Lass es uns tun – Boys Love – Manga Pre-read

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Cover Lass es uns tun © 2015 Egmont Verlagsgesellschaften mbH

 

Falls einige Leser glauben dieser Artikel ist nsfw*, muss ich sie ein bisschen enttäuschen. Hier ist die Rede von einem Manga mit dem Titel ‚Lass es uns tun‘. Ist das doch für manche überraschend, für andere wiederum eher weniger, da Kenner des Boys Love-Genres solche Titel ja von bereits existierenden Übersetzungen kennen.

Auch wenn der Artikel harmlos ist, darf man auf das, was der Titel verspricht, auf jeden Fall im Manga hoffen. Er ist eingeschweißt, was bei Boys Love-Manga ein Indiz dafür ist, dass man hier mehr sieht als nur ein bisschen Geschmuse.

Worum geht es also?

Zwei Schüler, die den anderen besser kennen, als sich selbst, gehen zusammen in die Oberstufe. Sie sind langjährige Kindheitsfreunde und verbringen viel Zeit miteinander, jedoch ist nicht ganz klar, wie sie zueinanderstehen. Als beide die Schule abschließen, gehen sie studieren und beschließen auch in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen. Wie das Schicksal es so will, stellt sich heraus, dass Nozomi’s Körper seine Gefühle verrät. Rintaro ist dann doch etwas verwirrt von Nozomis offenen Annäherungsversuchen und weiß anfangs nicht ganz, wie er darauf reagieren soll.

Das Cover lässt bereits das Verhältnis der beiden Hauptprotagonisten zueinander verraten. Nozomi ist ein gutgelaunter Kerl, der manchmal etwas tollpatschig ist, während Rintaro wie jemand rüberkommt, der so ziemlich alles im Griff hat. Die Freundschaft der beiden ist im ersten Kapitel wirklich süß aufgebaut. Es wird gezeigt, was für ein Verhältnis sie zueinander haben, wo Missverständnisse entstehen und sie dadurch ihre Gefühle füreinander zu hinterfragen scheinen. Der Manga ist an manchen Stellen aus Rintaro’s Sicht aufgebaut. Wir erfahren seine Gefühle in seinen Gedankenblasen, während das, was in Nozomi vorgeht, durch Dialoge klar wird. Der Leser ist somit gezwungen aus Rintaro’s Sicht zu betrachten und zu beurteilen. Das ist auch im Laufe des restlichen Bandes so, obwohl das zweite Kapitel bereits mit dem Studentenleben beginnt.

Intime Momente lassen nicht lang auf sich warten, was ich bei dem sehr weichen und femininen Stil gut finde. Es wird nicht lang rumgefackelt und auch bei der Wortwahl der Charaktere merkt man, dass sie ungern um den heißen Brei herumreden. Beim Lesen war mir nicht ganz klar, ob ich das gut oder schlecht finde. Für manche Leser würde es vielleicht vulgär rüberkommen,  mich hat es dann doch nicht besonders gestört, sondern eher zum Lachen gebracht. Das ist vielleicht nicht gerade die Reaktion, die man sich  während einer Sexszene wünscht, aber auch das kann geplant und beabsichtigt sein. Sagen kann ich das bei dem Manga nicht mit 100-prozentiger Sicherheit. Wie es aber sonst bei Shojo-Stil-Mangas so ist, wird oft rumgeschwafelt, alles beschönigt und blumiger ausgedrückt, sowie die Spannung zwischen zwei Charakteren oft durch bändelanges Hinauszögern gesteigert. Das ist in meinen Augen doch eher kontraproduktiv und man verliert schnell das Interesse. Oneshots wie ‚Lass es uns tun‘ haben dieses Problem nicht.

Der Stil der Zeichnerin ist im Bandinneren besser als am Cover. Leider ist er nicht immer konstant gut, aber die meiste Zeit ok.  Der Lesefluss macht das jedoch wieder wett, da der Manga übersichtlich gestaltet ist. Ich war in einer Stunde damit durch. So kann man auch besser die ganze Geschichte auf sich wirken lassen. Besonders fehl am Platz fand ich die Soundwords. Ich lese sie normalerweise nicht, weil ich das lieber meiner Fantasie überlasse. Hier habe ich aber den Fehler begangen und darauf geachtet. Sie zerstören allzu oft die Stimmung, in der man sich während des Lesens befindet, wie auch in dieser Geschichte.  Allerdings hat mich die etwas untypische Rollenverteilung positiv überrascht, auch war ich froh, dass beide  mit kleinen und großen Problemen zu kämpfen haben, die in anderen Boys Love Mangas nur allzu gern wegrationalisiert werden. Irgendwie kommen mir Nozomi und Rintaro vor wie zwei gewöhnliche Spätzünder und Teeniekerle, wie man sie in jeder Schule findet, was mir gut gefallen hat.

Fazit:

Leicht zu lesender Boys Love-Manga, der sogar mich alten Yaoi-Veteranen zum Lachen gebracht hat. Gekauft hätte ich ihn mir so nicht, da das Cover zu blumig wirkt und ich da einen anderen Geschmack habe.  Aber wie Frank’N’Furter schon sagte ‚Don’t judge a book by it’s cover.‘ Nichtsdestoweniger fand ich den Manga amüsant und habe mich dafür gern für eine Stunde zurückgezogen. Obwohl er erst 2013 in Japan erschienen ist, hat er nicht wirklich Neues in diesem Genre zu bieten.

 ‚Lass es uns tun‘ ist vielleicht ein gewöhnungsbedürftiger Titel, fasst den Manga aber wirklich gut zusammen.

Titel: Lass es uns tun

Künstler: Aya Sakyo

Verlag: Egmont Manga

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* nsfw-not suitable/safe for work

 

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