Akiba Pass Festival 2017

Wir waren diese Jahr beim Akiba Pass Festival. Wie es uns gefallen hat, könnt ihr hier in diesem kurzem Review lesen.

Ein Event, das sich Animefans wohl im Februar dick angestrichen haben, war das Akiba Pass Festival, das am 11.2. im UCI Milleniumcity stattgefunden hat. Von 9:00 bis 24:00 wurden dort neue und ältere Animes gezeigt, die genremäßig breit gestreut waren. Sogar ein paar Real live Filme gab es zu sehen.

Ich persönlich bin bei Film Festivals recht zwiegespalten, einerseits finde ich es toll, da man aus einer Vielzahl an interessanten Filmen wählen kann, andererseits bin ich davon oft schon stark überfordert.
Beim Akiba Pass Festival wurden fast zeitgleich cirka 3 verschiedene Filme gezeigt aus denen man wählen konnte. Soweit ich das mitbekommen habe, konnte jede/r die Filme sehen, die er/sie mochte, die Säle waren zwar gut gefüllt, aber es gab auch immer noch ein paar freie Plätze. Hat man sich daher ein paar Filme herausgesucht, konnte der Spaß auch schon losgehen, ausgerüstet mit Plastikarmband und passender Goodie Tasche, die man als Tagesticketbesitzer bekam, machte man sich also auf den Weg in den richtigen Kinosaal, der gut gekennzeichnet auf einer Wall im Foyer angezeigt wurde.

Ich persönlich bin kein großer Bingewatcher, wenn es um Filme geht. Ich denke gerne über die Filme nach, die ich gerade gesehen habe, und möchte auch noch oft ein wenig in dieser Welt verweilen, daher hab ich mir vorgenommen nur zwei Filme anzusehen. Einer war für mich ein Fixpunkt, nämlich „In this corner of the world“(2016) und ein andere wurde mir vor Ort empfohlen „Sound! Euphonium- The Movie“(2016).

Sound Euphonium

Ziemlich ahnungslos ging ich also in den ersten Film, mit der einzigen Info, dass es um Musik und High School gehen wird. Nach kurzer Zeit wurde mir klar, es geht um Blas- und Marschmusik, und weiters um einen „Schulclub“, der sich mit seiner Musik gerne für einen Wettbewerb qualifizieren würde. Bevor das allerdings erreicht wird, schlagen sich die SchülerInnen mit allerlei Problemen herum, und besonders talentiert sind einige am Anfang auch nicht. Ich muss sagen, der Film wusste nicht recht was er wollte, wollte er anspruchsvoll sein, Coming of age, eine Liebesgeschichte, Comedy…??? Ich habe irgendwann aufgegeben nach einem tieferen Sinn dahinter zu suchen, es hätte wohl auch nichts gebracht. Wahrscheinlich begeistert einen der Film mehr, wenn man die Animeserie dazu kennt. Für mich war er teilweise sehr verworren und die Handlung mancher Charaktere oft nicht nachvollziehbar. Das was mich an dem Film noch am ehesten begeisterte war die Musik und auch visuell war er ganz nett gemacht. Es war jetzt kein „schlechter“ Film, aber begeistert hat er mich nicht unbedingt. Aber ja, umso mehr hoffte ich, dass mich der folgende Film begeistern würde.

In this corner of the world

Nach der kurzen Einführung eines Festivalleiters, der auch erklärte, warum DER Animefilm „Kimi no na wa“ (Your Name) nicht dabei sei (“Der Film sei zu “groß”, zu teuer für ein Filmvestival dieser Größe geworden“,) ging es auch schon los. Und ich muss sagen, schon von den ersten Minuten an, war ich gefesselt. Nicht nur visuell war der Film beeindruckend, sondern besonders die Sensibilität mit der an das Thema herangegangen wurde, war herausragend. Das Thema zweiter Weltkrieg, Atombombe in Hiroshima, ist kein schöner Stoff, aber dieser Film hat es geschafft, gesehen aus dem Blickwinkel einer jungen Frau, eine Welt zu schaffen, die nicht nur durchaus realistisch gewirkt hat, sondern die auch Seiten des normalen Lebens während des Kriegs gezeigt hat. Eine auf den ersten Blick fast heile Welt, die aber durch zahlreiche Angriffe immer wieder aus der Bahn geworfen wird. Wir lernen dies alles aus der Sicht einer jungen Frau kennen, die verheiratet wird, deshalb in eine andere Stadt zieht und sich mit einer neuen Familie herumschlagen muss. Man lacht mit ihr, weint mit ihr und fiebert mit, dass doch noch alles irgendwie gut ausgehen wird. Ein Film, der einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird, und das Publikum mit offenem Mund und einem eigenartigem Gefühl zurücklassen wird.
Die Sicht Japans, im Besonderen einer jungen Frau, auf den zweiten Weltkrieg zeigt uns eine andere Welt und lässt uns heulend, aber auch hoffend zurück.

Als ich aus dem Kinosaal herauskam, wusste ich, das war es für heute. Ich war traurig, aber es war gleichzeitig ein schönes Gefühl. Es tat gut, so einen bemerkenswerten Film gesehen zu haben. Ich hatte auch das Gefühl, dass einige anderen auch erstmal ein wenig Pause machen mussten, bevor sie sich in den weiteren Kinomarathon stürzen konnten.
Ich kann nur sagen, ich habe es genossen und dank Akiba Pass, hätte ich wohl nie so einen bezaubernden Film gesehen. Und genau das ist das tolle an Festivals, man entdeckt Filme, die man sich vielleicht sonst wohl nie ansehen würde, aber wirklich etwas verpasst, wenn man es nicht tut.

Comments

comments