Godspeed, Sir Terry

So verabschiedete sich beispielsweise Daedalic Entertainment von einem der größten Autoren der 90er Jahre. Am 12. März 2015 hat uns der britische Fantasy-Autor Terry Pratchett (Sir Terence David John Pratchett) verlassen und lies viele Millionen trauernde Leser zurück. Selbst jenen, die nie ein Buch von ihm in ihren Händen gehalten haben, ist zumindest sein Name ein Begriff. Er hatte die Scheibenwelt geschaffen und damit ein Universum, in das sich Leser unabhängig von Altersgruppen, Geschlecht und Lebenslage flüchten konnten.

Nun wisst ihr grob, um wen es geht. Ich möchte nicht noch einen der unzähligen Artikel schreiben, die immer das Internet voller machen, als es eh schon ist, wenn ein prominentes Gesicht stirbt und Leute sich in diversen Social Networks gezwungen fühlen, ein RIP mit passendem Zitat zu hinterlassen. Nein, an diesem Beitrag ist tatsächlich ein Artikel von der amerikanischen PC Gamer Schuld (wichtige Links werdet ihr am Ende des Beitrags aufgelistet bekommen). Diese schrieben nämlich von seinen „ungebundenen“ Projekten, neben der Bücher. Terry Pratchett war tatsächlich ein wichtiger Part der Videospieleindustrie und wurde leider in meiner Point and Click Historie komplett außenvor gelassen. Das möchte ich nun nachholen und damit auch die Seite des Autors honorieren, die vielleicht nicht jedem allzu bekannt war.

Der Autor und sein Universum

Es ist nicht unbekannt, dass Bücher und Filme bereits in den 80er Jahren Material für Computerspiele boten und umgekehrt. Dazu zählen auch die Scheibenwelt-Romane, die beispielsweise 1986 mit The Colour of Magic (das erste Buch der Serie), Discworld 1 und 2 (folgt grob der Handlung von Wachen! Wachen!) oder Discworld Noir für die Heimcomputer umgesetzt wurden. Dabei handelte es sich um Point and Click – beziehungsweise Textadventures. Somit hielt ich es für eine nette Randnotiz, dass sich Daedalic Entertainment -wie oben erwähnt- verabschiedete.

Terry Pratchett schaffte es übrigens nicht nur namentlich auf seine Cover, sonder zierte 1993 das Titelbild der PC Gamer und damit sogar das, ihrer allerersten Ausgabe. In diesem Interview, geführt von Gary Whitta, wird er nicht nur auf seine Bücher angesprochen. Mehr gehen sie auf Pratchetts Hobby ein, das er damals auf seinen 33 MHz 386s Computer auslebte: Computer und ihre Spiele. Er schnitt schon damals an, dass er an seinem alten PC festsaß, während er andere beobachten musste, wie sie auf ihren Ataris oder Amigas „the good stuff“ spielen konnten. Praktisch die ersten dokumentierten Beweise dafür, dass es den Master Race – Kampf immer schon gab.

Der Schriftsteller hatte außerdem bei der Entwicklung der „Discworld“-Spiele immer das Ruder in der Hand. Er erzählte, dass er schon viele Studios mit Ideen abweisen musste, die mit ihm gemeinsam seine Scheibenwelt auf den Computerbildschirm bringen wollten. Bis dann schließlich Teeny Weeny Games um diese Möglichkeit bettelte und ihn sogar überzeugte, dass sie dieses Projekt zu seiner Zufriedenheit umsetzen können. Dazu erklärte er sich als Mensch, mit dem es sehr schwer zu arbeiten sei. Er liebte und lebte seine Scheibenwelt und nichts sollte in „Discworld“ halbherzig oder nicht den Büchern entsprechend passieren. „If only they hadn’t called themselves Teeny Weeny Games! I liked it when it was Perfect 10, Level 9 oder Delta 4. Now I’ve got Teeny Weeny Games! Do me a favour….“

Gute Gene

Die Hälfte von Pratchetts Genen bleibt uns aber mit seiner Tochter Rhianna erhalten, die sich puncto Games vieles von ihrem Vater abgeschaut zu haben scheint. Rhianna Pratchett startete als Journalistin und Spieletesterin bei einem britischen Frauenmagain namens Minx und später bei dem Spielemagazin PC Zone. Sie veröffentlichte sogar für einige Jahre in The Guardian (britische Zeitung). Schließlich stieg sie aber auf die Postion der freischaffenden Journalisten und widmete sich mehr dem tatsächlichen Entwicklungsgeschehen von Videospielen. Sie schrieb Drehbücher, Dialoge oder Begleitnovellen zu Computerspielen. Rhianna ist beispielsweise für die Handlung in Mirrors Edge oder Risen mitverantwortlich und wurde 2012 sogar bei Cristal Dynamics für die Tomb Raider- Serie angestellt.

Reddit sagt Mach’s gut

Zu guter Letzt bin ich noch über einen Artikel gestolpert, der beweist, dass das Internet nicht voller Trolls und Leute ist, die grundsätzliche alles dumm finden. Dieser Artikel wurde von The Telegraph verfasst und beschreibt eine rührende Idee, die auf Reddit gegründet und verbreitet wurde. Diese Idee fällt mir aber gerade selbst recht schwer, da ich als jemand, der sich nicht mit Massen an Computerkenntnissen schmückt, da nicht so 100%ig durchsteige. Ich probiere es trotzdem. Kurz. Ganz kurz. In einem Satz: Reddit hat die Möglichkeit publiziert Pratchetts Namen für immer im Internet aufscheinen zu lassen, indem er beim Aufrufen einer Seite im HTML Code integriert ist. Klingt wie auswendig gelernt, oder? Wen dies genauer interessiert, findet den Link ebenfalls am Ende dieses Beitrags. Wichtig ist, dass sich all dies GNU Terry Pratchett nennt und eine Anlehnung an den ermordeten Klaus Liebherz (engl. John Dearheart) aus seinen Büchern ist, der nach seiner Ermordung namentlich in den Klackern verewigt wurde. Denn „A man’s not dead while his name’s still spoken“.

 

Hier noch die versprochenen Links:

PC Gamer Artikel: http://www.pcgamer.com/a-tribute-to-terry-pratchett/

Interview 1993:  https://docs.google.com/viewerng/viewer?url=http://dl.pcgamer.com/pcgarchive/terrypratchetpcg.pdf

The Telegraph zum Redditprojekt: http://www.telegraph.co.uk/culture/books/booknews/11474455/Terry-Pratchett-will-live-on-in-the-clacks-thanks-to-fans-programming-code.html

 

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