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Ghost in the Shell 2017 – Film Review

By 30/03/2017 No Comments

Mit Ghost in the Shell traut sich Hollywood ein weiters Mal eine Umsetzung von einem Manga als Real Film zu zeigen! Ob es ihnen letztendlich gelingt, könnt ihr in unserem Beitrag lesen.

Warnung

Normalerweise versuchen wir in unseren Beiträgen erst im Fazit unserer persönlichen Meinung kund zu geben. Nachdem GitS einer meiner Lieblings-Franchise ist, werde ich persönliche Meinung bei den jeweiligen Abschnitten kennzeichnen, damit ihr diese von unserem Objektiven Review unterscheiden könnt. Ich wünsche dir lieber Leser viel Spaß bei diesem Beitrag und würde mich freuen, deine Meinung und dein Feedback zum Film und zum Beitrag zu lesen!

Plot

In einer dystopischen Zukunft gelingt es der Firma HANKA zum ersten Mal einen menschlichen Verstand (Ghost) in einen humanoiden Roboter (Shell) zu pflanze, um damit den ersten vollständigen Cyborg zu erschaffen. Bis dahin waren nur Argumentierungen oder Verbesserungen von einzelnen Köperteilen und Funktionen möglich. Dieser erste Cyborg, genannt Major, wird der Sektion 9 als „Waffe“ oder Agentin zur Verfügung gestellt und soll gemeinsam mit Sektion 9 Terroristen jagen.

Ein Jahr nach diesem Erfolg startet ein unbekannter Hacker Angriffe auf Wissenschaftler von HANKA. Dabei hackt er sich in Roboter oder Menschen mit Gehirnerweiterungen und missbraucht diesen für seine Anschläge. Der Major und Sektion 9 werden beauftragt in diesen Terroisten zu finden und decken dabei nicht nur das Geheimnis rund um den Täter, sondern auch das Geheimnis um die Vergangenheit vom Major auf.

Visueller Overload?

Die Welt von GitS ist voller Licht- und Schattenseiten und wird besonders in diesem Film stark überspitzt dargestellt. Im Trailer wurde schon das extrem futuristische Stadtbild mit all ihren verrückten Werbungen und Effekten gezeigt. Auf jedem Hochhaus sind Hologramm-Werbungen zu finden, in jeder Straße bewegen sich Bewohner mit Argumentierungen oder Holografischen Hilfmitteln und in den Lokalen, Bars und Restaurants werden mit Projektionen die Sinne der Besucher stimuliert oder getäuscht. Die gesamte Stadt von GitS wirkt wie der wahrgeworden Traum für jeden Cyberpunk Fan. Neben der scheinbar hellen und erleuchtenden Hightowers zeigt der Film die verarmten Slums, die Schattenseiten der Unterwelt, die verlassenen Gebiete und auch die übertrieben Konsumgier der Gesellschaft, die von Megakonzernen mit neuen Produkten gefüttert wird.

Wie auch schon in den Vorwerken ist dieser Kontrast zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten mit Absicht so dargestellt worden. Doch im Vergleich zu all den anderen Werken aus dem Cyberpunk Genre sieht diese überspitze visuelle Präsentation realistische den je aus. Die verarmten Slums, die riesigen Megastrukturen, die Überfüllten Wohnhäuser, das bunte und chaotische Treiben auf der Straße und diese vollkommen überdrehte Welt, wo der Mensch als Konsument zwischen diesen hin und herpendelt, zeigt und eine düstere Zukunft, die jederzeit wahr werden könnte. Diese Vision vom Film wurde nicht nur von Masamune Shirow vorausgesehen, sondern finden sich auch in anderen Werke des Cyberpunk wie in Neuromancer oder in Blade Runner (das Buch) wieder. Dabei wurden diese Werke vor mehr als 20 Jahren geschrieben und haben es damal schon geschafft gesellschaftliche Trend, auch wenn diese nicht gut zu heißen sind, vorherzusehen. Besonders in der heutigen Zeit, wo durch das voranschreiten der Digitalisierung, werden wir kleiner Parallenen zu der Welt von Ghost in the Shell finden. Es ist nur eine Frage der Zeit bis es dann die ersten Hologramm-Werbungen auf Hochhäuser gibt. Diese visuelle Darstellungen der Welt wirkt nicht nur Eindrucksvoll sondern auch Beängstigend. Noch nie sah Cyberpunk so lebenecht aus!

Doch nicht nur das Stadt gesehen und der Aufbau dieser Welt überzeugt den Zuseher mit seinem visuellen Reiz, sondern auch die Art und Weise der Produktion. Um einen realeren Style zu kreiieren wurde nicht alles mit reinem CGI nachbearbeitet. Die Produzenten legten sehr viel Wert darauf echte Props für diesen Film zu erschaffen. Viele der Szenen, Roboter und Props wurden gebaut und nicht einfach nur durch CGI reingeschnitten. Dabei hat das Special Effects Team verdammt gute Arbeit geleistet. Ich habe den Film zwei Mal sehen dürfen. Beim zweiten Mal schauen habe ich versucht die echten Props zu erkennen und zu sehen. Es ist stellenweise unmöglich diese Ausfindig zu machen. Im Video von „Insider“ könnt ihr selber sehen, was alles für diesen Film gemacht wurde!

[Meine Meinung] Ok. Jetzt muss ich einfach den innern Cyberpunk Fanboy raus lassen. Ich liebe Cyberpunk! Es ist mein Lieblingsgenre. Ich habe alleine in meiner Schulzeit 2 Referat darüber gehalten, wobei eines fast 2h lang ging. Ich liebe Neuromancer, Blade Runner und natürlich Ghost in the Shell. Was dieser Film einem zeigt ist die visuelle Vision von all diesen Autoren. Gibson, Dick und Masamunes Vorstellung von der Zukunft wurde in meinen Augen durch diesen Film real!

Whitefacing?

Im Vorfeld wurde bei diesem Film viel wegen dem Whitefacing diskutiert. Beim Whitefacing, für alle die das noch nicht kennen, geht es darum, dass in Hollywood-Produktionen Charakter, die in der Vorlage einer andere ethnische Herkunft haben, oft mit Schauspieler besetzt werden, die mit der ethnischen Herkunft des Originals nichts zu tun haben. Nachdem Ghost in the Shell als Vorlage einen Manga nutzt, waren viele Fans und Kritiker mit der Besetzung von Scarlett Johansson als Major nicht begeistert. Der Cast allgemein wurde sehr kritisch beäugelt nachdem auch klar wurde das Batou und auch anderen aus Sektion 9 nicht mit asiatischen Schauspieler besetzt wurden. Interessanterweise gibt es einige Videos im Internet, die zeigen, dass den japaner selber das Casting gut gefallen hat und es diese nicht stört, dass viele der Schauspieler nicht asiatisch sind.

Doch bevor wir eine endlose Diskussion über das Whitefacing hier starten, widmen wir uns lieber den Film. Der Cast des Filmes ist sehr gut gelungen. Besonders Scarlett Johansson überzeug einen als der Majors und präsentiert den Zuseher mit ihrer Darbietung eine Seite vom Major, die bis dato nicht behandelt wurde. Allein die Art und Weise wie sie sich bewegt, gibt das dem Ganzen eine besonderen Touch. Batou, Togusa und auch Aramaki wurde sehr gut besetzt und schaffen gemeinsam mit dem Major Sektion 9 neu zu interpretieren. Besonders die Dialoge zwischen Batou und Major sind unterhaltsam, wenn auch gleich weniger philisophisch wie im 1995er Film. Allgemein passt die Chemie zwischen den Schauspieler. Sie agieren wie ein Team und arbeiten gut miteinander.

Ein Highlight stellt Aramaki dar. Dieser wird von Takeshi „Beat“ Kitano verkörpert. Diese zeigt eindruckshaft, warum er die perfekte Wahl für diese Rolle war. Besonders cool ist, dass er den ganzen Film durch japanisch redet!

Ich muss sagen, das Whitefacing fand ich nicht so schlimm. Nachdem der Film in der Zukunft spielt und der Major in jeder Serie und im jedem Film ein vollständiger Cyborg war, kann sich ihr Aussehen gestalten wie sie will. Es wurde in den Mangas auch nicht direkt gesagt, dass sie das Aussehen einer Japanerin hat. Wichtig für mich war, dass Aramaki und Togusa von Asiaten besetzt wurden. Allgemein ist es wichtig zu verstehen, dass in der Welt von Ghost in the Shell diese Nationalitäten und Rassen Trennung abnimmt. Es wird viel mehr auf die Trennung von Mensch und Maschine geachtet. Viele werden den Film wegen den einfachen Dialogen zwischen Major und Batou kritisieren. Wer nur den 1995er Film kennt, wird das nicht wissen, aber im Orgnial Manga führen Batou und der Major nicht bei jedem Gespräche philisophisch Tiefsinnige Dispute.

Eine Hommage an …?

Was schon beim Trailer aufgefallen ist, sind die Anspielungen auf den 1995er Film. Im GitS (2017)  kommen viele dieser Szene wieder vor. Dabei schaffen sie es, diese perfekt umzusetzen. Alleine der Kampf im Wasser ist fast 1:1 aus dem 1995er Film übernommen. Statt aber diese nur 1:1 zu kopieren und auch dessen Dialoge und deren Kontext zum Gesamt-Plot  zu übernehmen, nutzt der neue Film diese visuellen Hommagen aus um die neue Story voran zu bringen und die Stimmung der Welt besser darzustellen, ohne dabei den Zusammenhang aus dem alten Film zu übernehmen.

Sie versuche gleichzeitig aber den Film nicht nur durch direkte Hommagen, sondern auch mit kleine Goodies oder Easter Eggs zu fühlen. Es erinnert einem sehr stark an die ganzen Marvel Filme, wo auch immer wieder in den Hintergründen kleiner Anspielungen auf die Comics gemacht werden. Für einen Fan sind das einfach schöne zu sehen, dass auf kleine Details geachtet werden.

So viele Anspielungen! Es ist der Wahnsinn. Ich liebe es, wenn ich in einem Film Gänsehaut Moment habe. Davon hatte ich einige! Die Szene wo die Kamera in der Schlucht der Slums nach oben dreht und dabei ein Flieger vorbeidüst, der Baum, die Outfits vom Major oder die Waffe die Togusa nutzt. Alle diese kleinen Momente haben mein Fan Herz höherschlagen lassen!

GitS Cinimatic Universe?

Besonders die Trailer gaben vielen GitS Fans das Gefühl, dass der Film sich rund um den Puppetmaster drehen wird. Ich persönlich bin froh, dass der Film einen eigenen Plot aufbaut, der bei keinem GitS Werk bis jetzt vorkam. Besonders bei GitS ist es wichtig zu wissen: Die Filme und auch die Serien sind nicht vom Original Schöpfer geschrieben, sondern basieren nur auf dessen Arbeit. Dadurch kann jede neue Verfilmung oder neue Serie sich selber definieren und interpretieren.

Der Real Film nutzt diese Tatsache aus und erschafft damit eine eigene Version von Ghost in the Shell. Das Grundgerüste der Welt, also „the Shell“, ist immer noch wie die aus den Filme und Animes. Eine Cyberpunk Welt, wo der Mensch immer mehr mit der Maschine verschmilzt, wo Großkonzerne durch ihre dunkeln Machenschaften ihren Profit und ihr Macht ausbauen und wo Sektion 9 unter Aramaki gegen Terroristen und anderen Bedrohungen ermitteln. Diese Elemente finden wir auch in den Filmen, Serien und im Manga wieder. Sie sind die essentiellen Grundpfeiler von dieser Welt.

Die Story des Filmes, also „the Ghost“, darf sich selber entfalten. Die Charakterisierungen, die Backgroundstory der einzelnen Protagonisten, ihr Bezug zu der Welt und zur Sektion 9 und ihre eigenen Motivationen werden schon seit dem ersten Film von den jeweiligen Autoren bestimmt. Wichtig ist immer nur, dass die Autoren die Cyberpunk Kernthemen von Schöpfer verstehen und durch ihre eigene Interpretation einfließen lassen können. Daher ist es auch kein Problem, dass die Autoren von diesem Film eine eigene Origin Story für den Major schaffen.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich über diesen Weg freuen. Ich wollte von anfang an nicht einfach nur eine 1:1 umsetzung vom 1995er Film sehen oder einfach nur eine Fortsetzung von SAC. Ich wollte was eigene sehen. Nachdem ich erst vor ein paar Monaten den Manga endlich gelesen habe, habe ich erst verstanden, dass eigentlich jede Arbeit rund um die Welt von GitS nur eine Interpretation von einem anderne Autoren war. Es gibt so viele Origin Stories von Major, aber die meisten bestehen aus einem Satz in einem Dialog. Erst vor paar Jahren gab es eigentlich mit Arise einen Reboot des gesamten Franchies. Daher finde ich es gut, wenn Paramont Pictures weiterhin das „Ghost in the Shell CU“ ausbauen darf!

Fazit

Noch nie hatte ich so viel Angst einen Film zu sehen. Für mich ist GitS einfach mehr als nur ein paar Filme und ein paar Serien. GitS is Love! Ich war so froh nachdem ich den Film gesehen habe. Ist es der beste Film der Welt: NEIN. Ist es eine gute Umsetzung vom Manga, 1995er Film oder der Serie: JA!

Klar hat der Film schwächen und ist vielleicht für Hardcore GitS Fans zu einfach, aber er ist trotzdem gut geworden. Wichtig ist nur, dass du als GitS Fan in den Film mit einer Offenheit reingehst. Wie ich schon erwähnt habe, ist GitS nicht ein feste Konstrukt. Jeder der GitS Serien und Filme basieren ja nur auf den Manga. Dieser Film basiert auch nur auf den Manga, aber schafft es die wichtigen Themen und Aspekte daraus mit einem neuen „Ghost“ zu verbinden.

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