Free! – Revival des Sportmanga-Genres auf neue Weise?

Zugegebenermaßen, ich hatte schon immer eine Schwäche für Sportmangas bzw. -animes.

Angefangen von den guten alten ‚Kickers‘, über ‚Mila-Superstar‘ bis hin zu Captain Tsubasa, erfreute sich das Genre mit Hits im deutschsprachigen Raum, wie Prince of Tennis, großer Beliebtheit.

Underground-Mangas, wie das empfehlenswerte ‚Slam Dunk‘, das nach einiger Zeit abgesetzt wurde, sowie Eyeshield 21, das es erst gar nicht nach Deutschland geschafft hat, hatten nicht wirklich eine Chance. Warum?

Seit ca. zwei Jahren allerdings kann man einen anderen Zugang zum Sportmanga-Genre erkennen. Es ist, als hätte man erkannt, dass nicht nur typische Shonen-Leser diese Art von Manga lesen.

Prince of Tennis ist das beste Beispiel dafür. Es etablierten sich Künstler, die zu der Hauptgeschichte, ihre eigenen Storyverläufe illustrierten, weil die Zielgruppe sich verschoben hat und dieser nicht mehr wirklich zu hundert Prozent entsprach.  In Japan ist sogar das Prince of Tennis-Musical eines der Beliebtesten, welches allerdings nur von einem hauptsächlich weiblichen Publikum besucht wird.

Die Anfänge lagen vermutlich in den 90ern, wo Yaoi-Zeichner, wie Ayano Yamane, Fan-Mangas zu den Sportgeschichten veröffentlichten und dadurch Berühmtheit erlangten. Eine neue Zielgruppe war somit geboren: der weibliche Fan ab 16.

 

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Ⓒ Kyoto Animation – Promotional Splash

Doch es dauerte einige Jahre, bis ein neuer Hype entstand, ausgelöst durch einen kurzen animierten Werbeclip aus dem Jahre 2013.

Basierend auf einer Light Novel-Reihe von Kōji Ōji namens High Speed! hat dieser kurze Sport-Clip seine Zuseher sofort in den Bann gezogen.

Interessanterweise war dieser Clip nicht wie alle anderen. Irgendetwas war anders. Free!, unter dem er später bekannt wurde, hatte eine -zugegebenermaßen mit Erfolg- andere Zielgruppe im Visier.

Zu sehen waren vier junge, gutaussehende Männer, jeder unterschiedlicher und besser aussehender als der andere, gehüllt in Spandex-Hosen mit definierten Muskeln und nasser Haut. Auch die Perspektiven und Bildausschnitte waren anders und doch darauf bedacht dem Zuseher zu zeigen, was diese Kerle draufhaben und wie stark sie sind. Ein gewisser Kampfgeist und die Lust auf Mehr waren geboren. Der Hype war so groß, dass im darauffolgenden Jahr ein Anime angekündigt wurde.

Als Sportmanga-Leserin lehnte ich mich zurück und war nicht besonders enthusiastisch, da meine Erwartungen an diesen Anime nicht hoch angesetzt waren. Hinzu kam, dass ich seit Jahren keine Animes mehr gesehen habe, sondern gänzlich auf Mangas umgestiegen bin. Für mich waren die letzten Sportmangas ein einziger Einheitsbrei mit den immer wiederkehrenden Stilfiguren. Was sollte großartig anders an ‚Free! Iwatobi Swimclub‘ sein als die anderen?

Trotz all meiner Zweifel habe ich mir die ersten zwei Folgen mehrerer Animes angesehen, um zu entscheiden, welchen ich fortsetzen werde. Hängengeblieben bin ich bei Free!.

Der Anime beginnt mit altbekannten Stilfiguren. Drei Freunde, die sich seit der Kindheit kennen und jetzt im Teenager-Alter sind, haben eine gemeinsame Leidenschaft: Das Schwimmen. Es geht nicht um Sieg oder das Erreichen einer Trophäe, es geht simpel um das Teilen dieser Leidenschaft mit Freunden. Ist es nicht so, dass man sich als Mitglied der Comicszene sofort in diesem Schema widerfindet? Der Kreis einer Freundschaft gibt einem Sicherheit, egal, welche Hindernisse auch kommen mögen, man fühlt sich stärker und glücklicher. Es geht um Spaß und der, sportlich am meisten Herausragende, von Ihnen, Haruka Nanase, ein sehr in sich gekehrter, stiller Charakter, hat weder Ambitionen, noch Interesse an Wettkämpfen. Hier wird eine alte Stilfigur neu aufgerollt.

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Ⓒ Kyoto Animation – Published by Newtype

Der Fokus in dem Anime liegt eben nicht auf Wettkämpfen, sondern auf der Freundschaft untereinander, Vertrauen, Alltagsschwierigkeiten, Teenager-Sorgen, aber auch darauf, wie Freundschaft in dem Zuseher Motivation und Elan weckt. Makoto Tachibana ist ein Charakter, der Haruka blind zu verstehen scheint und dieser ist auch dankbar für dessen Einfühlungsvermögen.

Nagisa Hazugi ist derjenige, der die Idee äußert den Schwimmclub zu gründen, woraufhin sie ihr späteres Mitglied, Rei Ryugazaki finden, den sie vom Leichtathletik-Club abwerben.

Eingefleischte Japankenner werden sofort merken, dass die vier Hauptprotagonisten eher weibliche Vornamen haben und das ist mit Sicherheit kein Zufall. Dieser Umstand verleiht den Charakteren eine gewisse feminine Seite, die die Gefühle und die Probleme mit ihnen in den Folgen nochmal zusätzlich unterstreicht. Frauen im Speziellen sympathisieren auch viel mehr mit Männern, die nicht rein harte, angsteinflößende und rohe Gewalt ausstrahlen. Ihnen ist wichtig, dass Charaktere gewisse weiche, ich möchte sagen, leicht feminine Züge aufweisen, ob es lange Wimpern sind, volle Lippen, große Augen, gespickt mit einem sanften Lächeln. Die Macher des Animes waren quasi zur richtigen Zeit am richtigen Ort oder gehörten selbst mal zu dieser Zielgruppe.

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Ⓒ Kyoto Animation

Ich möchte behaupten, dass im deutschsprachigen Raum, diese Zielgruppe sich erst in den letzten Jahren wirklich etabliert hat. Junge Mädchen sind junge Frauen geworden und auch da muss das Material an Manga und Animes sich dieser demografischen Entwicklung anpassen.

Free! Iwatobi Swimclub besteht mittlerweile aus zwei Staffeln, Staffel 1 mit 12 Folgen und Staffel 2 namens Free! Eternal Summer mit 13 Folgen. Ob eine weitere Staffel folgt, ist bis jetzt noch nicht klar, die Fans sind allerdings zuversichtlich.

Ich möchte den Anime allen empfehlen, die allgemein etwas mit diesen Themen anfangen können, denn er berührt und tritt eine würdige Nachfolge im Sportmanga-Genre an.

Dee

 

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