Liebe unter einem Dach – Kritik

Ein altes Haus namens Haitsu Koiwa ist nahe dem Verfall. Deshalb ist sein Name auch kaum lesbar und wird von allen nur „Hatsu Koiwa“ genannt, was grob übersetzt „Die erste Liebe“ bedeutet. Der alte Verwalter kümmerte sich nicht gut um das Haus, aber zum Glück für das Haus und all seine zukünftigen Bewohner kommt ein energiegeladener, bemühter junger Mann und möchte es retten. Das Problem ist nur, er weiß nicht wie… Doch zum Glück taucht Ryu-chan auf, ein Freund aus Kindertagen, der zufällig Handwerker ist. Und so ziehen bald wieder Leute in die kleine Bruchbude ein und schon bald geht ein Gerücht um: Jeder Mann, der in das Haitsu Koiwa einzieht, verliebt sich in einen Mann.

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Cover © 2015 Egmont Verlagsgesellschaften mbH

 

 

Liebe unter einem Dach ist von Kakine, als Einzelband bei Egmont erschienen ist und fällt unter das Genre Boys Love. Obwohl ich persönlich kein großer Fan von Boys Love bin, klang die Inhaltsangabe sehr interessant und süß, weshalb ich beschlossen habe, den Manga zu lesen. Auch das Cover hat mich vom Stil her sehr angesprochen, da er mich an Hinako Takanaga erinnert hat, wenn auch eine sehr kräftige Version von ihr. Was mich vor dem Lesen so neugierig gemacht hat war, wie sich bisher als Hetero lebende Jungs plötzlich in den unbekannten Nachbarn verlieben oder zumindest durch den Einzug in das Haus zum ersten Mal sexuelles Interesse – an einem Jungen – zeigen. Dementsprechend enttäuscht war ich, als ich auf der letzten Seite des Manga angekommen war, und nichts dergleichen passiert war.

Plot und Aufbau

Der Manga besteht aus vier Geschichten mit je einem Paar. In der ersten Geschichte geht es um den Verwalter und Ryu-chan, die das Haus wieder bewohnbar machen und dabei auch ihre früheren Probleme und Missverständnisse auflösen und so ein Paar werden. Beide Charaktere sind sehr liebenswert und sind ein sehr sanftes, süßes Paar, das man gerne mehr sehen würde. Ich fand die Geschichte zur Einleitung sehr gut geeignet.

In der zweiten Geschichte geht es um ein Paar, das in dem Haus einzieht, um vor der Realität zu fliehen. Sie bauen sich ein kleines Liebesnest und vergnügen sich intensiv. Bis die Probleme auftauchen. Kazuaki hat den Kontakt zu Zuhause abgebrochen, weil er seinen Eltern nicht sagen möchte, dass er schwul ist. Und so plagen in Alpträume, Schuldgefühle und Gewissensbisse, die auch seine Beziehung mit Kunio belasten. Hier handelt es sich eindeutig um ein Paar, das schon vor dem Einzug in das Haus zusammen war und dementsprechend fühlte ich mich ein wenig betrogen. Die Geschichte war deswegen nicht schlecht, aber so ganz anders als meine Erwartungen, die der Buchrücken geweckt hatte. Dennoch waren Kazuaki und Kunio ein sehr hübsches Paar, bei denen man sah, wie sehr sie sich gegenseitig glücklichmachen wollten. Was unter anderem eine sehr schöne Szene mit einer Schürze beinhaltet. Und nur eine Schürze.

Die dritte Geschichte ließ micht wieder hoffen und war gleichzeitig meine Lieblingsgeschichte. Narumi ist sehr naiv und hat sich für einen Freund als Bürge eintragen lassen. Leider verschwand dieser Freund und lies Narumi mit hohen Schulden sitzen. Die arbeitet er jetzt ab, würde es aber nie schaffen, wenn sein Schuldeneintreiber Tsuji ihm nicht ein paar gutbezahlte Jobs bringen würde. Doch als dann endlich die letzte Rate fällig ist, tut Narumi so, als hätte er das Geld nicht. Und obwohl er selbst nicht versteht warum, hält er sein Schauspiel einige Tage lang aufrecht – obwohl er sich damit ganz Tsuji überlassen muss, was dieser sehr gut auszunutzen weiß.

Diese Geschichte kommt dem, was ich erwartet hatte, eigentlich am nächsten. Gut, Tsuji wohnt nicht wirklich im Haus, aber beide kannten sich nicht aus der Schule oder aus der Kindheit und die Beziehung fand ihren Anfang durch das Zimmer im Haus. Die Charaktere fragen sich auch, warum sie sich plötzlich für den anderen interessieren und tun Dinge, die sie so vorher noch nie getan haben. Es war schön, die beiden so zu verfolgen und ihre Entwicklung zu sehen. Damit erfüllte diese Geschichte beinahe das, was ich lesen wollte, und ist auch klar meine Lieblingsgeschichte.

Letztendlich kommen wir wieder zu einem jungen Paar, Kannai und Ise, das sich aus der Oberschule kennt. Damals teilten sie sich ein Zimmer, jetzt gehen sie sich aus dem Weg. Und doch führt sie das Schicksal im Haitsu Koiwa wieder zusammen. Beide ziehen dort ein und schon muss Ise wieder mit Kannai leben, denn anschienend hat Kannais Zimmer einen Wasserschaden, der nicht sehr schnell behoben werden kann. Um sich nicht zu erkälten sucht er Zuflucht bei Ise, dem das gar nicht passt. Immer, wenn der junge Kannai bei ihm schläft, möchte er ihn berühren… Und so flüchtet er sich zu seinen vielen, weiblichen Freundinnen, um sich nicht schlaflos durch die Nacht quälen zu müssen. Dass er so das Problem nur aufschiebt und nicht löst, merkt er selbst bald.

Auch diese Geschichte kommt dem, was ich erwartet habe, sehr nahe. Beide ziehen in das Wohnheim ein und werden dort erst ein Paar. Zuvor gab es allerdings auch schon eindeutige Kontakte zwischen den beiden, die auch wieder dem „Fluch des Hauses“ nicht ganz gerecht werden. Dennoch sind Kannai und Ise eindeutig ein spezielles Paar, das ganz anders ist als die anderen und sehr aktiv. Ich hatte ein paar Probleme mit der Geschwindigkeit der Entwicklungen und dem Charakter von Kannai, aber als Abschlussgeschichte war es ein nettes Erlebnis.4

Fazit

Ganz allgemein muss ich sagen, dass ich den Manga genossen habe, sobald ich meine ursprünglichen Erwartungen verworfen habe. Was ich an dem Manga ändern würde ist nicht die Geschichte, sondern den Klappentext.

Was das Thema Boys Love betrifft, so werden die wahren Liebhaber vielleicht ein bisschen mehr „Action“ vermissen. Mir persönlich gefielen die Sexszenen, die vorkamen und ich bräuchte nicht mehr davon. Aber den Manga für die Erotik zu lesen, empfehle ich eindeutig nicht. Die meisten Geschichten bauen auf den kurzen Handlungssträngen auf, die zwar nicht sehr spannend und komplex sind, aber amüsant und ein guter Zeitvertreib. Von einem Boys Love One-Shot habe ich nicht allzu viel erwartet, und dafür fand ich den Manga eigentlich sehr gut. Ich empfehle ihn jedem, der einfach nette Liebesgeschichten lesen will, auch wenn das nicht immer Boys Love Geschichten sind. Auch für jene, die sich nicht so sehr dafür interessieren ist dieser Band einen kleinen Blick wert. Die großen Fans dürften den Manga vielleicht zu sanft finden, aber deshalb ist er auch sehr gut für die geeignet, die sich erstmal mit Boys Love anfreunden wollen.

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