Interview mit Cowslip

 

Wer sich in letzter Zeit über die Flut an tollen detaillierten Pokémon Gijinka Cosplays wundert, der hat wohl die originalen Designs noch nicht entdeckt. Die deutsche Künstlerin Marnie, bekannt als Cowslip, hat über 180 Pokémon in wunderschönen Designs umgesetzt. Und es werden noch mehr! Cosplayer, die über ihren ‚Gijinka-Dex’ stolpern, sind begeistert – Man kann sich gar nicht entscheiden, was man zuerst nähen möchte!

Auch außerhalb der deutschsprachigen Cosplay-Szene liegen ihre Designs bei zurzeit voll im Trend. Um das Genie hinter diesen Cosplays auch ins Rampenlicht zu rücken, habe ich Cowslip zum Interview gebeten!

Snii: Hallo Cowslip, danke, dass du dir die Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten! Zunächst einmal, wie kamst du überhaupt auf die Idee einen ganzen ‚Gijinka Pokedex’ zu erstellen?

Cowslip: Hallo!
Eine gute Frage, ein „So das mach ich Jetzt“ gab es da nicht. Es war Zufall. Ich zeichne die Charaktere zu einer Geschichte (einem RPG) zwischen einigen Freunden und mir. Somit ist jedes Bild, das ich online stelle, ein Bild eines Charakters mit Namen, Alter und Geschichte. Ich zeichnete zuerst einige Bilder zu den Hauptcharakteren, später dann auch zu Nebencharakteren, die einen bleibenden Eindruck bei mir hinterließen. Tja, und nun bin ich schon bei 180 und mein Skizzenbuch platzt förmlich aus allen Nähten.

Snii: Was war das für ein Gefühl, als mehr und mehr Leute angefangen haben deine Designs umzusetzen? Hast du damit gerechnet?

Cowslip:Heilige! Nein! Ich bin immer noch überwältigt, wenn ich das sehe. Es haut mich einfach um. Es ist das schönste Feedback, das man überhaupt bekommen kann.Zu sehen, dass das, was einem am Herzen liegt, anderen so sehr gefällt, dass sie Zeit, Geld und Herzblut in ein Cosplay investieren, überwältigt mich immer wieder aufs Neue. Danke an der Stelle an all die tollen Cosplayer♥

Snii: Du cosplayst ja auch selbst. Gibt es ein Pokémon, das du unbedingt noch selbst als Cosplay umsetzen möchtest?

Cowslip: Oh, tatsächlich!
 Es gibt da das eine oder andere, das ich selber noch in Planung habe, ganz vorne weg Vivillon und Ho-Oh. Wobei letzteres noch nicht erschienen ist,  da ich aber den Charakter hinter Ho-Oh, so wie das Pokémon selber sehr toll finde, erklärt sich dies von selbst.
Und zusammen mit meiner Cosplay-Partnerin freu ich mich sehr darauf!

Snii: Deine Designs sind unglaublich detailverliebt und weisen eine große Vielfalt bei der Wahl der Kleidungsstücke auf. Gibt es da etwas, was dich inspiriert?

Cowslip: Ich war schon immer recht pingelig, was Details angeht, und lege sehr großen Wert darauf.  Meine Inspiration hingegen ist dabei dann doch recht einfach gestrickt. Ich beobachte viel und liebe die asiatische Mode im Laufe der Jahrhunderte. Diese kombiniere ich mit modernen Elementen. Ansonsten bleibe ich für alles offen und interpretiere es dann auf meine Art. Zum Beispiel, ich suche immer nach neuen dingen die mich an Ohren erinnern. Das ist nicht immer ganz leicht bei Gijinka.

tumblr_muik7g8JZO1r2dr4uo2_500

Bisasam Gijinka by http://cowslip.imgur.com/

Gyarados

Garados Gijinka by http://cowslip.imgur.com/

 ©

gJ214

Smettbo Gijinka by http://cowslip.imgur.com/

Snii: In einem Weblog Eintrag hast du einmal über den Unterschied zwischen ‚Gijinka’ und ‚Kemonomimi’ gesprochen. Möchtest du das noch einmal erklären?

Cowslip: Kemonomimi, das japanische Wort für „Tierohren“ beschreibt Menschen, die wie Tiere sind, zum Beispiel das weit verbreitete Catgirl. Menschen mit tierischen Merkmalen also. (Ohren, Flügel, Pfoten etc.) Das Wort stammt aus dem neumodernen Japan und kam mit Anime/Manga und Games auf. Oft wird Kemonomimi auch als Oberbegriff für Fantasiewesen mit menschlichen Zügen beschrieben. Daher können auch Meerjungfrauen oder Feen im japanischen Raum damit betitelt werden. So wäre die Meerjungfrau ein Mischwesen aus Mensch und Fisch oder die Fee aus Mensch und Libelle/Schmetterling.

Das Wort Gijinka hingegen kommt aus dem Altjapanischem und beschreibt eine Art des Kabuki, die Darstellung von Tieren, Dingen und Fabelwesen nur durch die Optische Täuschung. Der Darsteller ist somit menschlich doch durch seine Kleidung, Bewegung und Farbgebung stellt er etwas anderes dar. Das Wort wurde dann später von Zeichnern und auch Cosplayern für diese Art der Darstellung adoptiert.

Snii: Ist es dir sehr wichtig, dass man das dargestellte Pokémon noch gut erkennen kann, oder legst du mehr wert auf ein schönes Design?

Cowslip: Ich finde es sehr wichtig, dass man es erkennt, weil es ja genau darum bei Gijinkas geht,  doch müsste ich lügen, wenn ich behaupten wollte, dass mir das immer gelingt. Dazu kommt, dass Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt. Ich  habe schon viele Meinungen zu meinen Gijinkas gehört. Einige finden, dass sie super zu erkennen sind, andere finden sie schrecklich, weil sie das dargestellte Pokémon nicht in dem Bild sehen. Wichtig ist mir persönlich, dass ich mir treu bleibe und immer mein bestes gebe, auch wenn es mal schwieriger ist!

Snii: Gibt es ein Design oder mehrere, auf die du besonders stolz bist?

Cowslip: Ich müsste sagen ich bin auf all meine Entwürfe besonders stolz, doch das stimmt nicht, klar gibt es da das ein oder andere das ich persönlich lieber habe. Hin und wieder bekommen auch alte Designs einen neuen Anstrich, wenn ich sehr unzufrieden damit bin. Zum Beispiel bei Sterndu, da ist mir ein Fehler unterlaufen. Ich zeichnete ein weibliches Sterndu, obwohl es dieses Pokémon nur als Geschlechtsneutrales gibt, kurz nachdem es mir aufgefallen war korrigierte ich meinen Fehler.

Snii: Welches deiner Designs, das noch niemand gemacht hat, würdest du gerne schön umgesetzt sehen?

Cowslip: Da ich nicht genau weiß, was bislang alles tatsächlich umgesetzt wurde muss ich raten. Wünschen würde ich mir Farbeagle, da er einer meiner Lieblinge ist.

Snii: Hattest du auch schon negative Erlebnisse mit Leuten die deine Designs gecosplayt haben?

Cowslip: Leider ja, mit einer Cosplayerin aus dem Ausland. Sie hatte ein  Gender-bend zu einem meiner Gijinkas gemacht und bat, mich das ich ihre Version auf der GijinkaDex Seite unter den Cosplays ausstelle, doch musste ich sie darauf hinweisen, dass ich das nicht kann. Ich kann keine Cosplays dort hochladen die nicht 100% meinen Design entsprechen, was keine Schikane ist, sondern eine ganz simple Copyright Geschichte. Ich versuchte es ihr zu erklären doch wurde sie schnell sehr ausfallend und auch beleidigend. Ich verstehe, dass sie wütend war aber ich muss gestehen, es war verletzend. Gott sei dank kann ich sagen, dass das keinesfalls die Norm ist, die meisten Cosplayer mit denen ich zu tun hatte waren unglaublich nett und aufgeschlossen!

Snii: Du hast mit den Pokemon Gijinkas Aufsehen erregt, aber du zeichnest ja auch viel Anderes. Wann hast du zu zeichnen begonnen? Welches Medium verwendest du am liebsten zum Zeichnen?

Cowslip: Gezeichnet hab ich schon immer, mit den aufkommenden Anime Serien wie Sailor Moon oder Spielen wie Final Fantasy IX kam ich nach und nach auf die Schiene. Ab 2000 haeb ich angefangen zu cosplayen, und so fing ich an hin und wieder eigene Dinge zu entwerfen. Ich testete mich durch verschiedene Medien durch und stellte schnell fest, dass Bleistift und Aquarell mein liebstes traditionelles Medium ist,  doch am meisten arbeite ich am PC. Ich schätze die vielen Möglichkeiten die dieses Medium bietet. Photoshop ist in dem Fall mein Hauptprogramm, da ich es auch für die Arbeit brauche.

Snii: Zu guter Letzt, was sind deine absoluten Lieblings-Pokemon?

Cowslip: Uuuuh das ist schwer! Ich weiß es nicht, ich denke es ist leichter zu fragen welches ich nicht mag. Ich glaube wenn ich mich entscheiden müsste wären es meine Zwillinge; zwei Vulnona, die mich seit der Blauen Pokemon  Edition über die Jahre begleitet haben!

Snii: Danke für deine Antworten und mach weiter so!

Cowslip: Bitte gern, es hat Spaß gemacht! Und natürlich mache ich weiter, ganz nach dem Vorsatz „ Gotta Catch ‚Em All” ;D

Cowslip Devianart  |  Cowslip Homepage

eeveelutions cowslip

Unter anderem Royal.Punks Cosplay (fb) als Evoli mit seinen Entwicklungen. Photo by Snii.

Comments

comments