J-Drama goes K-Drama

Neben Anime und Manga gibt es unter Asiafans schon länger den Trend, sich auch Fernsehserien aus Ostasien anzusehen. Solche Serien nennt man auch „Dramas“. Wer ein größerer Dramafan ist, der wird nicht nur Serien aus Japan kennenlernen, sondern auch hin und wieder koreanische oder auch taiwanesische Fernsehserien entdecken. Normalerweise werden koreanische Fernsehserien (K-Dramas) in andere Teile Asiens exportiert, da sie sich seit ungefähr 1990 großer Beliebtheit erfreuen. Und obwohl die Ideen der Geschichten für K-Dramas eigentlich aus Korea stammen, ist ab und zu eine japanische Fernsehserie oder ein japanischer Manga die Vorlage für ein K-Drama. Besonders in diesem Jahr gab es einige Remakes in Korea. Die neuesten davon sind „Liar Game“ und „Nodame Cantabile“, die beide in der diesjährigen Herbstsaison ausgestrahlt wurden. Die Geschichten basieren auf einem Manga, wurden auch in Japan bereits als Drama verfilmt und erfreuten sich größter Popularität.

In diesem Artikel möchte ich die beiden Serien vergleichen, wobei ich den Manga und gegebenenfalls auch den Anime komplett außer Acht lasse. Obwohl ich versuche, keine Spoiler einzubauen, kann es vorkommen, dass einige grobe Handlungsabläufe der Serien in diesem Artikel verraten werden.

Nodame Cantabile vs. Tomorrow’s Cantabile

Handlung

In beiden Serien geht es um ein Mädchen, das gerne Klavier spielt und auf eine Musikuniversität geht. Sie spielt zwar gerne, aber berühmt werden möchte sie nicht, obwohl sie das Talent dafür besitzt. Wegen einer Lehrerin in ihrer Kindheit hasst sie es, unter Druck Klavier zu spielen. Ganz besonders wird dieser Charakter dadurch, dass sie sehr abgedreht ist. Sie ist kindlich, direkt, verquer und lässt sich von nichts und niemanden von ihrem Weg abbringen. Der männliche Hauptdarsteller ist ein talentierter Klavierspieler. Er möchte aber viel lieber Dirigent werden. Sein größtes Problem ist es, dass er Japan/Korea nicht verlassen kann, da er große Flugangst hat. Doch ein Musikstudent, der nicht in Europa gelernt hat, kommt nicht zum Erfolg. Diese beiden Charaktere treffen aufeinander und so entfaltet sich eine kleine Komödie, mit einigen romantischen Elementen.

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Nodame Cantabile

Nodame Cantabile wurde in Japan in einer Staffel zu 11 Episoden und 3 Filmen ausgestrahlt. Der Auftakt war die Serie, mit 11 Episoden á 50 Minuten, im Jahr 2006 und nachdem die Serie einen großen Erfolg feierte, folgten 2008, 2009 und 2010 Filme, die unter anderem auch in Europa gedreht wurden. Nicht nur in Japan, sondern auch in Korea, China und anderen Teilen Asiens war die Serie sehr beliebt. Deshalb wurde die Serie auch in Korea neu verfilmt.

Was die japanische Version vermutlich so berühmt gemacht hat, war die Einzigartigkeit von Nodame, der weiblichen Hauptperson. Ueno Juri nahm sich ihrer Rolle an und gab ihr so viel Energie und machte sie so seltsam, dass selbst Animefans manchmal davon überrascht sind, wie sie sich benimmt. Wie es im japanischen Fernsehen eigentlich normal ist, steht die Romanze hier an zweiter Stelle. Es geht um Chiaki, gespielt von Tamaki Hiroshi, und seine quasi-Verwandlung in einen mitfühlenden Menschen. Sowohl Nodame als auch Chiaki werden von den Zusehern begleitet, wie sie ihre Liebe zur Musik neu entdecken, wachsen und Freunde finden. Sie entwickeln sich in den Episoden weiter, entdecken neue Seiten an sich und denen, die sie umgeben. Besonders schön mit anzusehen ist es, wie sich die Charaktere gegenseitig beeinflussen und irgendwann zu einem kleinen Freundeskreis schmelzen, der sich gut ergänzt.

Was die Schauspieler betrifft, so erfüllen sie alle ihre Rolle so perfekt und passen so gut in die quirlige Geschichte, dass man, sobald man von einem Remake hört, eigentlich nur an seinem Erfolg zweifeln kann. Ueno Juri hat mit dieser Rolle gezeigt, wie man einen verrückten Charakter doch liebenswert darstellt. Ganz im Kontrast dazu spielt Tamaki Hiroshi so ruhig und normal, dass man sich manchmal wundert, wie diese beiden zusammenpassen. Aber wie bereits erwähnt, Nodames Charakter färbt teilweise auf Chiaki ab und vice versa, und das ist genau das, was die beiden gut ausgearbeitet und gespielt haben. Die langsame Entwicklung und Veränderung der beiden.

Auch nicht unerwähnt möchte ich die Nebendarsteller lassen. Obwohl sie eindeutig im Hintergrund stehen, wäre die Geschichte ohne sie sicher nur halb so witzig. Denn auch diese Personen werden von Nodame und Chiaki verändert, motiviert und zeigen uns, wie es im Leben läuft. Ich mochte besonders, dass die Geschichte der Nebencharaktere nicht irgendwann im Sand verläuft sondern tatsächlich zeigt, wie es im realen Leben zugeht. Motivation, Träume und Zukunft sind hier – alle in Verbindung mit Musik – ein großes Thema.

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Neildo Cantabile aka. Tomorrow’s Cantabile

Von Oktober 2014 bis Dezember 2014 wurde Tomorrow’s Cantabile in 16 Episoden á 70 Minuten ausgestrahlt. Von einer Fortsetzung oder Ähnlichem wurde bisher nichts erwähnt, wird in Korea auch anders praktiziert als in Japan, ist also eher nicht zu erwarten. Vorweg muss gesagt werden, dass in Korea ganz allgemein, in fast jeder Serie, die Romantik im Vordergrund steht. Deshalb sind K-Dramas meist beliebter. Außerdem haben sie den Vorteil, dass die Sendezeit etwas länger ist, und deshalb die Charaktere besser vorgestellt und entwickelt werden können.

Wovor sich viele Fans bei diesem Remake gefürchtet haben, war die Performance von Shim Eun Kyung, die die Rolle von Nae Il aka. Nodame übernommen hat. Ueno Juri hatte die Latte so hoch gelegt, dass man daran zweifelte, ob sie den Charakter gut spielen konnte. Doch – zumindest ich – fand Nae Il sehr gut umgesetzt. Dabei weigere ich mich absichtlich vor einem direkten Vergleich, da es einfach unmöglich ist, die seltsame Art von Nodame in der koreanischen Gesellschaft zu sehen. Nodame ist sozusagen ein Freak der Sondergröße, ihn so zur Hauptperson eines K-Dramas zu machen, würde den Ratings nicht gut tun. Und genau deshalb wurden einige Dinge angepasst.

Chiaki, hier Yoo Jin getauft und dargestellt von Joo Won, wird hier eigentlich sehr ähnlich wie im Japanischen dargestellt. Um ehrlich zu sein ist der arrogante Einzelgänger, der irgendwo in der Vergangenheit ein Problem hatte, keine sehr anspruchsvolle Rolle. Aber die Art, wie man mit Nae Il umgeht und sich an sie anpasst, ihr zeigt, dass man sie mag, obwohl man es nicht direkt tut, ist hier meiner Meinung ein wenig besser gelungen als im Japanischen.

Und was die Nebencharaktere betrifft, so waren sie, so gut es ging, an das japanische Original angelehnt und ebenso warm und liebevoll gespielt.

Mein einziger, großer Kritikpunkt ist, dass hier die Verrücktheit aller Beteiligten irgendwann nachlässt. Nae Il wird in den ersten beiden Folgen als Nodame vorgestellt, chaotisch, verfressen und sehr unordentlich. Aber danach legt sich dieser Charakter. Es ist, als wäre nur noch ein Hauch des Originals in ihr zu finden. Alles normalisiert sich viel zu schnell. Nae Il hat eine saubere Wohnung und obwohl sie quirlig und seltsam bleibt, konnte ich an ihr besonders gegen Ende hin viel zu viele Tränen sehen. Irgendwie passt das viele Weinen nicht zu Nae Il und ich hätte mir gewünscht, dass bis zum Schluss Nae Il so dargestellt wird, wie sie in den ersten beiden Folgen gezeigt wird.

Fazit:

Japanische und koreanische Versionen zu vergleichen ist immer schwer. Die Stile sind einfach unterschiedlich, das Hauptaugenmerk und die Kultur anders. Ganz voneinander getrennt, würde ich Nodame und Nae Il als sehr gute Serien bezeichnen. Nodame gilt sowieso schon als ein Klassiker, der durch eine einzigartige Hauptdarstellerin glänzt. Tomorrow’s Cantabile ist für einen K-Drama Fan zu Beginn etwas Neues, verfällt jedoch sehr schnell in den bekannten K-Drama Rhythmus. Romantik und Dramatik werden zu sehr erzwungen und stören, wenn man ein zweites Nodame Cantabile erwartet.

Bei Nodame Cantabile hingegen fehlt wie immer ein bisschen Romantik, wenn man bedenkt, dass es auch als Romanze aufgelistet wird. Dafür findet man dort vieles zum Lachen, Übertreibungen und sehr wenig Ernst, was vielleicht nicht für jeden Geschmack etwas ist.

Man könnte meinen, Tomorrow’s Cantabile ist eine abgeschwächte Version, gemacht für Leute, die sich etwas mehr Realitätsnähe in der Grundgeschichte von Nodame Cantabile gewünscht haben. Und Nodame Cantabile ist auf jeden Fall etwas für jene, die Manga und Anime mögen. Absurd und witzig, mit einer Brise Gefühl.

Liar Game

Handlung

Liar Game nennt sich ein Spiel, bei dem man Geld bekommt und seine Mitspieler austricksen muss, um an deren Geld zu kommen. Das Spiel hat mehrere Runden und im Prinzip geht es nur darum, sich zu belügen, betrügen und der mit dem besten Plan zu sein. Aber die weibliche Hauptperson ist eine der wenigen, die in ihre Umgebung das absolute Vertrauen hat. Deshalb wird sie oft selbst Opfer von Betrügereien, doch das spielt für sie keine Rolle, da sie sich so wohl fühlt. Als sie als Teilnehmerin für das Liar Game ausgewählt wird, kann sie der Versuchung – dem Geld – durch ihre hohen Schulden nicht widerstehen. Das einzige Problem ist: Wenn sie verliert, hat sie noch viel mehr Schulden. Deshalb sucht sie, in der ersten Runde, einen bekannten Betrüger auf, der gerade erst aus dem Gefängnis entlassen wurde, und bittet ihn um Hilfe.

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Liar Game Japan

Wie beliebt Liar Game in Japan war, sieht man sehr schnell an der Masse von Filmen und Serien, die dieser Manga bekommen hat. Die erste Staffel lief 2007 und ist mit 11 Folgen beendet, 2009 folgte dann die Fortsetzung in Staffel 2 mit 9 Folgen. Die Hauptgeschichte wird beendet durch dein Film „Liar Game: Final Stage“, der 2010 in den japanischen Kinos lief. Doch neben diesem Hauptstrang, gibt es noch fünf weitere Specials, die Handlungen zwischen den Staffeln zeigen, oder Nebencharaktere näher durchleuchten.

Es gibt drei Elemente, die sich durch die Hauptgeschichte ziehen. Kanzaki Nao (Toda Erika), die weibliche Hauptdarstellerin, Akiyama Shinichi (Matsuda Shota), ein frisch aus dem Gefängnis entlassener Trickbetrüger, und das Spiel selbst, Liar Game. Als ich den Moderator des Liar Game zum ersten Mal sah, fühlte ich mich sofort an Saw erinnert. Und allgemein, die Stimmung in dem Drama ist immer sehr drückend, geheimnisvoll und Angst einflößend. Und mitten in all diesem Druck steht Nao, ein so naives Mädchen, dass man es ihr fast nicht glaubt und deshalb durch die halbe Serie hindurch von ihr genervt ist. Ihre Entscheidungen sind absolut nicht das, was man erwartet, oder was klug wäre und genau das ist es, was diese Serie für mich so interessant gemacht hat. Die Spiele, wie Nao da wieder raus kommt – oder meinetwegen auch gerne untergeht – und was der Ursprung des Ganzen ist.

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Leorina – Einer der Moderatoren im J-Drama

Schauspielerisch war Toda Erika, meiner Meinung nach, vielleicht nicht die beste Besetzung für diese Rolle, da es meiner Meinung nach viele Mädchen gibt, die unschuldiger aussehen. Aber sie hat gut gespielt und trieb mit ihrer Unschuld sicher nicht nur mich in den Wahnsinn, was wohl für ihren Erfolg spricht.

Matsuda Shota ist das sogenannte Eye-Candy in der Serie, der gutaussehende Helfer. Allerdings handelt es sich hier um ein J-Drama, weshalb man die sich anbahnende Romantik zwischen den Charakteren vielleicht fühlen kann, aber direkt um deren Beziehung geht es nicht. Eine direktere Romantik hätte dem Drama vielleicht nicht schlecht getan, aber an sich ist dieses Drama als Mini-Thriller absolut zufriedenstellend.

 

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Liar Game Korea

Mit 12 Episoden á 70 Minuten zählt Liar Game zu den sehr kurzen K-Dramas. Die drei Hauptrollen spielen Kim So Eun als Nam Da Jung (Kanzaki Nao), Lee Sang Yun als Ha Woo Jin (Akiyama Shinichi) und Shin Seong Rok als Moderator Gang Do Yeong, der als Charakter nur in dieser Version zu finden ist.

Meine Freude über die Neuverfilmung war groß, allerdings fragte ich mich auch, wie diese Geschichte je spannend gemacht werden soll. Wenn man Liar Game gesehen hat, kennt man die Tricks und Listen bereits. Eine weitere Version muss also gut überdacht werden. Doch ich habe vergessen, dass es sich um ein K-Drama handelt. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich erst drei Episoden gesehen habe, aber es reicht, um die beiden Serien zu vergleichen und die Hauptsachen herauszusehen.

Im K-Drama sieht man in den ersten drei Folgen bereits, wie anders die Geschichte aufgebaut ist. Der gravierendste Unterschied: Liar Game ist eine Reality TV-Show. Eine gute Idee, allerdings nimmt es stark von der geheimnisvollen, mysteriösen Atmosphäre, die im J-Drama so intensiv ist. Wenn es im Fernsehen ausgestrahlt wird, kann es doch gar nicht so gefährlich sein. Natürlich dachten die Dramamacher daran und haben die Verträge für die Realityshow trotzdem so aufgesetzt, dass die weibliche Hauptperson, hier Da Jung genannt, hoch verschuldet wäre, wenn sie mitten im Spiel aus der Sendung aussteigen würde. Dennoch stellt sich mir dann die Frage: Welcher Fernsehsender würde so eine Show erlauben? Auch wenn Realitätsnähe in Dramas nicht immer gegeben sein muss, wirkt diese „Lösung“ für ein bisschen mehr Pepp in der Geschichte ein bisschen undurchdacht.

 

MC

MC – Modeator im K-Drama, Fadenzieher im Hintergrund

Viel besser finde ich, die neuen Charaktere. Neben Da Jungs Schuldeneintreiber, der eine wichtige Rolle spielt, gibt es, anstatt dem Saw-ähnlichen Männchen, einen richtigen Moderator, der wohl auch in den späteren Folgen eine eigene Geschichte bekommen wird und für den weiteren Verlauf der Serie wichtig ist. Womit ich auch schon bei einer weiteren Verbesserung wäre: Die Charaktere haben viel deutlichere Hintergrundgeschichten. Auch im Liar Game gab es Informationen zu der Herkunft der Charaktere, deren Entwicklung und deren Leben. Aber meistens sah man den Leuten dabei zu, wie sie sich im Liar Game gegenseitig ausspielten. Im K-Drama habe ich mehr das Gefühl tatsächlich Personen zu sehen, die einen Hintergrund haben. Und dadurch ist auch die Weiterentwicklung der Charaktere eher möglich, als es beim japanischen Liar Game war. Letztendlich sieht man, in den ersten drei Episoden, schon mehr Romantik, als ich vom gesamten J-Liar Game in Erinnerung habe… Ob das gut oder schlecht ist, sei dahingestellt. Zumindest bestätigt es wieder, dass ein Drama ohne Romantik in Korea kaum denkbar ist.

Fazit:

Wenn es um Mysteriöses geht, dann empfiehlt es sich, das japanische Liar Game anzusehen. Dort gibt es mehr Geheimnisse, die Anspannung ist größer und alles konzentriert sich auf das Liar Game selbst, weniger auf die Hintergründe. Es ist ein bisschen älter, was man besonders merkt, wenn man es mit dem koreanischen Liar Game vergleicht. Aber als Klassiker sollte man es sich auf jeden Fall einmal ansehen.

Im K-Liar Game gibt es mehr Hintergründe, es werden nicht nur strikt die Spiele gezeigt, sondern auch viel außerhalb der Liar Game Mauern gedreht. Man denkt auch an den sozialen Aspekt der Geschichte und anstatt eines heimlichen Spiels ist das Liar Game hier ein offizielles Fernsehspektakel, das hohe Einschaltquoten hat.

Soweit ich das nach 3 Episoden beurteilen kann, sind beide Versionen sehr sehenswert, selbst wenn man die Spiele schon kennt. Der Langeweile wurde durch die aufgepeppte Hintergrundgeschichte der Charaktere entgegengewirkt und das scheint zu funktionieren.

Eure
Honey

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