder erklärt werden muss, sondern sich der Zuschauer die Antwort aus einem einzigen Satz nebenbei und Erfahrungen aus dem kompletten Erzählkanon selbst findet, oder zumindest erahnen kann.

Fazit

„Logan“ ist eine große Filmempfehlung meinerseits. Selbst Zuschauer, die mit der Marvelwelt gar nichts anfangen können, werden hier auf ihre Kosten kommen. Der Film zeigt wunderbaren Humor,  zieht dadurch aber nicht die Probleme der Charaktere ins Lächerliche (erinnert euch an Magnetos Oneliner in „X-Men: The Last Stand“). Es erwarten einen nachvollziehbare und gut gemachte Actionszenen, die zugegeben etwas weniger dieser weiten Martial Art-Film typischen Sprünge beinhalten könnten, wo selbst nach gutem Editing sichtbar ist, dass jeder an mindestens zwei Kabeln durch die Luft getragen wird.

Die Dialoge und zwischenmenschlichen Aspekte zeigen, dass Mangold sein Publikum ernst nimmt und unterstreicht das anspruchsvolle Level des Films mit einem grandiosem Soundtrack aus Johnny Cash, Kaleo oder Jim Croce. „Logan“ ist ein gelungener Abschied von Hugh Jackman, der nach neun Wolverine Auftritten (Cameos mit eingerechnet) nun zum letzten Mal die Krallen ausgefahren hat und endlich mit einer menschenwürdigen Ernährung faul auf seiner Couch (gerne auch auf meiner) dick werden darf. Er hat es sich verdient!

Berlinale 2017 Cast © 2017 Twentieth Century Fox / Photo: Sebastian Gabsch

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