Captain America: The Winter Soldier [Teil 2] – Steve Rogers, Black Widow, The Falcon und Bucky Barnes

Wir wissen seit dem ersten Teil der Review, dass die Regisseure Joe und Anthony Russo  aus einem ganz bestimmten Grund den Winter Soldier in den Titel gesetzt haben und zwar, weil Steves größter Kampf im Film der Emotionale ist. ‚Captain America: The Winter Soldier ‚wird allerdings in der „deutschen“  Version ‚Captain America: The Return of the First Avenger‘ genannt. Ich frage mich -zu Recht, würde ich behaupten- ‚Warum eigentlich?‘ Einen englischen Titel ins Deutsche zu übersetzen ist eine Sache. Einem Film allerdings einen neuen, ebenfalls englischen Titel zu geben, der nicht einmal Sinn macht, denn Steve ist bereits im ersten Teil zurückgekehrt, ist eine andere.

Der ‚Winter Soldier‘,  Steves bester Freund also, nimmt im Film eine besonders wichtige Rolle ein. Nicht nur er, sondern auch Natasha Romanoff, Sam Wilson, Nick Fury und alle weiteren Nebencharaktere sind sinnvoll in den Film integriert worden und haben ihre ihnen zugeteilten Aufgaben. Sie sind nicht nur da, um Hollywoodklischees zu erfüllen und die Zielgruppe zu befriedigen, die sonst immer bei Action-Blockbustern angesprochen wird.

Black Widow – Natasha Ronamoff

Ich habe nicht wirklich damit gerechnet, dass Black Widow annähernd sowas wie eine Persönlichkeit bekommt. Nach den Ironman-Filmen und dem ersten Teil der Avengers, kann man prinzipiell sagen, dass sie da Tony Stark mit ihren Verführungskünsten  in Verwirrung stürzt. Zusätzlich nimmt sie die klischeehafte Rolle ein, die ihr die Schreiber und Produzenten gegeben haben, im Glauben damit die weiblichen Leser zu befriedigen.

Diese Rolle bestand darin, als Attentäterin und Spionin die Kerle mit Martial-Arts-Tritten außer Gefecht zu setzen und dabei immer noch verdammt sexy auszusehen, sehr vergleichbar mit Gamora aus ‚Guardians of the Galaxy‘. Hier muss man allerdings sagen, dass sie quasi in Natasha Romanoffs Anfangsstadium ihrer Entwicklung steht. Dass der Skriptwriter James Gunn den zweiten Cap nicht als Vorbild genommen hat, find ich ausgesprochen schade. Für mich war ‚Guardians of the Galaxy‘ was weibliche Charaktere betrifft, somit eine Rückentwicklung im Marvel-Universum. Gamora und Black Widow sind sich sehr ähnliche Figuren: Assassin, weiblich, sexy, aber Zweitere hat in Captain America: The Winter Soldier definitiv an Tiefe bekommen und sie somit zu einer der interessantesten Charaktere im Film gemacht. Es gibt bereits seit längerem den Wunsch nach einem ‚Black Widow‘ Stand-Alone-Film, der allerdings nicht erhört wird. Ich fand auch nicht, dass einer notwendig gewesen wäre, nur um eine weibliche Superheldin zu haben. Aber wie soll die Nachfrage nach einem Solo-Film mit einem weiblichen Charakter überhaupt steigen, wenn die Repräsentanten dafür flach und einfallslos rüberkommen und die einzigen zwei Superheldinnen in den letzten 10 Marvelfilmen faktisch ähnliche Profile haben?

Im Zweiten Teil von Captain America kam auch ich auf den Geschmack. Black Widow bekommt viel mehr zu sagen. Ihren ersten Auftritt macht sie in einem teuren Sportwagen mit einem Cap-witz, der auf sein Steinzeit-Alter anspielt. Sie tritt auf als Buddy, Pal oder Kumpel von Steve, der sich um Amerikas verloren gegangenen Bub kümmert. Sie nimmt Buckys Rolle ein. Es ist nicht so, als wäre Steve hilflos. Er versucht mit der Zeit mitzugehen, hat eben sein Notizbuch, wo er sich wichtige Personen und Dinge der Moderne notiert. Aber irgendwie weckt Steve trotzdem den Beschützerinstinkt, vor allem in Natasha.

In der anfänglichen Szene, wo Steve, Natasha und ein Haufen von S.H.I.E.L.D-Agents eine Mission durchführen, hat Natasha immer noch Zeit sich um Steves Privatleben zu kümmern. „Ich bin eben multitaskingfähig“ teilt sie ihm cool mit, als er ihre Verkupplungsversuche gekonnt abschmettert. Er ist jemand, der in Natasha den Wunsch weckt, ihn nach all den Schicksalsschlägen glücklich zu sehen. Sie fängt auch an ihre Motive für ihre Aufgabe bei S.H.I.E.L.D. zu hinterfragen.  Sie denkt nicht darüber nach selbst Steve zu verführen. Eine sexuelle Spannung ist anfangs nicht da. Es wirkt mehr so, als würde Natasha die Rolle von Steves bestem Freund übernehmen.

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Steve Rogers and Natasha Romanoff © Captain America – The Return of the First Avenger 2014 Marvel Studios

Klar gibt es auch Shipper, die gerne eine Affäre zwischen Steve und Natasha, genannt ‚Stasha‘, sehen wollen, was auch gut seine Berechtigung hat. Die russische Spionin ist eine der wenigen Personen, die es schafft, den Cap auf 180 zu bringen. Das sind meist Menschen, die einen gut kennen und zu denen man auch eine innigere Beziehung hat, als nur eine Bekanntschaft. Sie kann ihn auch in Verlegenheit bringen und hat sogar Spaß daran, wie zb. mit dem Kuss auf der Rolltreppe, um nicht von Brock Rumlow entdeckt zu werden. Auf der gemeinsamen Flucht fragt Natasha nach Steves Privatleben und ich denke, das ist auch ein Wendepunkt in ihrer Freundschaft, die sich damit definitiv vertieft.

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Steve Rogers and Natasha Romanoff © Captain America – The Return of the First Avenger 2014 Marvel Studios

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Steve Rogers and Natasha Romanoff © Captain America – The Return of the First Avenger 2014 Marvel Studios

The Falcon – Sam Wilson

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The Falcon © Captain America – The Return of the First Avenger 2014 Marvel Studios

Gleich zu Beginn des Films wird Sam Wilson vorgestellt. Er ist ein Veteran, der aus dem Militärdienst ausgestiegen ist, nachdem sein ‚Wingman‘ bei einer Mission ums Leben gekommen ist. Offen stellt er sich Steve vor, gibt ihm Tipps fürs neue Zeitalter und man sieht sofort, dass er gerne Steve Rogers aka Captain America kennenlernen will. Beide finden im ersten Gespräch, das sie führen, auf Anhieb eine Gemeinsamkeit aus der Zeit ihres Militärdienstes. Die Chemie stimmt zwischen Sam und Steve, obwohl sie sich gar nicht kennen. Während Natasha also die Rolle des besten Freundes einnimmt, wird Sam wie ein in Hollywood typisches Love-Interest für Steve vorgestellt. Der Funke springt sofort über und Steve nimmt auch Sams Einladung an, ihn bei seiner Veteranen-Selbsthilfe-Gruppe zu besuchen.

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The Falcon and Captain America © Captain America – The Return of the First Avenger 2014 Marvel Studios

Sie finden heraus, dass sie ein ähnliches Schicksal getroffen hat und es fällt beiden nicht all zu schwer über ihre dunkle Seite zu sprechen. Hier fragt Sam Steve, was ihn glücklich macht, woraufhin dieser offen zugibt, dass er es nicht weiß. Cap denkt auch sofort an Sam, als er und Natasha verfolgt werden und taucht vor dessen Tür auf. Sam möchte also Steve unterstützen und helfen, obwohl er Grund genug hatte aus dem Militärdienst auszuscheiden.

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The Falcon © Captain America – The Return of the First Avenger 2014 Marvel Studios

Captain America – Steve Rogers

Wie zu Beginn schon erwähnt, ist der eigentliche Kampf, den Steve im Film führt, der Emotionale. Er hat seit den 40er Jahren jeden für ihn wichtigen Menschen verloren. Auch wenn Peggy Carter als alte Dame zu sehen ist, wird einem nur allzu deutlich, dass Captain America der Mann ohne Zeit ist. Nach 70 Jahren wacht er auf und findet sich in der neuen Welt wieder. Er hat nie wirklich gelernt mit der Trauer des Verlustes seiner Freunde umzugehen. Er wird gleich in neue Abenteuer und neue Probleme hineingeworfen. Deswegen sind Natasha und Sam für ihn irgendwie doch lebenswichtig.

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Steve Rogers © Captain America – The Return of the First Avenger 2014 Marvel Studios

Nach dem Anschlag auf Nick Fury, sieht man Steves Apartment. Es wirkt nicht sehr persönlich, mehr als hätte S.H.I.E.L.D. ihm diese Wohnung zur Verfügung gestellt. Das Einzige, was man weiß ist, dass er eine alte Schallplatte hat, mit dem Song aus den 40er Jahren ‚It’s been a long long time‘. Wenn man sich den Text anhört, kann man sich ausmalen, wie es in Steve aussieht. Er gibt vor Sam zu, dass er immer noch nicht wirklich weiß, was ihn glücklich macht und nachdem er erfährt, dass Bucky, sein bester Freund, immer noch lebt, aber zu einer Killermaschine umfunktioniert ist, sagt er ‚Auch wenn ich nichts hatte, hatte ich zumindest Bucky.‘ Bucky scheint hier einen besonders hohen Stellenwert für Steve zu haben.

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Captain America meets the Winter Soldier © Captain America – The Return of the First Avenger 2014 Marvel Studios

Auch wenn er in Peggy verliebt war oder die ‚Howling Commandos‘ zu seinen Freunden zählten, kannte er sie nur einige Monate. Bucky Barnes war ein Kindheitsfreund und obwohl ihre Freundschaft nie wirklich ausbalanciert war, haben sie sich gegenseitig gestützt. Seine Worte an Sam, bevor es zum Showdown kommt „Ich glaube nicht, dass ich ihn töten kann.“ machen klar, dass Steve eventuell die Mission gefährdet, weil er nicht mit dem Gedanken leben kann, seinen besten Freund umgebracht zu haben. Er versucht auch alles, um Bucky wieder zurückzuholen. Nachdem S.H.I.E.L.D sich als korrupt herausstellte, legt er deren Uniform ab und gewandet sich wieder in blau, rot, weiß. Nicht nur, weil er sich von der Organisation lossagen will, sondern auch, um in Bucky Erinnerungen wach werden zu lassen. Auch beim Endkampf gegen den Winter Soldier, schmeißt Steve seinen Schild weg. Warum? Er ist nie vor einem Kampf zurückgeschreckt, aber hier gibt er auf. Er stirbt lieber selbst, bevor er Bucky umbringen muss. Könnte man sagen, dass Steve am Ende vom Film vielleicht sogar suizidgefährdet ist? Ich denke, dass die Freundschaft zu Bucky ihn glücklich gemacht hat und er kann sich, mitten in seiner Trauerarbeit, nicht wirklich vorstellen, dass es was anderes geben könnte. Niemand hätte gedacht, dass Captain America so ein tragisches Schicksal hat. In 10 Minuten Filmzeit kommt mehr von seinem Schmerz rüber, als in zwei Stunden von Bruce Waynes/ Batmans  sogenanntem „manpain“. Steve hat akzeptiert, dass Peggy ihr Leben gelebt hat, dass sie nach seinem ‚Tod‘ weitergemacht hat und ihr Leben ausgekostet hat, aber das Wissen, dass Bucky zwar lebt, aber kein ‚happy end‘ hatte, kann an seinem Gewissen nagen. Vielleicht macht sich Steve sogar Vorwürfe, dass er nicht zurück ist und nach Buckys Leichnam gesucht hat, der in Hydras Hände gefallen ist. Vielleicht ist sein lebensmüder Akt der Selbstaufopferung auch eine Bestrafung, die er sich selbst auferlegt. Es ist einfach nur tragisch.

Aus diesem Grund ist die Szene, wo Bucky aus einer Mischung von Erinnerungsfetzen und das Erkennen von Steves Gesicht, der Moment, wo so ziemlich jeder Zuseher aufatmet.  Steve erwartet abermals sein Lebensende, nachdem er in den Potomac River stürzt. Ist das das Ende? Und genau das ist die Szene, die die Russo-Brüder als die Wichtigste im ganzen Film empfunden haben (laut eines Interviews). Bucky zieht Steve aus dem Fluss. Es wirkt wie ein Instinkt, dem er gefolgt ist und weiß noch nicht genau, warum er das Ziel seiner Mission gerettet hat. Aber er hat es getan.

Bucky Barnes

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The Winter Soldier © Captain America – The Return of the First Avenger 2014 Marvel Studios

Bucky Barnes a.k.a der Winter Soldier hat zwar nicht besonders viel Screentime, aber die Szenen, die er hat, die nutzt er gut. Mit seinem Metallarm wirkte er auf mich wie ein Terminator, eine Kampfmaschine. Er ist unheimlich furchteinflößend, stark und brutal. Auch sein Theme-Song treibt das Ganze noch zusätzlich auf die Spitze. Er weiß genau, was er macht, als er Nick Furys Flucht mit einer Panzerfaust stoppt und nur einen lässigen Schritt zur Seite macht, als das Auto in seine Richtung geschleudert wird.  Im Laufe des Films wird klar, dass er nicht aus eigenem Willen heraus handelt. Er ist quasi die Marionette von Alexander Pierce. Man könnte zwischen den beiden sowas wie eine Vater-Sohn-Beziehung erkennen. Während der Winter Soldier in einem Moment furchteinflößend ist, wirkt er im nächsten wie ein kleines Kind, das nicht alles versteht, was man ihm aufträgt.

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The Winter Soldier © Captain America – The Return of the First Avenger 2014 Marvel Studios

Nach dem Zusammenstoß mit Steve Rogers, fragt der Winter Solder nach dem ‚Mann auf der Brücke‘, aber Alexander Pierce erkennt, dass Buckys Gehirn die Verbindungen zur Vergangenheit wieder herstellt und ignoriert dessen Frage. Er befiehlt, Bucky wieder einer Gehirnwäsche zu unterziehen. Der Winter Soldier ist also kein klassischer Villain im eigentlichen Sinn. Es wurden viele Vergleiche mit Loki gezogen, aber die sehe ich hier nicht. Man muss auch erwähnen, dass Bucky Barnes den Sturz aus dem ersten Teil überlebt hatte, weil Arnim Zola an ihm experimentiert hat. Bucky hat ein ähnliches Serum in seinem Körper wie Steve Rogers. Und wie wir alle wissen, macht das  Serum Böses Schlimmer und Gutes Besser. Bucky Barnes war ein guter Mensch. Er hat Steves Fähigkeiten erkannt, bevor er zum Supersoldaten wurde und er hat sich nicht von Neid und Eifersucht blenden lassen, als er plötzlich in Steves Schatten stand. Auch hier ist klar, dass das Superserum, egal, wie oft Buckys Erinnerungen ausgelöscht werden, ihn niemals 100% zur Killermaschine machen werden. Deshalb hat auch Steve dazu beigetragen, dass Bucky sich an ihn wieder erinnern konnte.

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Bucky and Steve © Captain America – The First Avenger 2012 Marvel Studios

Besonders deutlich zeigt das die zweite Post-Credit-Szene, als Bucky in das Smithsonian geht, weil er plötzlich an seiner Identität zweifelt. Dort sieht er in sein eigenes und in Steves Gesicht und die Erkenntnis trifft ihn wie ein Schlag.

Im nächsten  und letzten Teil werde ich ein bisschen zwischen den Zeilen lesen, berichten, welche Highlights prägend sind und mehr Parallen zu anderen Marvel-Filmen ziehen.

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