Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere

 

_Smaug_und_Bard

ⒸWarner Bro Pictures

Filmstart:            10.12.2014
Land:                    Neuseeland/USA/UK
Filmlänge:           145 Minuten
Genre:                 Fantasy, Abenteuer
Regie:                   Peter Jackson

Inhalt

Der Drache Smaug, provoziert durch den Widerstand der Zwerge, hat es auf die Seestadt am Fuße des Einsamen Berges abgesehen. Thorin, der Erbe des Zwergenreiches unter dem Einsamen Berg und seine Begleiter müssen hilflos zusehen, wie Smaug anfängt, die Stadt mit seinem feurigen Atem dem Erdboden gleich zu machen. Nur Bard, der Bogenschütze versucht, es mit dem Ungeheuer aufzunehmen um die Erbsünde seiner Vorfahren zu begleichen.

Bard, bedacht auf Thorins Versprechen, mit der Stadt das Gold von Erebor zu teilen, macht sich mit den Überlebenden auf den Weg zum Einsamen Berg, um Unterschlupf zu erbitten. Aber das Herz des Zwergenkönigs ist bereits vom Arkenstein, dem wertvollsten Juwel des Berges, vergiftet worden und auch hier müssen Bilbo und die Zwerge hilflos zusehen, wie Thorin dem Wahnsinn langsam aber sicher verfällt.

_Thorin_und_Bilbo

ⒸWarner Bro Pictures

 

Während Gandalf auf Saurons Schatten trifft und erfährt, dass dieser an Macht gewonnen und eine riesige Orkstreitmacht erschaffen hat, um gegen den Einsamen Berg zu marschieren, muss Bilbo eine Entscheidung treffen, um Thorin aus den Fängen des Arkensteines zu befreien.

Um nicht leer auszugehen, treibt der Elbenkönig Thranduil sein Heer zum Einsamen Berg, wo sie auf Bard mit seinem Menschheer und die Zwerge treffen. Immer noch zu keinen Verhandlungen bereit, bittet Thorin seinen Vetter Dain von den Eisenbergen um Unterstützung.

Ohne Zusammenschluss zwischen Elben, Zwergen und Menschen scheint es nicht möglich das Orkheer zurückzuschlagen, bis ein fünfter Mitstreiter zum Schlachtfeld dazu stößt.

Kritik

Peter Jackson, der episch-romantische Regisseur (Der Herr der Ringe, King Kong) , möchte an die Erfolge der ‚Herr der Ringe‘-Trilogie anknüpfen. Schon bei ‚Der Hobbit-Eine unerwartete Reise‘ war ihm das nicht ganz möglich. Auch im zweiten Teil ‚Der Hobbit – Smaugs Einöde‘ schieden sich die Geister, jedoch war dieser um einiges besser inszeniert als der erste Teil. Der Dritte, der die Welt um Mittelerde würdig abschließen soll, kann als Hommage an ‚Der Herr der Ringe‘ und die von J.R.R. Tolkien erfundene Fantasy-Welt verstanden werden und den Abschied würdig feiern.

In Wahrheit sind es nur die letzten 50 Seiten des Buches, in denen sich das wirkliche Finale abspielt und einen Höhepunkt findet.

Anknüpfend an den massiven Cliffhanger aus dem zweiten Teil, wo sich Smaug rachsüchtig auf die Seestadt stürzt um diese zu vernichten, erleben die Zuseher einen beeindruckenden Anschlag auf die Sinne mit dem wunderbar animierten Drachen Smaug, synchronisiert von Benedict Cumberbatch. Bereits hier sieht man, dass es sich auszahlt, den Film im Kino zu sehen, um das Ungetüm in all seiner Pracht zu erleben. Für alle, die das Buch nicht gelesen haben, wird klar, warum Bard, gespielt von Luke Evans (‚Dracula-Untold‘, ‚Die drei Musketiere‘) so wichtig für den weiteren Plot Verlauf ist. Hier muss besonders Ryan Gage, der Alfrid, den Berater des Bürgermeisters der Seestadt verkörpert, hervorgehoben werden. Während die Zwerge im ersten Teil  der humoristische Faktor des Films waren, tut das Alfrid im dritten Teil auf überraschend sympathische Weise und bekommt dadurch eine recht starke Komponente im Film. Er ist ein Charakter, der nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist und den größten Anteil am Goldschatz ergattern will, vergleichbar mit Schlangenzunge aus der ‚Herr der Ringe‘-Trilogie. Während Letzterer einfach nur böse und gefährlich war, ist Alfrid mehr oder weniger seiner Gier wegen fast schon zu bemitleiden, was sich auch an Bards Reaktionen auf sein Handeln widerspiegelt.

Das Chaos, das nach Smaugs Angriff in der Seestadt ausbricht, wirkt allerdings wirklich chaotisch inszeniert und gedreht. Auch wirkt es etwas langgezogen. Einige Minuten dieser Filmzeit hätten später viel wertvoller eingesetzt werden können. Bards Töchter und sein Sohn haben für meinen Geschmack zu viel Screentime. Der Sohn bekommt im Film eine außergewöhnlich wichtige Rolle, aber warum diese nicht von der ältesten Schwester übernommen wird, ist mir äußerst schleierhaft. Auch Tauriel, die zu dem Zeitpunkt mit Legolas in der Seestadt ist und die Kinder in Sicherheit gebracht hat, wirkt nach Smaugs Angriff etwas hilf- und nutzlos, obwohl sie als frei erfundener Charakter im Film für einen Ausgleich in den Geschlechterrollen dienen soll.

_Tauriel_und_Legolas

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Legolas, der im Buch eigentlich gar nicht vorkommt, wird jedoch gut in die Geschichte integriert und verhält sich im romantischen Love-Triangle zwischen ihm, Tauriel und Kili eines Elben würdig.
In der Zwischenzeit verschanzen sich die Zwerge in Erebor, wo sie Thorins Willen fast schon hilflos ausgesetzt sind. Der Fokus im letzten Teil ist sehr stark auf Thorin, gespielt von Richard Armitage, und die Vergiftung seines Herzens durch den Arkenstein gelegt. Das Schicksal der Völker ist abhängig von der Erkenntnis des Zwergenkönigs über Gut und Böse. Hier spielt Bilbo eine wichtige Rolle. Er folgt seiner Intuition und seine Entscheidungen bewähren sich, weshalb er in erster Linie von Gandalf für diese Aufgabe auserwählt wurde. Martin Freeman geht wunderbar in der Rolle als Hobbit auf. Er verkörpert die Unschuld und Reinheit, aber auch die kleinen Risse, die in seinem Charakter  nach und nach hervortreten, verursacht durch den Ring und vielleicht auch durch den Arkenstein. Besonders ist hier eine Szene zwischen Gandalf und Bilbo hervorzuheben, in der er es nicht schafft dem Zauberer von dem Ring zu erzählen, sondern ihm beinhart ins Gesicht lügt. Denn wie alle ‚Herr der Ringe‘-Fans wissen, ist auch der unschuldigste Hobbit mit reinem Herzen nicht sicher vor der Macht des einen Ringes.

_Bilbo_knieend

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_Zwerge

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Gandalf, wie immer solide gespielt von Sir Ian McKellen, der immer noch von Bilbo in Erebor vermisst wird, ist indes Sauron auf die Schliche gekommen und wird von dem Bösen gefangen gehalten. Hier kommt es zu einem leider viel zu kurzen Showdown mit einem Overload an digitalen Effekten in Sachen Zauberei und Magie.  Dieser Kampf ist mit symbolischen Elementen aus der klassischen Kunst gespickt und weist einige biblische Charakteristiken auf, was ich persönlich in einem Epos wie ‚Der Herr der Ringe‘ und ‚Der Hobbit‘ durchaus positiv bewerte. Man merkt, dass Peter Jackson seinen Schwerpunkt auf die Schlacht der fünf Heere legt und somit von Gandalfs Kampf gegen Sauron schnell zum Schauplatz des Endkampfes zurückwill.

Zurück in Erebor, wo der Elbenkönig eingetroffen ist, erhofft er sich einen Teil von Thorins Schatz. Lee Pace, der Thranduil verkörpert, ist in seiner Rolle als fabelhafter, oberflächlicher und dekadenter Elbenkönig perfekt besetzt.

_Thranduil

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Als es zur Schlacht der fünf Heere kommt, steht diese in der Grafik kaum denen der Herr der Ringe-Trilogie nach. Peter Jackson versucht jedoch alle Besonderheiten dieser Trilogie in den Endkampf zu packen, was für meinen Geschmack diesmal doch etwas zu viel des Guten ist. Die Akrobatik Legolas‘, die in ‚ Der Herr der Ringe‘ einfach nur cool war, nimmt jetzt Überhand und wirkt übertrieben, auch weisen die digitalisierten Orktruppen keine neuen Überraschungen auf. Hier hätte ich mir mehr Wideshots und strategische Formationen der Truppen gewünscht , genauso wie mehr real durchgeführte One-on-One-Kämpfe, die man  als Zuseher richtig spürt.

_Elbenheer

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Etwas enttäuscht war ich von Dain,  der angeblich von Billy Connolly verkörpert wird, aber nichts von einem realen Menschen hinter der Maske zu erkennen ist, auch wenn er vom Charakterdesign äußerst beeindruckend entwickelt wurde und darin viel ungenutztes Potential liegt. Von ihm hätte ich sehr gern mehr gesehen.  Die Kämpfe erinnern zum Teil an Videospielgrafik, trotzdem etwas chaotisch, wo sich mir des Öfteren die Frage stellt: ‚Was passiert da jetzt eigentlich?‘

_Gandalf_und_Dain

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_Widderkavalerie

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Azog, der Anführer der Orks, gespielt von Manu Bennett, ist wunderbar furchteinflößend und äußerst intelligent. Die Kämpfe haben eine solide Choreographie.

_Azog_vor_dem_Heer

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_Thorin_kämpfend

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Einige Fragen aus ‚Der Herr der Ringe‘ werden hier beantwortet, andere wiederrum haben sich ergeben, die für Peter Jackson wohl nicht wichtig waren.  Er hält sich stark an die Buchvorlage, behält sich allerdings einige Änderungsfreiheiten vor, was in meinen Augen legitim ist.

 

Fazit:

‚Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere‘ ist ein solider Abschluss der Hobbit-Saga und von Mittelerde. Für Tolkien-Fans ein Muss, aber auch für Zuseher, die die Bücher nicht gelesen haben, ein sicherlich beeindruckendes Kinoerlebnis. Es ist auch nicht nötig die Bücher zu kennen, um die Filme zu verstehen, was im Gegensatz zum Verständnis von ‚Der Herr der Ringe‘ durchaus  beigetragen hätte. Auch wenn die wundervollen Landschaftsshots weniger vorhanden sind da sich das Setting zwangsweise fast nur um den Einsamen Berg abspielt, macht das der Drache Smaug, einige Sequenzen der Schlacht und das wunderbare Kostüm- und Rüstungsdesign doch wett.

 

Empfehlung: SEHENSWERT

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