Die Geschichte der Point and Click Adventures #2

Meine Güte! Diesmal habe ich mir mit der Abgabe des Beitrages ja wirklich Zeit bis zur letzten Sekunde gelassen. Sidenote: Abgabetermin war vor zwei Tagen. Was sollte ich denn auch machen, wenn ich mitten im Rechercheprozess draufkomme, dass mich gar eine derartige Informationsflut erwartet? Nichtsdestotrotz habt ihr ja, falls ihr das gerade lest, den zweiten Teil meiner Point and Click- Historie pünktlich am 24. hochgeladen bekommen. Also ist alles gut. Darum, auf in die Geschichtsstunde!

A long time ago in a galaxy not so far away…

Im letzten Beitrag wurde Lucas Arts vorgestellt und erklärt, dass diese mit dem Scumm-System einen großen Schritt für Point and Clicks erarbeitet hatten und bis heute noch bekannt und genrebezeichnend sind.  Um aber noch deutlicher zu machen, wie erfolgreiche diese Firma war, sollte ich erwähnen, dass ihre Wurzeln bis in die 70er Jahre zurückreichen. Genauer gesagt, bis 1971. George Lucas war anno dazumal noch ein recht unbekannter Filmemacher und befand sich gerade auf Kriegsfuß mit Warner Brothers, wo es darum ging, seinen Film THX 1138 erfolgreich zu vermarkten. Warner ging sogar so weit, das Budget von 300.000 USD zurück zu verlangen, da sie fest vom Scheitern des Films überzeugt waren. Lucas Projekt wurde schlussendlich anders vermarktet als er es vorgesehen hatte und ganze Szenen herausgeschnitten. In einem Interview aus besagtem Jahr erklärte er seine Erfahrungen, dass Firmen mit Geld sich in Angelegenheiten außerhalb ihrer Bereiche einmischen können, da sie schlicht weg die finanzielle Macht dazu haben.

Das ganze Interview dazu findet ihr hier:

Lucas stand nun ohne Animationsstudio und Finanzier da. Aus dieser Krise heraus gründete er sein eigenes Studio und nannte es Lucasfilm. Dies sollte ihm helfen, mit wenig Budget sein neues Projekt American Graffiti umzusetzen.

Jahre später stellte er sich -nach vielen Ablehnungen bei anderen Firmen- bei 20th Century Fox mit einem ganz neuen Drehbuch vor. Diese suchten nach dem rettenden Strohhalm aus ihrer damaligen Finanzkrise und sahen in George Lucas Idee eine große Chance. Damit wurde 1973 ein Vertag zwischen den beiden aufgesetzt und die Umsetzung von Krieg der Sterne besiegelt. Der Regisseur und Drehbuchautor hatte mit 3 Millionen USD jedoch kein überragendes Budget zur Verfügung und kein Geld dafür, ein hochwertiges Specialeffect Studio anzuheuern. Darum wurde die Geschichte auch erst auf drei Teile aufgeteilt. Abgesehen davon war die Entwicklung diverser Effekte noch nicht so fortgeschritten, dass Lucas damit zufrieden gewesen wäre. Aus dieser Not heraus entstand 1975 Industrial Light & Magic.

Du hast den Job als Putze also bekommen

Dieses Tochterunternehmen von Lucasfilm übernahm Effektarbeiten für alle Star Wars Filme, Zurück in die Zukunft, Indiana Jones, Harry Potter, Jurassic Park, einige Star Trek Filme (viele erkennen vielleicht die Ironie dahinter) und 300 weiteren Filmen. Für den 2009 erschienen Avatar – Aufbruch nach Pandora übernahm ILM für James Cameron sogar einige Arbeiten. Über die Jahre wurde Lucas Studio zu der Anlaufstelle für Effektarbeiten und waren eine der wenigen ersten, die CGI-Arbeiten übernahmen.

1979 folgte dann eine weitere Division von Lucasfilm: Lucasfilm Graphic Groups. Und jetzt haltet euch fest! Das Animationsstudio hatte nach einigen Jahren seinen Diensten genüge getan und wurde an niemand geringeren als Steve Jobs verkauft. Mit der Übernahme des Tochterunternehmens von ILM blieb zwar vieles beim Alten -Edwin Catmull blieb Vizepräsident- wurde aber umbenannt und Jobs wurde CEO. Heute kennen wir Lucasfilm Graphic Groups als Pixars Animation Studio. Nach dem riesigen Erfolg von Toy Story ging Pixars an die Börse und machte seinen CEO zum Millionär (noch mehr). Pixars wurde 2006 von Disney aufgekauft und Steve Jobs blieb im Verwaltungsrat.

2003 wurde Lucasfilm Animation gegründet, die beispielsweise die Clone-Wars Serie produzieren. Diese Geschichte fand ich gerade deswegen interessant, weil sich 2012 der Kreis wieder schloss und George Lucas 2012 Lucasfilm mit allen Tochterfirmen an Disney verkaufte. Traurig.

Neben Skywalker Sound (Soundeffekte), Lucas Licensing und Lucas Online entstand dann 1982 noch ein ganz wichtiger Zweig von Lucasfilm: Lucasfilm Games. Diese Firma wurde ursprünglich gegründet, um beispielsweise Star Wars mit Lizenzspielen zu vermarkten und sein Merchandise auszubauen. Es begann erst mit kleinen Projekten wie Ballblazer und baute sich immer weiter aus, bis 1986 zum Beispiel das im #1 Beitrag erwähnte Spiel zum Film Labyrinth entstand.

Lucasfilm Games wurde mehr von einer guten Idee zu einem starken finanziellen Standbein und erreichte 1987 einen Riesenerfolg mit Maniac Mansion und dem dafür entwickelten SCUMM (Script Creation Utility for Maniac Mansion) System. Damit schoss sich das Entwicklerstudio auf ein ganz neues Level bezüglich Point and Clicks und überholten Konkurrenten wie Sierra Entertainment, die noch lange auf das AGI-Interface (Tastaturbasierend) setzten.

I’m only willing to acknowledge LucasArts because, to be honest, I don’t see any other competition. Gregg Barnett, Teeny Weeny Games Co-founder

1991 (gutes Jahr, da wurde ich geboren) wurde Lucasfilm Games auf Lucas Arts umbenannt und veröffentlichte unter diesem Namen die wohl bekannstenten Titel. Mit der Übernahme 2012 von Disney wurde das Studio jedoch geschlossen. Es war unrentabel und es schien klüger, das Programmieren der Spiele von anderen Studios übernehmen zu lassen und lediglich die Lizenzen zu behalten. 2013 würden die Lizenzen von Star Wars Spielen für PC und Konsolen and Electronic Arts übergeben. Ein Grund mehr diesen Laden endlich anzuzünden, oder?

Ich will mehr über dieses zweiköpfige Eichhörnchen, das Camper anfällt, wissen.

So, die Geschichtsstunde ist fast überstanden. Denn nun folgen nur noch Empfehlungen an LucasArts Adventures, die mir am Herzen liegen bzw. einfach erwähnt gehören.

1) The Secret of Monkey Island

Hier handelt es sich wohl um den bekanntesten Titel der Spieleschmiede. Mit seinen zwei Erweiterungen ist es eine absolute Empfehlung. Der Plot ist auch schnell erklärt: Ihr seid Guybrush Threepwood, ein junger Mann der Pirat werden möchte. Die Möglichkeit ein solcher zu werden ergibt sich auch sehr schnell, denn die wunderschöne Gouverneurin Elaine Marley wurde vom Piraten LeChuck entführt. Dieser macht seit seinem Antrag an Elaine die Meere als Geisterpirat unsicher, da sie ihm damals sagte, dass er doch tot umfallen solle.

https://www.youtube.com/watch?v=tg8qbeZVBhU

Das Spiel steckt voller Humor und bis heute sind noch die Titelmelodie, die Wortgefechte und der dreiköpfige Affe bekannt. Nette Randinformation: Guybrush kam auf recht skurrilen Wegen zu seinem Namen. Nämlich wurde er nach der Deluxe Paint Brushdatei mit dem Namen „guy“ benannt. Im Laufe des Prozesses gewöhnten sich die Entwickler an guybrush.bbm und behielten den Namen bei.

Hier könnt ihr übrigens bezüglich Wortgefechte auf den Geschmack kommen: http://www.areagames.de/link.php?url=http%3A%2F%2Fwww.int33h.com%2Ftest%2Fmi%2F

2009 kam übrigens eine überarbeitete Version des Spieles heraus.

2) Indiana Jones and the Fate of Atlantis

Indiana Jones wird beauftragt eine Statue auf der Universität zu finden und sie zu Herrn Smith zu bringen. Dieser öffnet die Statue und flüchtet mit dem Fund. In der Jacke, die er zurück lässt, findet Indy einen Artikel eine Freundin, die gerade an Spuren von Atlantis arbeitet. Aus Angst ihr würde etwas zustoßen, macht er sich auf den Weg zu ihr.

Bis heute zählt dieses Spiel als der eigentliche vierte Film der Serie. Speziell nach dem Der Kristallschädel 2008 nicht unbedingt groß gelobt wurde. Ein Jahr später kam übrigens eine Version mit Soundeffekten und Stimmen veröffentlicht.

3) Sam and Max

Bei diesem Spiel treffen gleich zwei Nerdbereiche aufeinander: Point and Click trifft auf Comicwelt. Die Hauptcharaktere wurden nämlich von einer Comicreihe des Zeichners Steve Percell übernommen, die Polizeifilme parodiert.

Percell war übrigens ein wichtiger Zeichner für LucasArts und arbeitete beispielsweise an Zack McKracken, designte die Cover für Maniac Mansion und Monkey Island und wirkte als Grafiker selbstverständlich bei Sam&Max mit. Sonst arbeite er bereits bei Marvel Comics, Industrial Lights & Magic und später bei Pixars.

4) Maniac Mansion

Sagt Hallo zum Erstgeborenen der SCUMM-Ära. Running Gags wie Chuck die Pflanze, die Motorsäge ohne Benzin und „Benutze Hamster mit Mikrowelle“ wurden in diesem Spiel geboren. Die Handlung: Dr. Fred Edison und seine Familie stehen unter dem Einfluss eines bösen Meteoriden, der neben ihrem Haus abgestürzt ist. Die Freundin vom Hauptcharakter Dave wurde nun von ihm in sein Haus entführt und muss einige Experimente über sich ergehen lassen. Dave kann nun mit 2 weiteren seiner sechs Freunde versuchen, Sandy aus dem Haus zu befreien.

Hier habe ich leider nur die 2004 Deluxe Version gefunden, die jedoch nicht Original von LucasArts veröffentlicht wurde.

Ausreden gibt’s nicht!

Wer hier nun wirklich auf den Geschmacken gekommen sein sollte, kann diese Spiele dank ScummVM nun nachholen. Für sämtliche LucasArts Spiele wurde ein Programm entwickelt, dass es möglich macht, die alten Hasen problemlos auf den aktuellen Rechnern zu erleben.

Damit verabschiede ich mich! Bis nächsten Monat!

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