Asiatische Filme die Ihr vielleicht nicht gesehen habt, aber solltet |Drama #2| Nokan – Die Kunst des Ausklangs

Der zweite Film den ich euch in meiner Serie über missverstandene oder unbekannte Filme vorstellen möchte ist „Nokan – Die Kunst des Ausklangs“ aus dem Jahr 2008. Mit einer imdb-Wertung von über 8/10 und sogar einem Oscar für besten ausländischen Film ist dieser zwar keineswegs ein „underrated movie“ aber ich glaube schon, dass wir es hier mit einem Film zu tun haben, der bei der jüngeren Generation möglicherweise unbekannt geblieben ist.

nokankuaus09

Nokan © Indigo 2009

 

Zum Inhalt

Kobayashi Daigo ist aufgrund der Schließung des Orchesters, bei dem er als Cellist angestellt war, auf Jobsuche. Da er den Titel einer Stellenausschreibung „Hilfe bei der Reise“ falsch versteht und mit einem Reisebüro gerechnet hat, landet er bei einem Bestattungsunternehmen. Anfangs schämt  sich der junge Mann vor seiner Frau für diesen Beruf und versucht sein Tätigkeit vor ihr geheim zu halten, lernt aber selbst, dass seine neue Anstellung doch nicht ganz so abstoßend und unehrenhaft ist, wie er anfangs dachte.

„Nokan“ (納棺) kann man mit „jemanden in einen Sarg legen“ übersetzen, doch das ist nur ein Teil der Aufgabe des Protagonisten. Bevor der Tote „eingesargt“ wird, vollführt Kobayashi ein Reinigungsritual, bei dem die Angehörigen zusehen.

Departures

Nokan © Indigo 2009

 

Erzählrhythmus

Klingt nach einem relativ deprimierenden Ausgangspunkt für einen Film. Dies ist jedoch keineswegs der Fall. Der Film schafft es ein Gleichgewicht zwischen Ernsthaftigkeit und einem realistischen Humor zu finden.

Beispielsweise der erste Auftrag, bei dem der Protagonist selbst die Reinigung durchführen muss, stellt ihn vor ein unerwartetes Problem. Beim Waschen einer bestimmten Körperregion stellt sich nämlich heraus, dass es sich bei dem Verstorbenen um einen Mann und nicht wie gedacht um eine junge Frau handelt, was bei dem späteren Schminken der Leiche wichtig zu wissen ist. Hierbei rutscht der Film jedoch nicht in das lächerliche oder obszöne ab, sondern schafft es auf eine nicht übertriebene Art diese Situation darzustellen und der Rhythmus der Szene wird trotz allem nicht gestört und geändert.

Dieses Nebeneinander von humorvoll zieht sich durch den ganzen Film, wenn auch das Ende etwas in die ruhigere, ernstere Richtung geht und auch etwas an Tempo verliert.

Der Film bearbeitet aufgrund des Settings sowohl das Ableben als auch die Geburt der Menschen und flechtet auch immer wieder ein paar philosophische Ansichten mit Hilfe des alternden Chefs (grandios gespielt von Tsutomu Yamazaki, der möglicherweise einigen aus Kurosawafilmen bekannt ist) des Bestattungsunternehmen ein, die in berührenden Dialogen dargebracht werden.

Nokan3

Nokan © Indigo 2009

Gestaltung

Die Arbeit im Bestattungsunternehmen wird immer wieder durch Szene, welche Alltagssituationen im Haushalt oder dem regelmäßigen Besuch eines alten Badehauses unterbrochen. Die Kamera ist in keiner Situation hektisch, sondern bleibt statisch im Raum. Immer in einem gewissen Abstand, fast so, als ob man dadurch die Position einer Person einnimmt und daher nie zu nahe oder weit entfernt vom Geschehen ist. Das bemerkenswerte an dem Film ist, dass man durch diese ruhige Erzählweise die Möglichkeit bekommt, Einblicke in das Leben eines Japaners zu erhalten, ohne dass es sich bei dem Protagonisten um einen Superhelden, Samurai oder Yakuza-Gangster handeln muss, was finde ich ein willkommene Abwechslung war. Das die Handlung zusätzlich nicht in einer Großstadt wie Tokyo, sondern im ländlichen Gebiet spielt, unterstützt die Atmosphäre zusätzlich und erklärt dadurch auch, warum für den deutschen Filmtitel „Die Kunst des Ausklangs“ als Untertitel gewählt wurde. Obwohl der Film mit einer Laufzeit von 130 Minuten für einen so ruhigen Film etwas lang geworden ist, wirkt er nie langatmig, da auch die langsameren Szenen eine gewisse Spannung aufbringen.

m1500

Nokan © Indigo 2009

 

Fazit:

Auf jeden Fall sehenswert für alle, die nicht unbedingt einen Action-Film brauchen oder kompliziert verwobene Liebesgeschichten. Wer sich vorher den Trailer anschaut,bekommt ,finde ich, einen guten Überblick, wie der Film mit Humor und Ernsthaftigkeit umgeht. Auf jeden Fall im japanischen Originalton anschauen, da in der synchronisierten Fassungen die Figuren teilweise nicht so realistisch sondern teilweise lächerlich wirken.

Comments

comments