Asiatische Filme die Ihr vielleicht nicht gesehen habt, aber solltet |Drama #6|Hara-Kiri Tod eines Samurais

Zur Handlung:

Der Film beginnt im Jahr 1630. Das Glanzzeitalter der Samurai ist vorbei und viele von ihnen wandern arm durch das Land.

Der Ronin Tsugomo Hanshiro betritt das Anwesen einer reichen Familie und bittet darum im Innenhof Seppuku, das bekannte Selbstmordritual der Samurai, begehen zu dürfen. Der stellvertretende Hausherr vermutet jedoch einen zu dieser Zeit verbreiteten „Bluff“. Einigen Ronin, die in einem Haus um die Möglichkeit des Selbstmordes bitten, wurde stattdessen Geld gegeben um die mit dem Ritual verbundenen Tätigkeiten zu umgehen. Da dies aber nicht weiter geduldet wird, wird Tsugomo zum Selbstmord gezwungen. Im Innenhof sitzend erzählt dieser schließlich seine Lebensgeschichte und von einer Beziehung zu einem jungen Ronin, die ihn schließlich in diesen Innenhof geführt hat.

Hara-Kiri Cover

© Ascot Elite Home Entertainment

 

Der Film spielt auf drei Zeitebenen, zwei davon sind Rückblenden, die in der erwähnten Innenhofszene zusammengeführt werden. Die eine Erzählung, aus der Sicht des stellvertretenden Hausherrn handelt von einem jungen Samurai, der versucht mit einer Selbstmorddrohung Geld zu verdienen. Da er nur ein Holzschwert statt eines echten mit sich trägt erweist sich die Vermutung eines „Bluffs“ als wahr und der junge Mann wird gezwungen sich mit einem Holzschwert den Bauch aufzuschneiden. Die zweite Rückblende erzählt das Alltagsleben des Protagonisten und macht den Hauptteil der Gesamthandlung aus.

Zum Stil des Films:

Ich glaube, dass man mit ziemlicher Sicherheit sagen kann, dass jeder der sich mit japanischem Film auseinandersetzt den Namen Takashi Miike zumindest schon einmal gehört hat und man wird mir zustimmen können wenn ich sage, dass eine ruhige Geschichte nicht etwas ist, was man sofort mit ihm in Verbindung bringen würde. Wer aber mit der Erwartung einen verrückten, „over-the-top“ brutalen Film zu sehen zu bekommen wird hier jedoch entweder enttäuscht oder aber positiv überrascht werden. Nach seinem Samurai Actionfilm „13 Assassins“ wird uns hier ein Film präsentiert, der nahezu komplett auf Kämpfe und Brutalitäten allgemein verzichtet. Stattdessen werden wir mit ruhigen, fast schon statischen Kameraeinstellungen und ruhiger unscheinbarer Musik konfrontiert, während wir am Leben eines einfachen Ronin teilhaben dürfen.

Hara-Kiri Tod eines Samurais 2

© Ascot Elite Home Entertainment

 

Die alten schwarz-weiß Filme, wie beispielsweise die von Akira Kurosawa bieten aufgrund der schlechten Bildqualität selten die Möglichkeit sich auf den Hintergrund der gezeigten Bilder zu konzentrieren. Bei „Hara-Kiri“ jedoch sind die Bilder als „satt“ zu beschreiben, sie scheinen nicht wie Kulissen, die nur für den Film aufgestellt wurden und man sich nur darum gekümmert hat den Vordergrund und die nähere Umgebung der Darsteller anschaulich zu gestalten. Die gezeigte Welt scheint lebendig zu sein, sie wirkt organisch. Es gibt keine leeren Stellen, überall ist etwas zu sehen, ohne aber das Gesamtbild überladen wirken zu lassen. Es ist fast schon entspannend diese Bilder auf sich wirken zu lassen. All dies kann man unter anderem darauf zurückführen, dass wir es hier mit einem Film zu tun haben, der in 3D gefilmt wurde. Es wird aber hier auf offensichtliche Situationen, bei denen Objekt in die Kamera geschoben werden verzichtet, sondern der Film sieht aufgrund seiner Schärfe und Tiefe realistisch aus und da der Film nurmehr als 2D erhältlich ist wird auf das ungewohnte Gefühl des 3D Films verzichtet, ohne an Bildqualität zu verlieren.

Was manchen möglicherweise negativ auffällt ist die langsame Erzählweise. Der Film dauert zwar zwei Stunden, wirkt aber stellenweise viel länger, besonders gegen Ende. Wie bereits beschrieben handelt es sich hier um eine Art Portrait eines Samurai in der Zeit in der Frieden herrschte und daher das familiäre Leben den Großteil der Handlung ausmacht. All die schönen Bilder können schließlich nicht von der tragischen Geschichte des Protagonisten ablenken und es wird dadurch verhindert, dass der Film zu eintönig wird.

 

Fazit

Wer einmal einen ruhigeren Samuraifilm sehen will, ohne „over-the-top“ Gewaltszenen und epischen Schlachten ist hier genau richtig. Hara-Kiri ist kein Film, den ich für einen Filmabend mit Kumpels und ein paar Bier empfehlen würde. Man sollte sich vielmehr in _Ruhe auf den Film einlassen und versuchen sich nicht ablenken zu lassen.

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