Asiatische Filme die Ihr vielleicht nicht gesehen habt, aber solltet |Drama #5|I’m a cyborg but that’s ok

Nach seiner Rachetrilogie wandte sich Park Chan-Wook einem etwas anderen Filmgenre zu und führte bei diesem in einem Irrenhaus spielenden Drama Regie. Auf Imdb wird der Film sowohl als Drama als auch Comedy bezeichnet und auf dem DVD Cover der Tartan Edition wird nur mit dem Begriff Comedy geworben, doch ich finde, dass man mit dem Begriff Komödie im Zusammenhang mit psychisch abnormen Figuren vorsichtig sein sollte.

DVD Cover I am a Cyborg but that is ok

DVD Cover © Rapid Eye Movies

Kurzes zur Handlung:

Der Großteil des Films spielt in einem nicht näher beschriebenem Irrenhaus in Korea und handelt von dessen Patienten. Genauer gesagt folgt die Handlung dem Alltag der jungen Cha Young-goon, die sich für einen Cyborg hält und sich schließlich mit einem jungen Mann anfreundet, der sich die Fähigkeit zuschreibt die Probleme oder Charakteristika der anderen Patienten übernehmen zu können. Da Cha Young-goon meint, ein Cyborg müsse keine Nahrung zu sich nehmen wird sie schließlich immer schwächer und ihr neuer Freund macht es sich zur Aufgabe sie davon zu überzeugen, dass sie auch für Menschen vorgesehene Nahrung zu sich nehmen kann und nicht immer nur Batterien abschlecken muss.

Es ist immer schwierig einen Film zu sehen, bei dem die Protagonisten nicht „normal“ sind, da es oft schwer fällt sich in sie hinein zu versetzen. Auch bei diesem Film denke ich ist dies nicht einfach, doch es ist überraschenderweise auch nicht notwendig. Man nimmt vielmehr die Position eines außenstehenden Betrachters ein und beobachtet die Personen bei ihren verrückten Aktionen. Hier wird der angesprochene Konflikt zwischen Tragödie und Komödie deutlich, wenn man beispielsweise eine übergewichtige Patientin dabei beobachtet, wie sie sich einredet mit elektrostatischen Socken ihr Gewicht soweit zu reduzieren, dass sie fliegen kann und daher auf ihrem Bett liegt und heftig die Füße aneinander reibt um so fliegen zu können. Auf den ersten Blick sieht es lustig aus, doch eigentlich wird man lediglich Zeuge eines verzweifelten Wunsches der Patientin.

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© Rapid Eye Movies

Zu den Schauspielern:

Überraschend positiv vielen mir die schauspielerischen Leistungen der Jungdarsteller auf. Patienten in einer Irrenanstalt zu spielen ist keine leichte Aufgabe, da man Gefahr läuft die Darstellung ins Lächerliche abgleiten zu lassen. Die Figuren in „I’m a cyborg, but that’s ok“ scheinen aber überraschend realistisch, auch wenn die Einbildung ein Cyborg zu sein, oder das zwanghafte Verlangen nur rückwärts zu gehen und sich dabei immer zu entschuldigen komisch klingen mag.

Es wirkt nie so, als ob sich die Schauspieler nicht ernst nehmen und dadurch hat man zeitweise auch Mitleid mit den Figuren die sie darstellen.

Beim männlichen Hauptdarsteller, Jung Ji-hoon, einigen vielleicht besser als „Rain“ bekannt, war ich anfangs etwas verunsichert, als ich gelesen habe, dass er primär als Sänger und Model tätig ist. Ich hatte befürchtet, dass diese Rolle ihm lediglich aufgrund seiner Berühmtheit und einem damit verbundenen vermuteten Wiedererkennungsgrad bei seinen Fans zugeschoben wurde. Ich war aber positiv überrascht von seiner Leistung vor der Kamera. Besonders, da seine Figur noch am ehesten für das Publikum zugänglich ist und er ab der zweiten Hälfte die handlungstreibende Position einnimmt. Dadurch wird das Ansehen des Filmes etwas aufgelockert, da die weibliche Hauptfigur sehr in ihrer Rolle als Cyborg aufgeht und diese auch so überzeugend darstellt, wodurch man sich etwas verloren fühlt, da man keinen Anschluss an das Geschehen findet. Dies liegt aber auch daran, dass der Film sehr direkt einsteigt und man nur über Rückblenden und Erzählungen die Vorgeschichte erfährt.

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© Rapid Eye Movies

Fazit

Abschließend kann ich sagen, dass ich zu Beginn des Filmes etwas skeptisch, aber nach dem Ende dann doch positiv überrascht war. Ich bin von den Filmen, bei denen Park-Chan Wook Regie geführt hat, blutige Rachestreifzüge gewöhnt, finde aber, dass sein kurzer Ausflug in ein eher ruhigeres Gebiet sehr gelungen ist und würde mich nun auch nicht sofort scheuen einen weiteren Film dieser Richtung zu sehen.

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