Asiatische Filme die Ihr vielleicht nicht gesehen habt, aber solltet |Drama #3|Shinjuku Incident – Stadt der Gewalt

Im dritten Teil unsere Serie stellt euch Kitsune einen chinesischen Film mit Jackie Chan vor. Aber viel zu lachen gibt es in diesem Jackie Film nicht.

Mein diesmaliger Beitrag klingt für manche vielleicht nach einer etwas komischen Mischung. Jackie Chan in einem Gangsterdrama. „Stadt der Gewalt“ oder „Shinjuku Incident“ heißt der Film und ich kann vorweg sagen, dass ich positiv überrascht war von Jackie Chans Darstellung eines illegalen Immigranten.

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DVD Cover © KSM Gmbh 2011 © 2009 Emperor Dragon Movies Limited. All Rights Reserved.

Zur Handlung

Jacki Chans Figur Tietou wandert auf der Suche nach seiner Jugendfreundin illegal nach Japan ein. Sie hat zuvor China in der Hoffnung auf ein besseres Leben verlassen. Auf seiner Suche trifft er auf Freunde von früher, die ihm in eine Gruppe anderer Einwanderer aufnehmen und in das Leben in Japan einführen. Anfangs verdient sich der Held mit Arbeiten auf Müllhalden oder der Kanalisation seinen Unterhalt, lernt aber nebenbei auch von mehr gewinnbringenden, aber zugleich kriminellen Tätigkeiten. Tietou weigert sich  aber von Anfang an Aufträge dieser Art anzunehmen, da er Angst vor einer Abschiebung hat und er zusätzlich eine Bekanntschaft mit einem Polizisten aufbaut, die sich durch den gesamten Film ziehen wird.

Es kommt schließlich zu einigen Streitigkeiten mit lokalen Banden und Tietou sieht ein, dass seine neue „Familie“ untergehen wird, wenn sie sich nicht durchsetzen können und lässt sich schließlich doch in Japans Unterwelt leiten. Über einige Zeit hinweg schafft es Tietou eine Organisation aufzubauen, die sogar von der ansässigen japanischen Yakuza als Bedrohung angesehen wird, was schließlich in einer finalen Konfrontation endet.

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© 2009 Emperor Dragon Movies Limited. All Rights Reserved.

Einige mag dies vielleicht an die Handlung von „Scarface“ mit Al Pacino erinnern. Oft liest man diesen Vergleich auch in Kritiken, doch ich finde, dass bis auf die Grundidee, ein illegaler Einwanderer entwickelt sich zu einer Führungsposition einer kriminellen Organisation, haben die beiden nicht all zu viel gemeinsam. Jackie Chans Figur will lediglich, dass seine Freunde ein respektiertes Leben führen können und versucht sie so gut es geht aus gefährlichen Situationen heraus zu halten. Auch in Bezug auf Actiongehalt unterscheiden sich die beiden, da Shinjuku Incident, speziell für einen Jackie Chan-Film, sehr ruhig gehalten wird und mehr Wert auf zwischenmenschliche Konflikte auf emotionaler Ebene gelegt wird, als auf Shoot-Outs im großen Stil. Dies heißt jedoch nicht, dass es sich hierbei um einen gewaltfreien Film handelt. Szenen der Gewaltdarstellung ziehen sich durch den gesamten Film. Von zerschnittenen Gesichtern bis hin zu abgetrennten Gliedmaßen bietet der Film alle klassischen Gangsterelemente, hierbei handelt es sich jedoch nicht um übertriebene Darstellungen wie sie aus Chanbarafilmen der 80er oder beispielsweise Filmen wie Miikes Gangsterfilm „Ichi, the Killer“, sondern bleibt auf einer realistischen Ebene, was zum Gesamtbild des Filmes passt.

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© 2009 Emperor Dragon Movies Limited. All Rights Reserved.

Ein weiterer Kritikpunkt der oft zu lesen ist und dem ich mich nicht anschließen kann ist Jackie Chans schauspielerische Darstellung. Viele meinen, dass er unsicher wirkt, fast schon so als ob er zu dieser Rolle gezwungen wurde. Jackie Chan sagt zwar selbst, dass er slapstickartige Komödien bevorzugt, aber ich finde dass in diesem Film die kritisierte Unsicherheit gut gepasst hat. Tietou ist nunmal ein Mann in einem fremden Land, dessen Sprache er nicht beherrscht und er sieht sich gezwungen Arbeiten zu verrichten, bei denen ihm unwohl ist. Die Figur wirkt dadurch menschlicher und auch sympathischer, da wir es hier nicht mit einem üblichen Schurken zu tun haben, sondern jemanden der lediglich auf diesem Gebiet arbeitet da ihm keine andere Wahl bleibt. Die anderen Chinesen, mit denen sich Tietou anfreundet scheinen zwar interessant zu sein und die Abende, die alle zusammen in einer viel zu kleinen Wohnung miteinander verbringen zeigt auch ein sympathisches, familiäres Bild, jedoch finde ich, dass sie trotz allem zu wenig vorgestellt werden um sie besser zu verstehen um so eine Beziehung aufzubauen.

Der Film kam mir ein bisschen lange vor, was aber nicht daran liegt, dass er langweilig ist, sondern einfach langsam was ich aber als positiv empfunden habe. Es gibt keine großen Sprünge oder schnell aneinander gereihte Situationen, wie es öfters bei anderen Gangsterfilmen der Fall ist. Es gibt beispielsweise keinen Umsprung von „Mann lebt auf der Straße“ hin zu „Villenbesitzer“, wodurch der Film realistischer wirkt und das Verbrecherleben nicht glorifiziert wird.

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© 2009 Emperor Dragon Movies Limited. All Rights Reserved.

Fazit:

Für alle die sich für einen Film mit einem ernsthaften Jackie Chan interessieren sehr empfehlenswert. Eine nette Abwechslung war Japan aus einer anderen Perspektive als die der Japaner oder Touristen zu sehen. Besonders das „auf sich alleine gestellt sein“ zeigt dieser Film besonders gut. Die angesprochene Sprachbarriere spielt hierbei eine wichtige Rolle und daher sollte der Film unbedingt in der Originalversion gesehen werden.

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