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Asiatische Filme die Ihr vielleicht nicht gesehen habt, aber solltet |Drama #1| Ikiru – Einmal wirklich leben

By 06/01/2015 No Comments

„Wenn du 6 Monate zu leben hättest, was würdest du tun?“

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Orginal Filmplakat ©TOHO

 

Mit einer IMDB Wertung von 8,4 und einigen Preisen ist dieser Film zwar in keiner Weise „underrated“, aber ich glaube, dass er heutzutage nurmehr schwer ein Publikum findet. Dies zu ändern ist genau die Aufgabe meiner regelmäßigen Beiträge über unbekannte oder missverstandene Filme aus Asien.
Wenn man an Akira Kurosawa denkt, fällt einem normalerweise 7 Samurai, Yojimbo oder ähnliche Samurai Filme ein. An einen krebskranken Büroangestellten jedoch nicht. Dies ist jedoch genau der Grund, warum ich auf diesen Film damals aufmerksam wurde.

Zur Handlung

Das Schicksal des Protagonisten und damit das Ende des Filmes wird bereits mit der ersten Einstellung vorweggenommen und dem Publikum wird ein todgeweihter Held präsentiert. Wir verfolgen seinen Alltag bis zu dem einen Arztbesuch, der das Leben von  Kanji Watanabe (gespielt von Takashi Nimura, der einigen vielleicht als Kambei aus „Die 7 Samurai“ bekannt ist), einem Abteilungsleiter  der städtischen Beschwerdestelle verändern sollte. Der Film begleitet den Sterbenden auf seiner Suche seinem Leben mit der ihm gebliebenen einen neuen Sinn zu geben, was anfangs jedoch zu scheitern scheint. Erst als ihm das Anliegen einer Gruppe von Müttern einfällt schöpft er neue Kraft und scheint erstmals wirklich lebendig sein zu können.

Ikuri

©TOHO

Die Gestaltung des Films

Ich würde nicht sagen, dass wir es hierbei mit einem einfachen Film zu tun haben, den man sich nur so zum Zeitvertreib anschauen würde. Leider scheint das heutige Publikum von Hollywoods Aktionskino desensibilisiert zu sein. „Ikiru“ aus dem Jahr 1952 ist nunmal ein schwarz-weiß Film und mit einer Länge von fast zweieinhalb Stunden weit entfernt von heutigen Standards. (wenn man von Beispielen wie dem extended cut der „Herr der Ringe“ Trilogie absieht)

Die ruhige, zum Großteil still stehenden Kamera mag heutzutage wieder ungewohnt worden sein (was meiner Meinung nach etwas Negatives ist), unterstützt jedoch die ruhige Erzählweise des Filmes und lenkt auch nicht von der grandiosen schauspielerischen Leistung Takashi Nimuras ab.

Jeder der sich mit Akira Kurosawas Filmen auseinandergesetzt hat wird mir zustimmen, dass man niemals willkürlich gewählte Einstellungen vor sich hat. Sie alle sind bis hin zu Papierstapeln auf einem Tisch durch inszeniert. Wenn man bedenkt, dass damals die Möglichkeiten der Bildbearbeitung und Special Effekts sehr begrenzt waren wird dies umso eindrucksvoller. Selbst die Vorhänge tanzen für Kurosawa, als der Protagonist während seiner Suche nach einem Sinn für sein Leben in einem Tanzlokal sitzt und kurz darauf das Lied „Gondora no Uta“ anstimmt um von der Vergänglichkeit des Lebens zu erzählen.

Seine Suche zieht sich durch die ersten zwei Stunden des Filmes und führt ihn durch die nächtlichen Straßen Japans. Begleitet wird er hierbei von einem Schriftsteller, der sich selbst die Rolle des Mephisto (hier eine Faustanspielung) zuschreibt.

Der immer schwächer werdende Held sieht jedoch ein, dass das wilde Nachtleben keine Erfüllung bringt. Auch seine Freundschaft mit einer jungen Angestellten lässt ihn nur anfangs Glück empfinden.

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©TOHO

Gedanken zur Schlussaussage

Ich möchte den Schluss nicht vorwegnehmen, obwohl dieser wie gesagt bereits in der ersten Einstellung ersichtlich ist, muss aber die letzte halbe Stunde hervorheben. Auch hier wieder für aktuelle Verhältnisse unüblich spielt diese in einem einzigen Raum, unterbrochen von kurzen Rückblenden, die die Entwicklung des Protagonisten und den oft beeindruckenden Einfluss, den er auf seine Mitmenschen hat, verdeutlichen.

Die Schlussaussage des Filmes jedoch ist an ihrer Ehrlichkeit nicht zu übertreffen. Es handelt sich hierbei nicht um die klassische 0815 Happy End Formel aus Hollywood, sondern dem Publikum wird ein erstaunlich realistisches und ich muss sagen ernüchterndes Bild präsentiert, dass den Film trotzdem nicht negativ beeinflusst, sondern vielmehr zum Denken anregt.

Was genau damit gemeint ist, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, sondern empfehle Euch einmal  etwas „Neues“ auszuprobieren und diesen alten Film anzusehen. Wer sich wirklich ernsthaft darauf einlässt wird nicht enttäuscht sein.

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[/dropcap]Fazit:

Für Kurosawa Fans oder die unter euch, die sich nicht davor scheuen etwas „Neues“ auszuprobieren auf jeden Fall sehenswert. Man sollte sich aber auf jeden Fall Zeit für den Film nehmen und nicht einfach nur nebenbei ansehen.

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©TOHO

 

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Kitsune

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