Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2

Seit Neuestem muss ja die Verfilmung des letzten Bandes einer Jugendbuchreihe immer aus zwei Teilen bestehen. So geschah es auch bei „Die Tribute von Panem“, dessen finaler Abschluss jetzt in den Kinos zu sehen ist. Ich hab ihn mir für euch vorab schon mal angesehen und versuche zu beantworten, ob sich ein Kinobesuch dafür lohnt. Zwei Dinge jedoch vorweg, zum einen sollte man wissen, dass ich die Bücher gelesen habe und dadurch vielleicht etwas anders an den Film herangehe als jemand, der sie nicht gelesen hat, zum anderen kann es sein, dass in der Kritik der kleiner Spoiler vorkommt. Wer also nur wissen möchte, wie ich den Film generell bewertet habe, der möge gleich zum Fazit springen, das auf jeden Fall spoilerfrei geblieben ist 😀

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IMAX Poster © 2015 STUDIOCANAL GmbH / Lionsgate

Erster Eindruck

Als ich aus dem Kinosaal herauskam, hatte ich sehr gemischte Gefühle und konnte zunächst gar nicht wirklich sagen, ob ich den Film gut oder schlecht fand. Erst nach und nach konnte ich meine Gedanken ordnen und begann zu verstehen, dass der Film einfach in unterschiedlichen Bereichen manchmal mehr und manchmal weniger  überzeugen konnte.

Beginnen wir mal mit den SchauspielerInnen. Ich glaube, ich muss nicht mehr erwähnen, dass die Darstellung von Jennifer Lawrence als Katniss herausragend ist. Wenn sie auf der Leinwand erscheint, sehe ich Katniss genauso, wie ich sie  mir immer vorgestellt habe. Neben Lawrence ist in diesem Teil aber auf jeden Fall Josh Hutcherson aka Peeta hervorzuheben, der vor allem zu Beginn wirklich sein ganzes schauspielerisches Können zeigt. Blass bleiben allerdings diesmal Woody Harrelson und Elizabeth Banks, die fast nie zu sehen sind. Liam Hemsworth (Gale) bleibt weiterhin großteils nur ein optischer Aufputz und Jena Malone (Johanna) bekommt zwar zwei schöne Szenen, muss dann allerdings ungerechtfertigterweise wieder kürzertreten. Donald Sutherland spielt gekonnt souverän den Widersacher Präsident Snow, allerdings springt bei ihm nie ganz der Funke über und er bleibt doch bis am Ende recht gleichgültig. Anders als in den vorigen Filmen gab es keine bedeutenden neuen Charaktere zu erkunden, lediglich Tigris (Euginie Bondurant) sticht hervor, kommt aber eindeutig viel zu kurz. Nicht-Buch-KennerInnen werden sich wahrscheinlich über ihren Auftritt eher wundern und sich fragen, ob das nun wirklich nötig gewesen war.

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© 2015 STUDIOCANAL GmbH / Photo Credit: Murray Close

Glitzernde Welt äußerst verstaubt

Generell hat man es als Nur-Film-Gucker ungemein schwerer der Handlung zu folgen. Da keinerlei Rückblicke gegeben werden, findet man sich schon von Anfang an mitten im Geschehen wieder und dieses Geschehen ist Krieg. Waren die anderen Filme noch eher in dieses glitzernde „Kapitollicht“ getaucht, handelt der letzte Teil wirklich ausschließlich davon, wie ein Krieg geführt und gewonnen werden kann und zwar mit allen Mitteln. Actionszenen wechseln sich mit emotionalen Szenen ab und das in einem sehr angenehmen Ausmaß. Der Grundton des Filmes ist also traurig und nervenaufreibend. Vorbei sind die Zeiten, als das Kinopublikum über Caesar Flickerman gelacht hat. Noch mehr als in den anderen Teilen heißt es Taschentücher einpacken, ihr werdet sie brauchen 😉

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© 2015 STUDIOCANAL GmbH / Photo Credit: Murray Close

Für mich ist allerdings genau das auch ein großes Problem des Films. In den ersten Teilen war man irgendwie fasziniert von dieser völlig anderen Welt, von den Kostümen, den rauschenden Festen. Alles was im Kapitol vor sich ging, war verrückt aber irgendwie wollte man mehr davon, man wollte sehen, wie diese Leute so sind und wie sie leben. Nun ist Katniss tatsächlich undercover im Kapitol und man hätte Chance genug, diese verzerrte Realität der BewohnerInnen darzustellen. Der Regisseur Francis Lawrence hatte allerdings anderes im Sinn. Statt opulenter Bauten und dekadenter Lebensweise sieht man Hochhäuser, die aussehen als wären sie in der DDR Zeit gebaut worden. Karg, farblos und ohne viel Liebe sind sie aneinandergereiht und als ZuseherIn denkt man sich irgendwie, ob das nun wirklich das Kapitol aus den letzten Teilen ist. Wegen des Krieges wurde natürlich einiges zerstört, aber dennoch war die Kulisse dem Schauplatz einfach nicht würdig. Besonders stark ist mir dies aufgefallen, als die Gruppe im Untergrund war und sie durch etwas durchliefen, das wie eine Berliner U-Bahnstation ausgesehen hat. (Vermutlich weil auch wirklich in Deutschland gedreht wurde) Es hat irgendwie billig und keinesfalls echt gewirkt, es war einfach nicht das Kapitol. Der einzige Ort, der für mich authentisch war, war Präsident Snows Anwesen, das von innen stark an Schloss Schönbrunn erinnert hat.

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© 2015 STUDIOCANAL GmbH / Photo Credit: Murray Close

Um den Panem-Zauber doch noch ein bisschen einzustreuen wurde die Mission wie die vorigen Hunger Games gestaltet, inklusiver tödlich-teuflischer Fallen mit mutierten Wasserwesen sowie dem Einsatz von Kanonenschüssen um Todesopfer zu bekunden. Außerdem wurde Effie Trinkett in jeder Szene in der sie vorkam in ein neues Kostüm gesteckt um die bunte Welt des Kapitols doch noch zu betonen. Katniss trägt in diesem Film leider kein herausragendes Kostüm, was ich als sehr schade empfinde, da diese doch auch oft ein Highlight der Filme waren.

Des einen Freud, des anderen Leid – Das Ende

Aber ja, kommen wir nochmals zum traurigen Grundton des Filmes zurück. Trotz der kleinen Kritikpunkte war das Ende zu Beginn noch grandios und damit meine ich den Zeitpunkt als Katniss und Gale endlich versuchen wirklich zu Präsident Snow vorzudringen (ihr werdet dann wissen, welche Szene ich meine). Ab dann geht’s Schlag auf Schlag und man bekommt kaum noch Zeit Luft zu holen. Die Spielfiguren werden hin- und hergeschoben bis es dann endlich zum großen Showdown zwischen Katniss, Präsident Snow und Möchtegern-Präsidentin Coin kommt. Soweit so gut, das Ende ist perfekt, genauso wie im Buch. Dann allerdings wurde mir ganz schwummrig, denn nach dem Ende gibt es natürlich noch einen richtigen Abschluss, man will doch wissen, was in einigen Jahren passiert… besser wir hätten nicht in die Zukunft geschaut. Es geht nicht darum, was gezeigt wurde, weil das mit dem Buch ident ist, sondern wie es gezeigt wurde. Ich hatte das Gefühl ich stecke in einem Kitschfilm fest oder es wird wieder ein Werbefilm fürs Kapitol gedreht. Pfui, das hinterlässt einen schalen Beigeschmack und hat mich den Kinosaal mit einem Kopfschütteln verlassen lassen.

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© 2015 STUDIOCANAL GmbH / Photo Credit: Murray Close

Fazit

Auf die Frage, ob Mockingjay 2 ein würdiger Abschluss dieser Buchtrilogie ist, kann ich nicht 100% mit Ja antworten. Der Film hat eindeutig seine Schwächen, über die die Schauspielkunst von Lawrence leider auch nicht hinwegtäuschen kann. Fans der Buchreihe und der vorherigen Filme werden allerdings auf jeden Fall ihre Freude haben und auf ihre Kosten kommen. Ich finde gerade, dass der Mix aus Action und emotionalen Szenen sehr ausgeglichen ist, wodurch einem auch viel Zeit zum Luftholen gegeben wird (oder zum Taschentücher herausholen).  Man braucht auch keine Angst zu haben, dass ständig auf die Dreiecksbeziehung von Katniss, Peeta und Gale eingegangen wird, im Gegenteil, sie ist  zwar stets vorhanden, aber fast nie Hauptthema des Films. Im Grunde ist aber gerade die Beziehung von Peeta zu Katniss eines der wichtigsten Elemente des Filmes und diese wurde in Mockingjay 2 wirklich gut herausgearbitet.

Leider ist aber die Umsetzung der Mission im Kapitol aufgrund der trägen Kulisse nicht besonders gut geworden und Fans der schrulligen Charaktere wie Haymitch oder Effie werden wegen ihrer kurzen Auftritte ebenfalls etwas enttäuscht sein.

Gäbe es 10 Sterne zu vergeben würde ich dem Film würdige 7 Punkte verleihen!

Erwartet einfach nicht zu viel, lasst euch überraschen und mich anschließend wissen, wie euch der Film gefallen hat. Ich warte gespannt auf eure Kommentare und möge das Glück stets mit euch sein 😀

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