Captain America: The Winter Soldier [Teil 3]

Warum ist ein Film mit einem Vintage-Superhelden so wichtig für die jetzige Zeit?

In den ersten zwei Teilen habe ich eine kleine Einführung in die Welt von Captain America gegeben und bin auf die einzelnen Charaktere eingegangen. Mit dem dritten und letzten Teil möchte ich mehr in die symbolische Tiefe des Films und der Figur selbst gehen.

Captain America als liberaler Kämpfer für Gleichberechtigung

Der ‚Canon‘ und ‚Fanon‘ gehen hier beinahe Hand in Hand. Captain America ist in den Comics  zum Symbol hochgepuscht worden. In den 40er-Jahren, wo Steve sich bei seinen Auftritten immer als tanzenden Affen vor dem Publikum gesehen hat, war er für die amerikanische Bevölkerung die Verkörperung ihrer Ideale zur Zeit des zweiten Weltkrieges. Fans wollen ihn auch im Hier und Jetzt als Symbol sehen. Als Repräsentant vieler Bewegungen, die in der realen Welt stattfinden. Aber wer war Steve Rogers wirklich?

In Brooklyn wohnend, allein mit seiner Mutter, die sich darum kümmerte, dass er eine Ausbildung bekam, ging er aufs College, um Kunst zu studieren. Die Künstlerbewegung in den 30er- und 40er-Jahren in New York, war die einer sehr politischen und liberalen Bewegung. Sie bestand zu 80% aus jüdischen Intellektuellen, die antifaschistische Verbände und Treffen organisierten. Steve Rogers war also mit hoher Wahrscheinlichkeit ein liberal gesinnter junger Typ. Dadurch, dass die ersten Comics um die Zeit entstanden sind, enthalten sie auch diese Werte. Als Steve Rogers sich fürs Militär gemeldet hat, kam das nicht aus einer patriotischen Denkweise heraus, sondern viel mehr aus der Angst, dass der Nationalsozialismus das Amerika bedroht, wie er es kannte. Er war also Teil einer progressiven Bewegung, dessen Werte er ins 21. Jahrhundert mitnahm und somit vielleicht doch nicht so ganz Vintage zu sein scheint. Er könnte also einen sehr politischen Charakter haben und es ist nur logisch, dass er nach seinem Cryo-Schlaf zu S.H.I.E.L.D. geht, weil die USA den Krieg gegen den Nationalsozialismus  gewonnen hat. Er kommt also in einer Welt an, die seinen damaligen Werten entspricht und da macht es natürlich mehr Freude diesem Land als Soldat zu dienen. Wie im ersten Teil der Review beschrieben, geht es im Film um das Vertrauen in die Regierung und der Glaube an seine Ideale sollte sich allem Anschein nach mit denen der Regierung decken. Aber nach und nach kommt Steve Rogers drauf, dass das nicht unbedingt der Fall ist und seine Grundpfeiler, auf denen er seine Existenz stützt, brechen einen nach dem anderen ein.

Warum interessieren sich alle für Captain Americas Sexualität? Ist das überhaupt wichtig?

Ohne Zweifel ist Captain America: The Winter Soldier einer der homoerotischsten Filme seit Batman & Robin und Topgun. Die nicht allzu subtilen Andeutungen und Momente im Film kann man schwer wegleugnen. Und es ist großartig. Da ist es nicht verwunderlich, dass Blogger und Kritiker  einen bisexuellen Captain America einfordern.

Sogar Samuel L. Jackson  meinte in einem Interview, als Chris Evans gefragt wurde, warum Steve Rogers der perfekte Held für unsere Zeit ist, dass er der erste LGBT-Captain wäre. (Lesbian-Gay-Bisexual-Transgender)

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Wie im ersten Teil bereits erwähnt, ist hier signifikant, für wen sich der Captain einsetzt. Nicht für Patriotismus oder für Amerika, für die Stärke oder Unbesiegbarkeit. Er setzt sich für die sozial Schwachen und Benachteiligten ein, wie zum Beispiel alle, die nicht heterosexuell sind oder einer anderen Ethnie angehören und auch Frauen, auf die von oben herabgesehen wird und von denen viele Menschen heute noch mit dieser Diskriminierung kämpfen.

Die Chemie zwischen Cap und Falcon oder die Beziehung zwischen Bucky und Cap, oder dass Steve permanent uninteressiert ist Frauen kennen zu lernen, lässt die Grenzen zwischen platonischer Freundschaft und mehr verschwimmen. Was für ein Plottwist wäre das wohl, wenn Marvel hier ins kalte Wasser springt, denn in absehbarer Zeit ist sicher kein ‚Namor‘-Film geplant, obwohl schon einige Superhelden in den Marvel-Comics ihre Sexualität und ihr Geschlecht geändert haben.

Ist es nicht äußerst auffällig, dass Steve permanent Natasha’s Versuchen ausweicht, ihn zu verkuppeln? Er möchte keine Frauen kennenlernen, aber was ist mit Sam? Hier geht der Verbindungsaufbau plötzlich ganz locker. Wie sich die beiden kennenlernen, bzw. wie Sam Wilson ins Filmgeschehen eingeführt wird, ist eine typische Methode von Hollywood den ‚love-interest‘ des Hauptcharakters vorzustellen. Es knistert, da ist sofort ein bestimmtes Level an Vertrauen vorhanden. Es hilft auch nicht, dass Sam Wilson Steve Rogers in so ziemlich allen Szenen mit einem Schlafzimmerblick mustert oder, dass er (wohlgemerkt), der einzige an seinem Krankenhausbett sitzt, als Steve aufwacht, während Marvin Gaye’s ‚Trouble Man‘ im Hintergrund spielt.

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© Captain America – The Return of the First Avenger 2014 Marvel Studios

 

Es ist also interessant zu sehen, dass Black Widows und Falcons Rollen atypisch verteilt wurden. Wie im zweiten Teil meiner Review angedeutet, muss Bucky Barnes einen besonders hohen Stellenwert für Steve haben. Der Bucky Barnes im Film ist eine Mischung aus zwei unterschiedlichen Charakteren in Captain America’s Comic-Universum. Einmal der Bucky Barnes, der als junger Teenager an Steve Rogers Seite gestellt wird und dessen Drecksarbeit erledigt. Bucky Barnes war nie der stärkere Kindheitsfreund im Comic, der Steve’s Vorbild war. Diese Position hatte sein schwuler bester Freund Arnie Roth aus Kindertagen inne. Ja, Steve Rogers hatte im Comic vor dem Serum einen schwulen besten Freund. Arnie hat Steve vor Schlägern und Mobbern beschützt und ihn und seine Mutter unterstützt, was ein oft und gern vergessener Teil im Marvel-Universum ist. Der Bucky Barnes im Film ist somit eine Fusion aus  Arnie Roth und dem Kid-Bucky, der ihm während des Militärdienstes zugeteilt wurde.

Steve sagt zu Natasha auch, dass er am liebsten jemanden hätte, der ähnliche Erfahrungen hat wie er, bzw. jemanden im ähnlichen Alter. Da gibt es doch nur zwei Kandidaten. Einmal Sam Wilson, der auch seinen „Wingman“ verloren hatte, genau wie Steve, was einen gewissen Level an Verbundenheit erzeugt, oder Bucky Barnes, der noch lebt und somit den Faktor des ähnlichen Alters erfüllt.

Eine Sharon Carter, die, seien wir mal ehrlich, nicht wirklich den Screentime hatte, um zu zeigen, dass sie ein interessanter Charakter ist, wäre doch etwas seltsam. Während die Ex-Freundin noch lebt, eine Beziehung mit ihrer Nichte anfangen? Also davon muss ich persönlich noch überzeugt werden.

Fazit:

Captain America wirft viele Fragen auf, die immer noch in der Gesellschaft relevant sind, auch wenn es keine Nazis mehr zu bekämpfen gibt. (wenn man den Antisemitismus außer Acht lässt, der gerade in Europa umhergeistert.) Er ist nicht nur ein Symbol für Amerika, sondern auch für den Rest der Welt, Frauen, die LGBT-Gemeinschaft, alle Ethnien und Männer im Allgemeinen.

Die Empfehlung liegt hier klar auf der Hand für Zuseher die vielleicht hinter die Fassade blicken oder sich einfach auch nur mit grandiosen Actionszenen berieseln lassen wollen. Nicht umsonst erhielt der Film eine Oscar-Nominierung für beste CGI-Effekte.

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