Anime für Anfänger #1

Viele Fans von Anime und Manga haben oft Freunde oder Verwandte, die mit ihrem liebsten Hobby nichts anfangen können. Hie und da mal versucht man, seine „normalen“ Freunde dazu zu überreden, einen Anime gemeinsam anzusehen. Leider geht das manchmal ganz schön in die Hose, denn auch wenn dir ein Anime gut gefällt, heißt das nicht gleich, dass du auch einen wenig erfahrenen Freund damit überzeugen kannst.
Beispielsweise habe ich vor einigen Jahren mal versucht, einem Animeneuling mit Suzumiya Haruhi no Yuutsu zu bekehren. Auch wenn es sich hierbei um eine wirklich gute Serie handelte, ging mein Vorhaben leider total schief. Suzumiya Haruhi no Yuutsu war bei weitem zu komplex und definitiv nicht für einen Anfänger geeignet.
Wenn es darum geht, einem Neuling Anime schmackhaft zu machen, muss man als aller erstes auf sein Alter und natürlich sein Geschlecht eingehen. Ich behaupte nicht, dass alle Mädchen auf Romantik und Kitsch stehen – ich zum Beispiel fange mit Shoujo ganz und gar nichts an -, aber man muss dennoch versuchen, in einem gewissen Rahmen zu denken, um herauszufinden, was meinem Gegenüber nun gefallen könnte.
Heute will ich euch ein paar Anime empfehlen, die für die Vertreter des männlichen Geschlechts zwischen 14 und 16 Jahren durchaus interessant sein können.
Viele junge Männer in diesem Alter sind nicht unbedingt dafür zu begeistern, wenn es darum geht, einen japanischen Anime mit deutschen oder gar englischen Untertiteln zu lesen. Aber bedauerlicherweise ist es fast ein Ding der Unmöglichkeit, einen halbwegs gut deutsch-synchronisierten Anime zu finden. Deshalb sollte man einen Film oder eine Serie wählen, die mit Untertiteln einfach zu verstehen ist.
Jungs zwischen 14 und 16 sind auch meist ein wenig geduldiger und nicht ganz so anspruchsvoll, wenn es um Anime geht. Deshalb muss man nicht zwangsläufig eine Serie wählen, die gleich von der ersten Episode an so richtig einschlägt.
Wenn es um die Überzeugung jener Altersgruppe bei Männern geht, solltet ihr eurem Freund oder euren Freunden vielleicht – und das ist kein Scherz – Bleach zeigen.

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Zuerst dachte ich, dass vielleicht Naruto keine üble Idee wäre, wenn es darum geht, jemanden für Anime und Manga zu gewinnen. Doch nach längerem Grübeln bin ich zu dem Schluss gekommen, dass gerade Jungs in diesem Alter von dem Hauptcharakter Naruto weniger angetan sein werden, da er einfach nicht cool genug ist – ganz im Gegensatz zu Ichigo aus Bleach.
Bleach hat eigentlich alles, was eine simple Shounenserie braucht: einen draufgängerischen Hauptcharakter, viel Humor, tolle Openings und Soundtracks, eine leicht zu folgende Handlung und jede Menge unterschiedliche Figuren, unter denen man bestimmt die ein oder andere findet, mit der man sich identifizieren kann.
Sofort beim Einschalten der ersten Episode wird der Zuseher mit dem wirklich unglaublich guten ersten Opening konfrontiert. Das Intro ist unheimlich wichtig, denn man sieht Charaktere, die in den ersten drei oder vier Episoden noch nicht erscheinen werden, was den Zuseher logischerweise nach und nach neugierig auf das Auftauchen jener Charaktere macht.
In Folge Eins passiert so einiges.
Man kriegt einen Einblick auf das Leben der Hauptfigur Ichigo und seine Fähigkeit, Geister zu sehen. Ichigo ist aber kein lustiger Charakter, was gleich erkennbar ist. Schon in den ersten paar Minuten der Episode wird Ichigo als tragischer Held dargestellt, der alleine mit seinen Schwestern und seinem Vater – ohne Mutter – klarkommen muss. Sein Vater entpuppt sich als ziemlich idiotisch – weshalb Ichigo definitiv die ernstere Rolle übernehmen muss. Es wird auch sofort klar, dass Ichigo mit seiner Fähigkeit, Geister zu sehen, nicht sonderlich gut klar kommt.
Bei einem jungen Mann, der mit Anime oder gar typischen Shounenserien bisher nichts zu tun hatte, kann das durchaus Sympathien auslösen.
Als Rukia dann auftaucht, wird das gesamte Szenario schon etwas interessanter und vor allem komischer. Die Beziehung zwischen Ichigo und Rukia ist schon so skurril, dass man entweder nur mit dem Kopf schütteln, oder breit grinsen muss.
Rukia erklärt gegen Ende der Folge, was ihr Shinigami-Dasein auf sich hat. Spätestens jetzt fängt Bleach an für den Zuseher interessant zu werden und er könnte beginnen, Fragen zu stellen, da es für einen Animeanfänger doch etwas verwirrend sein könnte. Aber aus Erfahrung weiß ich, dass man sich trotz mangelnden Verständnisses irgendwie mit der Handlung doch zurecht findet.
Sobald sich herausstellt, dass die Hauptfigur einzigartige Fähigkeiten besitzt, er diese aber noch nicht wirklich kennt, kann Bleach für den jungen Animeneuling durchaus ansprechend werden.
Aber sobald Ichigo Rukias Kräfte völlig absorbiert und dem Hollow zeigt, wo es lang geht, und Bleach erst richtig spannend und interessant wird, ist die Folge auch wieder vorbei.
Und schon hat man – wenn man den Zuseher damit erreichen konnte – einen neuen Bleach-Fan.
Bleach ist simpel, nach kurzer Zeit sehr leicht zu verstehen und bietet Spannung, Humor, Tragik und so gut wie gar keine Romantik. Ist es nicht genau das, was junge Männer zwischen 14 und 16 wollen?!

Eine weitere Animeserie, die ich euch für Jungs im Alter von 14 bis 16 Jahren empfehlen würde, ist Fairy Tail.

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Vielleicht fragen sich jetzt einige, wieso ich nicht One Piece an dieser Stelle wähle.
Meiner Meinung nach ist One Piece definitiv etwas für Ältere. Nach jahrelanger Animeerfahrung fällt mir besonders auf, dass One Piece eher bei älteren Zusehern in Frage kommt. Deshalb rechnet schon mal damit, dass mein Lieblingsanime One Piece bei einem anderen Teil von „Anime für Anfänger“ vorkommen wird.
Warum ich gerade Fairy Tail gewählt habe, ist logisch: Es ist teilweise sogar noch simpler als Bleach. Allerdings überzeugen die ersten Episoden nicht gleich von Beginn an.
In Episode Eins lernt der Zuseher die Stella-Spirit-Magierin Lucy kennen, die sich der Gilde Fairy Tail anschließen will. Im Laufe der Folge lernt sie Natsu und Happy kennen, die sich beide als Mitglieder jener Gilde vorstellen. Man kriegt einen kurzen Einblick in Natsus Dragon-Slayer-Fähigkeiten und schon ist die Episode auch wieder vorbei.
Wenn man Fairy Tail sieht, muss man sich gleich von Anfang an darauf einstellen, dass es einige Zeit benötigt, um davon überzeugt zu werden. Ich bin jedoch der Meinung, dass Jungs zwischen 14 und 16 geduldiger sind, als man zunächst glauben mag.
Fairy Tail ist überaus einfach zu verstehen, langsam im Erzählen seiner Handlung und bietet jede Menge unterschiedliche Charaktere. Auch wenn der eigentliche Hauptcharakter Lucy für männliche Zuseher vielleicht nicht ganz so ansprechend ist, dürfte Natsu umso mehr beim jüngeren Publikum ankommen.
Natsu ist eine ungemein witzige Figur, die von einem Moment auf den anderen eine gewaltige Coolness ausstrahlen kann – und genau das dürfte bei jungen Männern enorm gut rüberkommen.
Das gesamte Fantasy-Setting von Fairy Tail ist allgemein bei jüngeren Zusehern sehr beliebt und dürfte einen Nicht-Animefan durchaus überzeugen. Auch Natsus und natürlich die Fähigkeiten der anderen Fairy Tail Mitglieder sind immer wieder für Überraschungen gut.
Leider sind Opening und Ending weniger ansprechend – allerdings entwickelt sich der eigentliche Soundtrack der Serie von Folge zu Folge und zeigt nach und nach, was er so zu bieten hat.
Wenn man es also schafft, einen Animeanfänger zu überzeugen, sich mehr als nur zwei oder drei Fairy Tail Episoden reinzuziehen, dann kann man innerhalb von kurzer Zeit einen richtigen Fairy Tail-Fan aus ihm machen. Man darf nur nicht aufgeben!

Auch wenn wir dem männlichen Zuseher zwischen 14 und 16 nicht nur Serien mit gewaltiger Episodenanzahl vorsetzen wollen, haben wir aber gerade dadurch die Möglichkeit, den jungen Animeneuling erst richtig dafür zu begeistern und bei der Stange zu halten. Denn viele, die gerade Bleach und Fairy Tail gesehen haben, wissen, dass man mit beiden Serien nur schwer aufhören kann. Das Suchtpotential beider Anime ist enorm – und genau das kann man für seine Überzeugungszwecke nutzen!

In Kürze folgt ein weiterer Teil meiner Blog-Serie „Anime für Anfänger“ – dann dürft ihr euch über Empfehlungen für weibliche Animeneulinge freuen.
Ich werde jetzt den Beginn der Osterferien genießen und meinen Fairy Tail- und Bleach-Rewatch fortsetzen. Tatsächlich hat mich dieser Blogeintrag so sehr dazu inspiriert, beide Anime nochmal von vorne zu beginnen.

Bis zum nächsten mal!

~Haru

[Grafiken © Shueisha]

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