Eine Reise durch die Zeit – Die Cosplayszene von früher bis heute

Veränderung ist die einzige Konstante im Universum. 

Das wusste schon der griechische Prophet Heraklit von Ephesus, von dem dieser  Aphorismus stammt. Und auch die Cosplayszene ist davon nicht ausgenommen. In diesem Artikel möchte ich in die Vergangenheit, Gegenwart und vielleicht auch Zukunft der Cosplayszene reisen und herausfinden, was sich geändert hat, was geblieben ist und was kommen wird.

Erste Station der Reise, die Vergangenheit, Ursprung des Cosplay: Japan.
Das Wort „Cosplay“ selbst, besteht aus den zwei englischen Wörtern „Costume“ und „Play“, zu Deutsch also Kostümspiel. Es bezeichnet das Verkleiden als Manga-, Anime- oder Game-Figur. Der Begriff wurde erstmals 1983 in einem japanischen Magazin verwendet.
Der Ursprung von Anime- und Manga-Conventions liegt aber in einem anderen Land, um genau zu sein sogar auf einem anderen Kontinent: Amerika. Hier fand am 13. August 1983, die erste größere Veranstaltung zu dem Thema statt, die YamatoCon in Dallas. Was auffällt ist, dass der Begriff Cosplay im gleichen Jahr entstand, in dem die erste größere Convention veranstaltet wurde. Cosplay und Conventions sind untrennbar miteinander verbunden.

Conventions geben den Cosplayern eine Bühne für ihr Hobby, und im Gegenzug machen Cosplayer die Veranstaltung erst zu dem außergewöhnlichen Event, das sie ist.

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© Foto by greencat

 

Die Cosplay-Szene hat sich seit damals auf zwei Plattformen entwickelt, die eng miteinander verbunden sind. Zum einen die schon erwähnten Conventions, und zum anderen virtuell im Internet auf diversen Websites und Online Communitys.

Ich möchte kurz auf die Geschichte deutscher und österreichischer Conventions eingehen.
Nachdem japanische Comics und Zeichentrickfilme im deutschsprachigen Raum Beliebtheit erlangten, ließ es nicht lange auf sich warten bis sich eine Community aus Fans bildete und die ersten Treffen, um sich auszutauschen und andere Begeisterte kennenzulernen, veranstaltet wurden. Das erste dieser Treffen war das Neo Moon Projekt, das vom „Sailor Moon Online Fanclub“ (SMOF) organisiert wurde und 1998 bei München stattfand. Danach entstanden mehrere größere Conventions, wie die Animagic 1999 in Bonn, die Aninite 2001 in Wien oder die Connichi 2002 in Kassel.
Seit 2007 gibt es zudem die deutsche Cosplay Meisterschaft, bei der sich Cosplayer mit ihren Kostümen vor einer Jury präsentieren und das beste Cosplay anschließend prämiert wird.

Online ist eine der wichtigsten deutschsprachigen Plattformen die Website Animexx. Der Verein Animexx e. V. entstand im Jahr 2000 aus dem Zusammenschluss des Sailor Moon Online Fanclubs und des Animangai. Die Seite bietet Informationsartikel, eine Online-Community, Zirkel um Gruppen zu organisieren, die Möglichkeit Event-Seiten zu erstellen, einen Fanwork-Bereich um Artworks, Cosplay und Ähnliches auszustellen und vieles mehr.
Die wichtigsten englischsprachigen Websites sind worldcosplay.com und cosplay.com, beides Seiten auf denen Cosplayer ihre Fotos hochladen, Fotoreihen zu einem Charakter erstellen können und die Möglichkeit haben, sich über Foren auszutauschen.

Mit dieser Grundlage zur Bildung für Communitys hat sich die Cosplay-Szene im deutschsprachigen Raum schnell weiterentwickelt. Die Conventions wurden größer und internationaler.
Die Gegenwart besteht aus Besucherzahlen von bis zu 15.000 Personen und einem Programm, das bietet, was das Fanherz begehrt. Angefangen bei Händlerräumen über Filmfestival und Workshops bis hin zu Ehrengästen, Wettbewerben, Shows und vielem mehr.

Für mich ist eine Convention so etwas wie ein großes Familientreffen.

Man sieht Freunde wieder, die man ewig nicht gesehen hat, oder auch viele mit denen man sich regelmäßig trifft. Eine Sache die sich in den nun fast 8 Jahren seit ich Conventions besuche geändert hat ist, dass man nicht mehr alle Leute kennt. Dadurch, dass die Szene viel kleiner war, war alles viel enger beieinander. Jetzt beobachte ich immer mehr, dass sich Gruppen von Freunden bilden. Man geht weniger aus sich heraus und es ist schwerer neue Leute kennenzulernen. Zumindest auf den Veranstaltungen selbst. Denn durch das Internet gibt es viel mehr Möglichkeiten Gruppen zu gründen und Bekanntschaften zu machen, die sich dann wiederum ins reale Leben übertragen. Es ist alles vernetzter, aber im echten Leben bilden sich kleinere Gruppen von wirklich guten Freunden, mit denen man gemeinsam cosplayt und die Freizeit verbringt.

Weiters entwickelt sich die Szene dahin gehend, dass nicht nur mehr ausschließlich Manga, Anime und japanische Computerspiele gecosplayt werden, sondern auch Figuren aus amerikanischen Comics, Film und Fernsehserien.

Beispielsweise gibt es seit einiger Zeit viele Marvel-, Sherlock-, oder My Little Pony-Cosplayer. Während früher Massen von Naruto-Verkörperungen auf Conventions gesichtet wurden ist heute das Spektrum viel größer. Naruto hat sich auch einige Jahre lang gehalten, heutzutage gehen die Trends viel schneller vorüber. Ist heute Shingeki no Kyoujin in, ist es morgen schon wieder eine andere Reihe. Es gibt unendlich viele Neuerscheinungen an guten Mangas und Animes, die es Cosplayern beinahe schwer machen sich zu entscheiden, welches Cosplay als nächstes getragen werden soll.

 

Dazu wird die Community immer professioneller und kompetitiver.

Fast jeder Cosplayer, der das Hobby ernsthaft betreibt, hat eine gut gewartete Facebook-Seite, die regelmäßig mit Bildern, Tutorials und anderen Beiträgen gefüttert wird. Cosplayer bauen sich ihre eigene Fangemeinde auf, die hinter ihnen steht. Es kommt zu einem regelrechten Wettbewerb. Gekaufte Cosplays werden kaum noch geduldet, es ist wichtig, alles selbst zu nähen, zu bauen und herzustellen. Sonst ist man ja kein richtiger Cosplayer. Dass es im Grundgedanken einfach nur darum geht Spaß zu haben wird oft vergessen. Durch das Internet ist es auch viel zu einfach Hass zu verbreiten. Jeder kann sagen was er will, Konsequenzen gibt es meistens nicht. Überhaupt steigt das öffentliche Interesse an Cosplay seit einiger Zeit stetig an. Es gibt immer mehr Berichte im Fernsehen, Online-Artikel und selbst Beiträge in regionalen Zeitschriften, die über Conventions berichten, Cosplayer vorstellen oder das Hobby erklären. Die Außenwelt war früher vom Innenleben der Cosplay-Szene weitgehend ausgeschlossen, es war auch nicht so viel Interesse vorhanden.

Die Szene wird auch durch das steigende öffentliche Interesse immer etablierter.

Es ist nicht länger ein seltsames Hobby, dass man nur im engen Freundeskreis auslebt. Mir selbst hat die langjährige Erfahrung teilweise schon geholfen Jobs zu bekommen, da die Arbeitgeber die kreative Arbeit und auch die schauspielerischen Aspekte zu schätzen wissen. Früher wurde ich oft komisch angeschaut, wenn die Sprache auf das Thema Cosplay gefallen ist, heute sind so gut wie alle Menschen offen interessiert und neugierig.

Man kann fast sagen Cosplay wird Mainstream. Aber in gutem Sinne, denn es bringt immer mehr Menschen mit den gleichen Interessen und der gleichen Leidenschaft zusammen.

Dazu kommt, dass Cosplayer heute viel mehr Möglichkeiten haben. Man kann sich über das Internet austauschen, Tipps und Tricks teilen, Tutorials ansehen, Material, Kontaktlinsen und natürlich Perücken bestellen (ich erinnere mich noch zu gut an die schrecklichen Faschingsperücken meiner ersten Cosplays, einfach weil es nichts anderes gab). Es gibt auch immer mehr Firmen, die sich auf die Bedürfnisse von Cosplayer spezialisieren. In Japan zum Beispiel hat vor kurzem ein riesiges Fotostudio mit mehreren Ebenen eröffnet, das von Klassenzimmern über traditionell japanische Räume bis hin zu Restaurantszenen alles bietet, um den perfekten Hintergrund für das Cosplayshooting zu finden.
(http://sgcafe.com/2014/12/japans-largest-cosplay-theme-park-haco-stadium-tokyo-one-opens/)

Der letzte Punkt über den ich schreiben möchte ist Geld. Vor einiger Zeit sind immer mehr Stimmen laut geworden, die sich beschweren, dass Cosplayer aus ihrem Hobby Geld machen, indem sie Prints, Kostüme oder auch Fotoshootings anbieten. Die lauten Stimmen behaupten, dass hiermit der Charakter eines Hobbys verloren gehe und dass Neulinge schwerer eine Chance haben die Szene zu betreten. Aber wer macht schon so viel Geld mit Cosplay, dass er davon leben kann? Es gibt vielleicht eine Handvoll Menschen, die das können. Und selbst diese machen es nicht des Geldes wegen, sondern weil es ihre Leidenschaft und ihre Freude ist. Wenn sich für jemanden die Chance ergibt aus seinem Hobby einen Beruf zu machen, dann wäre derjenige wohl dumm „nein“ zu sagen.

Nur weil ein paar Leute Geld aus ihrem Hobby machen ist das keine Hürde für andere, Spaß an dem zu haben, was sie tun.
Und genau darum geht es schlussendlich beim Cosplay.

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©Foto by greencat

(©Cover Foto by behindinfinity)

 

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