Die Rückkehr der Sherlock Holmes oder warum Hörspiele auch auf der Bühne funktionieren

Am Mittwoch, den 22. April fand etwas Einmaliges statt, nämlich das erste Live-Hörspiel in Wien, das von Audiamo veranstaltet wurde. Viele werden sich jetzt fragen, was das denn bitte sein soll. Ich hoffe den meisten LeserInnen sind Hörspiele an sich ein Begriff. Ich werde doch schließlich nicht zu den einzigen gehören, die mit Benjamin Blümchen, den Fünf Freunden und TKKG aufgewachsen (und eingeschlafen) ist. 😉

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Begonnen hat der Boom um die Live-Hörspiele eigentlich mit „Die drei Fragezeichen“. Dies ist eine Serie über drei Detektive, die seit je her von den selben Sprechern gesprochen werden, und sich bei mittlerweile weit mehr als 150 Fällen immer noch großer Beliebtheit erfreut. 2002 entschieden sich die Sprecher eine Live Veranstaltung zu machen und auf der Bühne vor Publikum ein Hörspiel zu sprechen. Der Erfolg war enorm und so folgten weitere Touren, die sie durch ganz Deutschland führten. Das Live-Hörspiel konnte sich dadurch etablieren und es begannen andere damit, ebenfalls solche Events zu organisieren, wie etwa Lauschlounge oder jüngst auch Audiamo, ein Hörbuch & Hörspiel Shop. Das Schema ist dabei aber eigentlich immer gleich geblieben: es gibt einige SprecherInnen, Musik/Tontechnik und meist einen eigenen Geräuschemacher. Das reicht aus um das Publikum in den Bann zu ziehen.

Ja, das hört sich zunächst etwas seltsam und vielleicht auch langweilig an, aber wenn man es einmal selbst erlebt hat, versteht man, warum es eine solch große Fangemeinde hat.

Live-Hörspiel made in Austria

Was also in Deutschland bisher sehr erfolgreich war, wurde jüngst nun auch in Österreich versucht. Audiamo lud daher am 22.4. zu seinem ersten Live Hörspiel „Die Rückkehr des Sherlock Holmes“, das auf der Geschichte „Das leere Haus“ basiert, in das Lokal Aera. Als Hörspiel Fan, der auch schon mehrmals in Deutschland solche Events besucht hat, konnte ich mir das natürlich nicht entgehen lassen. Mit Gemisch aus Gefühlen zwischen hohen Erwartungen und „lass dich mal überraschen“ begab ich mich daher ins Aero. Dies ist ein kleines Lokal, das im Keller eine eigene Bühne hat. Der Zuschauerbereich ist nicht besonders groß, dafür mit Tischen ausgestattet, auf denen man während der Vorstellung Getränke genießen kann, was sehr angenehm ist (auch preislich ist es ganz gut, obwohl es im ersten Bezirk ist).

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Bevor die Show begann, gab es noch ein paar einladende Worte, die auf das Hörspiel einstimmen sollten, gleich darauf ging es auch schon los und die SprecherInnen entführten uns rund 75 Minuten lang in ein viktorianisches London, in dem Sherlock Holmes sein Unwesen treibt.

Ist das Live Hörspiel geglückt?

Ich habe versucht sehr objektiv an die Kritik heranzugehen und werde daher im Folgenden erklären, was ich warum gut/schlecht gefunden hab. Ich beginne dabei einmal mit der Story, die erzählt wurde. Eine Sherlock Holmes Geschichte zu nehmen ist taktisch klug gewählt, denn der Meisterdetektiv, spricht ein bunt gemischtes Publikum an. Außerdem ist man schon im Vorfeld mit den Figuren vertraut und sie müssen nicht neu eingeführt werden, was sich bei der relativ kurzen Spielzeit auch nicht ausgegangen wäre. Allerdings fand ich, dass sich die Story einfach nicht für ein Live Hörspiel eignete, denn sie zeichnet sich vor allem durch Handlungsarmut auf und das Publikum wurde einfach nicht richtig in den Ermittlungsprozess miteinbezogen. Gerade bei einer Detektivgeschichte bietet sich das doch besonders stark an. Das Auftauchen des vermeintlich toten Holmes und das Fangen eines Mörders, dessen Motive unklar bleiben, reichen leider einfach nicht aus, um die Geschichte für ein Publikum spannend zu machen.

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Dafür gibt es auf der anderen Seite an großes Plus für die drei Sprecher, Adel Karisik als Dr. Watson, Michael Stark als Sherlock Holmes und Judith Neichl als Ms. Hudson, die neben ihren Haupt- auch noch Nebenrollen gesprochen haben. Gerade zu Beginn merkte man ihnen die Nervosität noch an und es kam zu Versprechern, die aber versucht wurden, zu umgehen, was sehr schwierig ist. Ein Live-Hörspiel zeichnet sich einfach durch Patzer aus, und Humor ist eine ganz wichtige Sache. Das Publikum möchte und soll mitlachen können, wenn etwas schief geht. Und das hat hier noch nicht so gut funktioniert, aber das ist verständlich, da es sich um die erste Vorstellung handelt und man wohl versuchen wollte, alles richtig zu machen. Auf jeden Fall wurden die Sprecher immer besser und zum Ende hin, war von der Nervosität kaum noch was zu merken, dementsprechend wurde es dann lockerer und viel lustiger. Gerade Michael Stark und Judith Neichl haben sehr viel mit Gestik und Mimik gearbeitet, denn ein Live-Hörspiel genießt man ja auch mit den Augen. Adel Karisik hat dagegen etwas steif gewirkt, konnte dafür aber mit seiner Stimme sehr überzeugen und hatte, meiner Meinung nach, die angenehmste und war am wandlungsfähigsten in seinen Rollen.

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Was allerdings besonders gefehlt hat, war ein Geräuschemacher, es wurde zwar versucht hier und da selbst Geräusche zu machen, aber das meiste kam leider vom Band und das ist sehr schade, weil es für mich einfach Teil eines Live-Hörspiels sein sollte.

Fazit

Für das erste Mal war es ein wirklich gelungener Abend ohne größere Pannen, leider aber auch ohne Wow-Effekt. Da Audiamo künftig Live-Hörspiele alle zwei Monate veranstalten möchte und zwar quer durch alle Genres, haben sie genug Möglichkeiten sich noch weiter zu steigern. Am 24.Juni etwa geht es wieder weiter und ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Veranstaltungen immer besser werden, und würde mir wünschen, dass sich auch in Österreich ebenfalls eine Szene etablieren wird, die begeistert Live-Hörspiele besucht.

Hört ihr gerne Hörspiele oder habt ihr vielleicht sogar schon mal selbst ein Live-Hörspiel besucht? Oder denkt ihr euch gerade, wer zum Teufel hört heute noch so etwas? J Lasst es mich wissen und hinterlässt ein Kommentar!

http://www.audiamo.at/

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